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Damit aus 1 wieder 4 Prozent werden

Kathrin Halter
25. September 2020

«Bruno Manser - Die Stimme des Regenwaldes» von Niklaus Hilber

In der Branche regt sich Widerstand gegen den Entscheid des Nationalrats, die im Filmgesetz vorgesehene Investitionspflicht internationaler und nationaler Streaminganbieter von 4 auf 1 Prozent zu stutzen.

Die Filmverbände haben ein Schreiben samt Argumentarium verfasst, in dem sie sich für jenen Investitionsschub für die Audivisionsbranche stark machen, der im Nationalrat Anfang September eine Abfuhr erlitten hat. Nun gilt es, den Ständerat zu überzeugen. Dieser kann im Herbst den Entscheid des Nationalrates noch korrigieren. 

Es gelte zu verhindern, dass weiterhin Millionengewinne internationaler Streaming-Anbieter ins Ausland abfliessen, «tausende Arbeitsplätze im Bereich Audiovision ins Ausland abwandern und die Swissness des Schweizer Filmschaffens verloren geht.» Geplant sind verschiedene Aktionen; der Startschuss bildet ein Podium im Rahmen des Zürcher Filmfestivals ZFF am nächsten Dienstag.

Besonders zu reden gibt, dass die Swisscom gemäss Nationalratsbeschluss nun gar nichts mehr investieren muss, «obwohl sie in der Schweiz Millionengewinne mit ihrem Filmangebot macht». Teleclub und nationale TV-Sender investieren seit geraumer Zeit vier Umsatzprozente ins Schweizer Filmschaffen. Dank Teleclub-Geldern seien aufwändig produzierte Erfolgsfilme wie «Bruno Manser – die Stimme des Regenwaldes» (2019) möglich geworden.  

Internationale Grossfirmen gehörten zudem zu den Profiteuren der Corona-Krise:  «Netflix hatte in der Schweiz 2-stellige Abo-Zuwachsraten und wird in der Schweiz jährlich bald über 100 Millionen Franken einnehmen. Andere Anbieter wie Amazon, Apple oder Disney ziehen nach.»

Was die im Nationalrat zum Teil als überrissen taxierte Höhe der Investitionspflicht anbelangt, wird auf europäische Nachbarländer verwiesen: «In Frankreich sind es aktuell für Abonnementsdienste wie Netflix 15 Prozent, in Italien 10% und in Spanien 5%.» (Nachzulesen im Zusatzbericht WBK-N Filmgesetzrevision vom 22. Juni 2020). Ironischerweise seien es überdies genau dieselben PolitikerInnen, die sich über die mangelnde internationale Ausstrahlung der Schweizer Spielfilme beschweren, welche die geforderten Investitionsspritzen von Streaming-Anbietern nun bekämpften, heisst es weiter im Schreiben.

 

Podium im Rahmen des ZFF:

«Braucht die Schweizer Audiovision eine 4%-Investitionspflicht für Streamingdienste?» 

Ivo Kummer (BAK), Bettina Oberli, Thomas Imbach und Michael Steiger diskutieren mit VertreterInnen von Streaming- und VoD-AnbieterInnen über die Hintergründe der geplanten Investitionspflicht für Streaming-Dienste. 

Eine Veranstaltung von ARF/FDS, SFP, IG, GARP sowie der SMECA

 

Dienstag, 29. September, 12:30-14:00

NZZ-Lounge, Falkenstrasse 11, Zürich

Eintritt frei

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