Lex Netflix: Die Millionen steigen, die Plattformen entscheiden
Zwei Jahre nach ihrem Inkrafttreten sind die mit der «Lex Netflix» verbundenen Investitionen um 25 Prozent gestiegen. In Locarno hat das BAK die Bilanz für 2025 vorgestellt.
Adrien Kuenzy 11. August 2026
Genf will mehr Filmproduktionen und Postproduktionen anziehen. Ab dem 1. September tritt ein neues Förderinstrument in Kraft, das für 2026 mit einer Million Franken ausgestattet ist.
Ein Jahr nachdem das Projekt am Locarno Film Festival erstmals skizziert wurde, geht Genf in die konkrete Umsetzungsphase. Der Kanton und die Stadt haben am 11. August angekündigt, dass ab dem 1. September ein umfassendes Förderinstrument eingeführt wird. Damit sollen mehr audiovisuelle Produktionen dazu bewegt werden, im Kanton Genf zu arbeiten.
Der wichtigste Hebel ist die finanzielle Unterstützung. Ein Fonds mit einem Volumen von einer Million Franken für 2026, der durch öffentliche und private Investitionen gespeist wird, ermöglicht es Projekten, die die entsprechenden Kriterien erfüllen, einen Teil ihrer lokalen Ausgaben zurückzuerhalten. Je nach Fall kann die Rückerstattung bis zu 30 Prozent betragen, maximal jedoch 500’000 Franken pro Projekt. Zu den berücksichtigten Kosten gehören unter anderem Übernachtungen und Verpflegung, Sicherheitsdienstleistungen sowie bestimmte Löhne und Honorare.
Ziel ist es zudem, mehr Geld innerhalb der lokalen Branche zirkulieren zu lassen. Eine Produktion, die sich für Genf entscheidet, nutzt nicht nur Drehorte, sondern kann auch Technikerinnen und Techniker, Dienstleistungsunternehmen oder in der Region ansässige Postproduktionsfirmen beauftragen.
«Genf zeichnet sich durch eine besonders vielfältige Wirtschaft aus. Indem wir die Film- und Serienproduktion zu einem starken Wirtschaftssektor in Genf machen, tragen wir dazu bei, die Vielfalt unserer lokalen Wirtschaftsstruktur zu stärken. Dadurch können neue Unternehmen angezogen und neue Arbeitsplätze geschaffen werden», erklärt Staatsrätin Delphine Bachmann in der am 11. August veröffentlichten Mitteilung.
Auch die kulturelle Dimension wird hervorgehoben. «Dieses Förderinstrument wird eine positive Dynamik für das gesamte Genfer audiovisuelle Ökosystem auslösen – von den Produktionsfirmen über die technischen Berufe bis hin zum Nachwuchs und zur Ausbildung. Neben den wirtschaftlichen Effekten wird es ermöglichen, Produktionen mit hohem künstlerischem Wert anzuziehen und Genf noch stärker als Kulturstandort zu positionieren», betont Thierry Apothéloz in derselben Mitteilung.
Zur finanziellen Unterstützung kommt eine praktische Begleitung hinzu. Das Geneva Film Office, das seit dem 1. Juli von Antoine Lejoindre geleitet wird, soll als zentrale Anlaufstelle für Teams dienen, die im Kanton arbeiten möchten. Die Suche nach Drehorten, die Vermittlung von Kontakten zu lokalen Dienstleistern oder administrative Formalitäten: Ziel ist es, die Hürden vor und während eines Drehs zu reduzieren.
Nun bleibt abzuwarten, ob diese neuen Instrumente Genf dabei helfen werden, im Wettbewerb der verschiedenen Regionen um Film- und Serienproduktionen Boden gutzumachen.
Das Förderinstrument im Überblick.
Cinébulletin wird in seiner nächsten Ausgabe, die im September erscheint, noch einmal auf dieses Förderinstrument und seine Bedeutung eingehen.