Ein inspirierendes Beispiel
Filmstill aus «The Girl with the Needle» von Magnus von Horn. © Danish Film Institute

Ein inspirierendes Beispiel

Adrien Kuenzy 25. Juli 2025

Um Schweizer Filme besser auf dem eigenen Markt zu verankern, lässt sich Swiss Films vom Erfolg Dänemarks inspirieren, wo gezielte Massnahmen die Attraktivität des einheimischen Films gestärkt haben.

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In Dänemark stellen einheimische Filme 27 bis 30 Prozent der Kinoeintritte dar – ein für Europa ausserordentlich hohes Niveau, und das in einem Land mit 5,9 Millionen Einwohnern. Hierzulande liegt der Marktanteil Schweizer Filme bei 4 bis 6 Prozent. Diese Diskrepanz kommt nicht von ungefähr: Auf der einen Seite steht ein seit Jahrzehnten koordiniertes Umfeld, auf der anderen ein noch stark fragmentierter Markt.

Gemäss Lizette Gram Mygind, Festivalberaterin am Danish Film Institute (DFI), produziert das DFI jedes Jahr über verschiedene Fördermechanismen 25 bis 30 Langfilme. Das Programm «Market Scheme» richtet sich an Werke mit kommerziellem Potenzial, während «New Danish Screen» Erstlingswerken gewidmet ist. Weitere Programme fördern Autoren- und Jugendfilme, die rund ein Viertel der Fördergelder erhalten. «Wir hatten nie eine Einheitslösung für alle. Jedes Projekt wird seinen Ambitionen und seinem Publikum entsprechend gefördert», so Gram Mygind.

Seit einigen Jahren geht das DFI mit «Closer to the Audience» einen Schritt weiter und animiert Produktion und Regie, bereits in der Drehbuchphase das Zielpublikum zu definieren. «Wir fordern sie zum Nachdenken auf: An wen richtet sich der Film? Weshalb gerade jetzt? Womit überzeugt er sein Publikum?», erklärt Gram Mygind. Dieser Ansatz stiess anfänglich auf Skepsis, da einige Filmschaffende fürchteten, er würde ihre kreative Freiheit einschränken. Die Resultate hingegen sind überzeugend: Das Schwarz-Weiss-Drama «The Girl with the Needle» schätzte anfänglich 50’000 Kinoeintritte zu generieren und kam schliesslich auf 200’000.

Parallel dazu erhebt das DFI systematisch Daten zu Eintrittszahlen und Publikumsprofil der geförderten Filme. Die Informationen werden mit den Produktions- und Verleihfirmen geteilt, um die Erwartungen besser einzuschätzen, und fliessen von Beginn an in Projekte von «Closer to the Audience» ein.

Verstecktere Faktoren

Dänemark setzt auf verschiedene Massnahmen, um die Publikumsbindung zu stärken. So bietet zum Beispiel Biografklub Danmark seit 1995 seinen derzeit 240’000 Mitgliedern – was 4 Prozent der Bevölkerung entspricht – ein Jahresabonnement für rund 17 Euro, mit dem zehn Filme pro Jahr zum halben Preis geschaut werden können. «Wir wollen den Kinobesuch zu einer Gewohnheit, einer Art kollektivem Ritual machen», so Clubleiterin Lykke Lind Thomsen. Neben dänischen Filmen bietet der Club auch europäische und US-amerikanische Werke, die nach einem einfachen Kriterium ausgewählt werden: «Eine Geschichte, die Gefühle weckt oder zum gemeinsamen Nachdenken anregt.»

«Die ausgewählten Filme können ihre Eintritte bis auf das Zehnfache steigern», betont Lind Thomsen. So verzeichnete das französische Drama «Une belle course» in Dänemark 185’000 Eintritte, im Gegensatz zu 12’000 in Norwegen und 8’000 in Schweden. «Unsere Mitglieder werben in ihrem Umfeld für die Filme», so Lind Thomsen. Das DFI ist im Verwaltungsrat des Clubs vertreten, nicht aber in der Auswahlkommission, um Unabhängigkeit zu wahren.

Für Swiss Films ist dieser Ansatz ein Vorbild, das jedoch nicht eins zu eins übernommen werden kann. «Das Beispiel Dänemarks zeigt, dass ein ehrgeiziges Programm keine sofortigen Ergebnisse erzielt, sondern das System nach und nach verändert», so Nicola Ruffo, Direktor von Swiss Films. In diesem Sinne wurde dieses Jahr mit Unterstützung des Bundesamts für Kultur das Pilotprojekt «Campaign Booster» geschaffen. Mit einem Budget von 300’000 Franken soll es Schweizer Projekte mit grossem Publikumspotenzial dabei unterstützen, mindestens 40’000 Kinoeintritte oder 100’000 TV- oder Streaming-Ansichten zu generieren. Zu den Auswahlkriterien zählen der Vertrieb auf mehreren Plattformen, ein Marketingbudget von mindestens 120’000 Franken sowie die Kapazität, Partner zu mobilisieren, seien es Verleiher, Kinos oder Plattformen. «Es handelt sich nicht um eine direkte Finanzierung, sondern um eine enge Begleitung», erklärt Ruffo. Die Projekte für die erste Runde werden von Swiss Films und Gastexpertin Sanne Juncker Pedersen, die am DFI das Projekt «Closer to the Audience» anstiess, ausgewählt.

