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Damit der Kurzfilm nicht vergessen geht


25. September 2017

Pro Short ist der jüngste Filmverband. Er will die Interessen des Kurzfilms vertreten, da dieser trotz Erfolgen oft wie ein Stiefkind des Schweizer Films behandelt wird.

Von Pascaline Sordet

Dem Schweizer Kurzfilm geht es gut, aber seine Situation in den nationalen Institutionen hat sich verschlechtert. Von Succès passage antenne kann er nicht mehr profitieren. 2015 hat Swiss Films seine Verleih­aktivitäten im Kurzfilmbereich eingestellt, mit der Begründung eines wirtschaftlich ungünstigen Umfelds und weil den Kinos die Succès-Cinéma-Prämien gestrichen worden seien. Dieser BAK-Entscheid wird durch Succès Festival zwar teils kompensiert, doch fehlt nun der Anreiz für die Kinos, Vorprogramme zu zeigen.

Um dem Kurzfilm politisch mehr Gewicht zu verschaffen ist in diesem Sommer ein neuer Verband entstanden: Pro Short. Sylvain Vaucher, zuständig bei Swiss Films für den Kurzfilm, begrüsst den «neuen Gesprächspartner» und erinnert daran, dass es schon Diskussionen über eine solche Form des Lobbyings gab, als er 2006 zur Kurzfilmagentur stiess.
 

Niemand ist dagegen, kaum jemand engagierte sich dafür

Die Zürcher Regisseurin Jela Hasler, die an der ZHdK Fotografie und anschliessend in Luzern Videofilm studierte, ist die erste Geschäftsführerin von Pro Short. Acht Mitglieder bilden den Vorstand des Verbands, der mehr wie eine Lobbygruppe anmutet als eine Gewerkschaft. Er entstand aus einer Erkenntnis, sagt Jela Hasler,  weniger als Reaktion auf ein spezifisches Problem: «Wir stellten fest, dass die Situation suboptimal war und dass eine Stimme für den Kurzfilm fehlte. Niemand ist explizit gegen den Kurzfilm, doch er wird oft vergessen oder übergangen. Als beispielsweise entschieden wurde, dass Succès passage antenne nicht mehr auf den Kurzfilm anwendbar sein würde, begehrte niemand auf. Es liegt an uns, unsere Bedürfnisse anzumelden.»

Die Idee zu Pro Short hatten John Canciani, der künstlerische Direktor der Winterthurer Kurzfilmtage, und die Regisseurin Corina Schwingruber aus Luzern vor knapp einem Jahr. Die beiden beschlossen, gemeinsam ein landesweites Netz für den Kurzfilm aufzubauen, das alle Berufsgruppen umfassen sollte. Schon bald erhielten sie Verstärkung durch Bruno Quiblier, Geschäftsleiter von Base-Court und Verleiher, sowie durch die Programmgestalterin Jasmin Basic und durch Stella Händler, die unter anderem Kurzfilme und Animationsfilme produziert. Auch die Regie ist gut vertreten: Neben Jela Hasler sind Nikola Illić und Tristan Aymon mit dabei.

Laut Bruno Quiblier war der GSFA, der die Interessen des Animationsfilms vertritt, ein Vorbild. «Wenn ich zu Ivo Kummer gehe und mit ihm über den Verleih des Kurzfilms reden werde, habe ich mehr Gewicht, wenn hinter mir 50, 60 oder 70 Pro-Short-Mitglieder stehen, die eine Antwort erwarten.
 

Der Verband muss noch wachsen

Pro Short traf sich zum ersten Mal am Filmfestival Locarno: «Wir besprachen, was wir tun könnten. Uns interessieren vor allem die Finanzierungsmöglichkeiten und was sonst noch verbessert werden könnte; auch wollen wir zeigen, dass wir, wie  der ARF oder die IG, ein ernst zu nehmender Gesprächspartner sind.»

Bereits hat sich der Verband bei der Schweizer Filmakademie gemeldet, bei jener Arbeitsgruppe, die sich gegenwärtig mit der Revision des Akademiereglements beschäftigt. Pro Short empfiehlt, die Kurzfilme in die zwei Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm zu unterteilen, damit die Mitglieder sich in der Auswahlphase für die eine oder andere Kategorie entscheiden können, ohne dass das Kriterium der Filmlänge bereits eine Rolle spielt. Ausserdem möchte Pro Short die Bedingungen für die Schulfilme anpassen und die seines Erachtens «abwertende» Kategorie «Bester Abschlussfilm» abschaffen.

Der Verband kommt nun in eine entscheidende Phase: Er muss wachsen. Der Vorstand muss weitere Mitglieder finden, wobei jemand «idealerweise aus dem Tessin oder aus der Westschweiz stammen sollte.» Selbstverständlich wird Pro Short in Winterthur präsent sein und hofft, auch an den Solothurner Filmtagen 2018 einen ersten öffentlichen Anlass organisieren zu können. Weshalb es Pro Short braucht? Bruno Quiblier sagt es so: «Wir sitzen alle im selben Boot – besser in einer Yacht als im Ruderboot.»
 

  Originaltext: Französisch

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