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Editorial

Aufbruch gestern und heute

Emmanuel Cuénod, Co-Chefredaktor

In diesem Ciné-Bulletin widmen wir uns dem Nachwuchs. Das mag ungewohnt sein, ist unseres Erachtens jedoch wichtig. Weshalb? Der Nachwuchs trägt zur Vitalität und zum Erfolg des Schweizer Films im Inund Ausland bei – davon zeugte die diesjährige Auswahl der Pardi di domani des Filmfestivals Locarno, wo neun der elf Schweizer Filme im Wettbewerb aus Filmschulen stammten. Trotzdem steht der Nachwuchs den Veränderungen, welche die Schweizer Audiovisionsbranche heute prägen, wehrlos gegenüber.
Das hat seinen Grund: Der Nachwuchs ist keine klar definierte, einheitliche und gleichförmige Gruppe, die sich organisieren könnte, damit ihre Arbeit und ihre Ideen Wertschätzung finden. Er bildet vielmehr einen imaginären Raum, in dem sich bildungshungrige Geister bewegen, die vor Ungeduld, Wildheit und Kreativität überquellen. Und diese verschliessen sich der Politik. Denn deren kalter und brutaler Realismus stösst die stürmischen Lernbegierigen ab. Die politische Tagesordnung langweilt sie. Sie haben kein Verständnis für endlose Debatten. Der Nachwuchs ist anarchistisch und cholerisch. Er verliert sich nicht in Spitzfindigkeiten und ist zu keinen Zugeständnissen bereit. Das sind Qualitäten, die keine mehr sind, sobald sich die Dinge verkomplizieren und jeder sein Stück des grossen Filmkuchens verteidigen muss. In Bern wird verhandelt: Wer erhält wie viel? In den Kantonen wird verhandelt: Was soll man unterstützen, und wie? Beim Fernsehen wird verhandelt: Was soll man produzieren und zu welchem Preis?
Wir halten es für sinnvoll, dem Nachwuchs von gestern – Ihnen, die diese Zeitschrift lesen – das Neueste über den Nachwuchs von heute zu berichten: In dieser Ausgabe finden Sie deshalb eine Präsentation der Lehrgänge, einen Fokus auf den Kurzfilm (ein Format, das zwar ein eigenständiges Genre ist, dessen sich nicht nur der Nachwuchs bedient, sondern auch Filmschaffende, die nichts mehr beweisen müssen) sowie Information über die Ausbildungsstätten. Und sollte der Nachwuchs von heute sprachlos bleiben, so liegt es an Ihnen – dem Nachwuchs von gestern – für ihn zu sprechen.

Aktuelle Ausgabe (PDF)

Themen n°432