Strukturelle Unterschiede bleiben jedoch bestehen. «Dänemark kann bereits in der Drehbuchphase strategische Elemente und Marktdaten einfliessen lassen», so Ruffo. «Wir haben ein kleineres, aber viel stärker fragmentiertes Gebiet, und müssen deshalb mit regionalen Partnern und einer komplexeren Koordination arbeiten.» Er fügt hinzu: «Am meisten beeindruckt hat uns die Fähigkeit Dänemarks, klar zwischen den Förderungen zu unterscheiden und eine gemeinsame, nationale Filmkultur zu schaffen. Das wird bei uns länger dauern.»

Trotz dieser Zurückhaltung verfolgt Swiss Films das Ziel, die Reichweite des Schweizer Films zu vergrössern, ohne dabei Publikumsfilme und anspruchsvollere Werke gegeneinander auszuspielen. «Die Resultate werden nicht in sechs Monaten sichtbar sein, doch eine nachhaltige Politik kann Gewohnheiten verändern», schliesst Ruffo.

“Das Beispiel Dänemarks zeigt, dass ein ehrgeiziges Programm keine sofortigen Ergebnisse erzielt, sondern das System nach und nach verändert”
Nicola Ruffo

Verstecktere Faktoren

Dänemark setzt auf verschiedene Massnahmen, um die Publikumsbindung zu stärken. So bietet zum Beispiel Biografklub Danmark seit 1995 seinen derzeit 240’000 Mitgliedern – was 4 Prozent der Bevölkerung entspricht – ein Jahresabonnement für rund 17 Euro, mit dem zehn Filme pro Jahr zum halben Preis geschaut werden können. «Wir wollen den Kinobesuch zu einer Gewohnheit, einer Art kollektivem Ritual machen», so Clubleiterin Lykke Lind Thomsen. Neben dänischen Filmen bietet der Club auch europäische und US-amerikanische Werke, die nach einem einfachen Kriterium ausgewählt werden: «Eine Geschichte, die Gefühle weckt oder zum gemeinsamen Nachdenken anregt.»

«Die ausgewählten Filme können ihre Eintritte bis auf das Zehnfache steigern», betont Lind Thomsen. So verzeichnete das französische Drama «Une belle course» in Dänemark 185’000 Eintritte, im Gegensatz zu 12’000 in Norwegen und 8’000 in Schweden. «Unsere Mitglieder werben in ihrem Umfeld für die Filme», so Lind Thomsen. Das DFI ist im Verwaltungsrat des Clubs vertreten, nicht aber in der Auswahlkommission, um Unabhängigkeit zu wahren.

Für Swiss Films ist dieser Ansatz ein Vorbild, das jedoch nicht eins zu eins übernommen werden kann. «Das Beispiel Dänemarks zeigt, dass ein ehrgeiziges Programm keine sofortigen Ergebnisse erzielt, sondern das System nach und nach verändert», so Nicola Ruffo, Direktor von Swiss Films. In diesem Sinne wurde dieses Jahr mit Unterstützung des Bundesamts für Kultur das Pilotprojekt «Campaign Booster» geschaffen. Mit einem Budget von 300’000 Franken soll es Schweizer Projekte mit grossem Publikumspotenzial dabei unterstützen, mindestens 40’000 Kinoeintritte oder 100’000 TV- oder Streaming-Ansichten zu generieren. Zu den Auswahlkriterien zählen der Vertrieb auf mehreren Plattformen, ein Marketingbudget von mindestens 120’000 Franken sowie die Kapazität, Partner zu mobilisieren, seien es Verleiher, Kinos oder Plattformen. «Es handelt sich nicht um eine direkte Finanzierung, sondern um eine enge Begleitung», erklärt Ruffo. Die Projekte für die erste Runde werden von Swiss Films und Gastexpertin Sanne Juncker Pedersen, die am DFI das Projekt «Closer to the Audience» anstiess, ausgewählt.

Strukturelle Unterschiede bleiben jedoch bestehen. «Dänemark kann bereits in der Drehbuchphase strategische Elemente und Marktdaten einfliessen lassen», so Ruffo. «Wir haben ein kleineres, aber viel stärker fragmentiertes Gebiet, und müssen deshalb mit regionalen Partnern und einer komplexeren Koordination arbeiten.» Er fügt hinzu: «Am meisten beeindruckt hat uns die Fähigkeit Dänemarks, klar zwischen den Förderungen zu unterscheiden und eine gemeinsame, nationale Filmkultur zu schaffen. Das wird bei uns länger dauern.»

Trotz dieser Zurückhaltung verfolgt Swiss Films das Ziel, die Reichweite des Schweizer Films zu vergrössern, ohne dabei Publikumsfilme und anspruchsvollere Werke gegeneinander auszuspielen. «Die Resultate werden nicht in sechs Monaten sichtbar sein, doch eine nachhaltige Politik kann Gewohnheiten verändern», schliesst Ruffo.

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