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Editorial

Es ist geschafft!

 

Wie waren wir erleichtert am 15. Mai! Nicht wenige Leute, mit denen ich vor dem Abstimmungssonntag gesprochen hatte, waren ja skeptisch, ob es reichen wird. Doch zum Glück waren die Prognosen diesmal zu negativ, das Resultat – 58,4 Prozent – lässt sich sehen. Dies auch angesichts eines anfänglich lauen, dann zunehmend aggressiv geführten Abstimmungskampfs, bei dem viele Halbwahrheiten herumgereicht wurden (lesen Sie dazu auch unseren Gastkommentar von WoZ-Kulturredaktor Florian Keller). Es war zeitweilig schwer erträglich zu lesen, was in den Sozialen Medien so alles kursierte – besonders enervierend das populistische Bashing «des Schweizer Films», als ob das eine einheitliche, leicht identifizierbare Grösse wäre.

Nun. Die Mehrheit der stimmenden Bevölkerung hat das zum Glück wenig beeindruckt. Und umso wichtiger waren die Gegenstimmen aus der Pro-Kampagne. Das Selbstbewusstsein, mit dem viele Befürworter aufgetreten sind, tat gut – und stärkte womöglich das Selbstbewusstsein auch jener aus der Branche, die sich nicht öffentlich einbringen wollten. Auch insofern war die Pro-Kampagne viel mehr als eine Übung in Öffentlichkeitsarbeit.

«Der Schweizer Film» wird in den kommenden Jahren nochmals neu und anders ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken, mit jenen Serien und Ko-Produktionen für Streamingdienste, auf die nun wir gespannt warten. Sie werden für ein breiteres, teils anderes Publikum gemacht als die vielen kleineren Dokumentarfilme und Arthaus-Produktionen, die es zum Glück weiterhin geben wird und die besonders für Kinos und Festivals entstehen.

Diese Auswertung ist bekanntlich spätestens seit der Pandemie sehr schwierig geworden – die Kino-Eintrittszahlen sind teils schockierend niedrig. Umso wichtiger sind die Transformationsprojekte, die im ganzen Land gerade initiiert werden. Wir berichten in unserem Schwerpunkt über erste Projekte, die gefördert worden sind und die eine Vorstellung geben von den kreativen Ideen, mit denen die digitale Umwälzung besser bewältigt werden könnte.

In dieser Nummer haben wir auch zwei Beiträge zur Ukraine. Dieser grässliche Krieg, der uns bis in die Träume verfolgt, hat auch den Abstimmungskampf überschattet und macht ein Arbeiten wie zuvor, als ob nichts geschehen wäre, unmöglich. Mein Kollege Adrien Kuenzy hat in Nyon ukrainische Filmschaffende getroffen und mit ihnen (auch) über den Krieg gesprochen. Den realen und den in unseren Köpfen.

 

Kathrin Halter
Redaktorin Deutschschweiz

 

Bild: «Sur le pont» von Sam & Fred Guillaume. Der Film läuft am Annecy Festival und ab Herbst in den Kinos

 

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