Mehr Dreharbeiten nach Genf zu holen ist eine Sache. Eine andere ist es, dafür zu sorgen, dass auch Schnitt, Farbkorrektur, Geräuschvertonung und Mischung dort stattfinden. Die neue Geneva Film Commission möchte beides erreichen.
Ihr für 2026 mit einer Million Franken dotierter Anreizfonds trat per 1. September in Kraft. Genehmigte Projekte können 15 Prozent der in Genf angefallenen förderfähigen Ausgaben rückerstattet bekommen. Dank verschiedener Boni kann der Satz auf 30 Prozent ansteigen. Dabei wird die Postproduktion besonders gefördert: Ein Projekt erhält zehn Punkte, wenn über die Hälfte seines Bild- oder Ton-Postproduktionsbudgets im Kanton Genf ausgegeben wird, sowie fünf zusätzliche Punkte, wenn diese Ausgaben 200’000 Franken übersteigen. Die Förderung ist auf 500’000 Franken pro Projekt begrenzt.
So sollen bestehende Infrastrukturen besser genutzt werden. «Genf ist ganz klar das Zentrum für Postproduktion in der Schweiz», so Denis Séchaud, Gründer von Masé Studios, der als Vertreter des Verbands Schweizerischer film- und videotechnischer Betriebe FTB/ASITIS an der Entwicklung des Förderinstruments beteiligt war. «Ich habe Aufträge von Leuten, die mit mir zusammenarbeiten wollten, verloren, weil es kein Anreizsystem gab», bestätigt er.
Für ihn geht es darum, die kulturellen Förderungen durch Massnahmen zu ergänzen, die auch der Filmwirtschaft zugutekommen: «Es muss in der Filmproduktion auch einen wirtschaftlichen Anreiz geben.»
Der Kanton möchte zudem Bereiche der Postproduktion fördern, die in Genf noch nicht voll ausgereift sind. Die für Wirtschaft, Arbeit und Energie zuständige Staatsrätin Delphine Bachmann erwähnt insbesondere «Postproduktionen mit einer starken digitalen Komponente» wie visuelle Effekte, Animation oder immersive und interaktive Werke. Die Idee ist einfach: Mehr Projekte anziehen, um die Kompetenzen auszubauen. «Je öfter man etwas tut, desto besser wird man und desto mehr kann man diesen Bereich weiterentwickeln», so ihr Fazit.
Infoabend in Genf
Am 29. September 19 Uhr in der Maison des Arts du Grütli findet ein Informationsabend in Anwesenheit von Antoine Lejoindre, «Film Officer» Genève, Barbara Bourgin, Juristin bei OCEI-DEE und Samuel Mellot, Verantwortlicher für Wirtschaftsfragen des Kantons statt. Organisiert von Fonction: Cinéma in Zusammenarbeit mit AROPA. Gratis, auf Anmeldung.