Lex Netflix: Die Millionen steigen, die Plattformen entscheiden
Von links nach rechts, Laurent Steiert, Magdalena Welter und Matthias Bürcher bei der Präsentation des BAK am Locarno Film Festival. © Locarno Film Festival

Lex Netflix: Die Millionen steigen, die Plattformen entscheiden

Adrien Kuenzy 10. August 2026

Zwei Jahre nach ihrem Inkrafttreten sind die mit der «Lex Netflix» verbundenen Investitionen um 25 Prozent gestiegen. In Locarno hat das BAK die Bilanz für 2025 vorgestellt.

copy linkshare facebookshare linkedinshare instagram

Seit 2024 müssen die betroffenen Fernseh- und Video-on-Demand-Dienste mindestens 4 Prozent ihres in der Schweiz erzielten Umsatzes in die Schweizer Filmproduktion investieren. Zwei Jahre später nimmt diese Entwicklung an Fahrt auf: 2025 wurden 19,9 Millionen Franken verbucht – 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese ersten Ergebnisse standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Locarno Film Festivals. Matthias Bürcher, Leiter des Dienstes Auswertung und Angebotsvielfalt beim Bundesamt für Kultur (BAK), präsentierte die Zahlen. Magdalena Welter, Produzentin und Miteigentümerin von Lomotion, berichtete anhand der von ihr produzierten Dokumentarserie «The Belonging» über ein konkretes Beispiel. Laurent Steiert, Co-Leiter der Sektion Film des BAK, moderierte die Diskussion.

Die 22 betroffenen Unternehmen erzielten 2025 einen massgeblichen Umsatz von 817 Millionen Franken. Die vorgeschriebenen 4 Prozent entsprechen damit 32,7 Millionen Franken. Allerdings muss nicht alles im selben Jahr investiert werden: Für den seit 2024 laufenden Zeitraum haben die Unternehmen bis Ende 2027 Zeit. Bis dahin nicht investierte Beträge müssen als Ersatzabgabe an das BAK entrichtet werden.

Nicht nur Dreharbeiten

Interessant ist, wie sich die 19,9 Millionen Franken verteilen. Zwölf Millionen Franken flossen in die Produktion oder den Erwerb von Werken: 4,2 Millionen in den Erwerb von Projekten, 3,7 Millionen in Koproduktionen, 2,1 Millionen in Auftragsproduktionen und 2 Millionen in Lizenzen für bereits bestehende Filme. Hinzu kommen 6,6 Millionen Franken, die Fernsehsender als Sachleistungen für die Filmförderung verbuchten. Weitere 800’000 Franken gingen an Festivals und 500’000 Franken an Verwertungsgesellschaften für Urheberrechte.

Die 19,9 Millionen Franken führen also nicht allesamt zu neuen Dreharbeiten. Bei den Werken lagen 2025 Serien an der Spitze: 7,4 Millionen Franken entfielen auf sie, gegenüber 4,6 Millionen Franken auf Spielfilme. Die Fiktion dominierte mit 8,8 Millionen Franken. Und eine kleine Überraschung: Die Romandie lag vor der Deutschschweiz – mit 6,3 Millionen gegenüber 5,7 Millionen Franken.

Matthias Bürcher hütet sich allerdings davor, darin bereits eine nachhaltige Tendenz zu sehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ein einziges grosses Projekt die Statistik von einem Jahr zum nächsten erheblich verändern. Bei einer Serie im Umfang von mehreren Millionen Franken verschieben sich die Verhältnisse schnell. Es wird noch einige Jahre dauern, bis sich ein klareres Bild ergibt.

Die Plattformen haben das letzte Wort

Denn die «Lex Netflix» funktioniert nicht wie eine klassische staatliche Förderung. Das BAK wählt die Werke nicht aus. Bürcher erklärte in Locarno, dass Streaming- und Fernsehdienste selbst entscheiden, wie sie investieren – direkt in Zusammenarbeit mit den Produktionsfirmen. Der Bund legt den zu investierenden Betrag fest und kontrolliert anschliessend die Ausgaben, schreibt aber nicht vor, welcher Film oder welche Serie davon profitieren soll.

Diese Freiheit ist bewusst vorgesehen. Laut Bürcher gehörte es zur Logik des Gesetzes, neue Akteure mit ihren eigenen redaktionellen Linien einzubeziehen und Schweizer Produzenten mit deren Nachfrage nach Inhalten zu konfrontieren.

Damit stellt sich eine weitere Frage: Welche Projekte genau stehen hinter den angekündigten Millionen? Das BAK kennt sie. Matthias Bürcher erklärte, dass die Unternehmen unter anderem Herkunftsnachweise, Finanzierungspläne und Zahlungsbelege einreichen. Diese Informationen werden jedoch nicht für jedes einzelne Projekt veröffentlicht. Matthias Bürcher bezeichnet sie als Geschäftsdaten, deren Veröffentlichung den betroffenen Unternehmen obliegt.

Die Öffentlichkeit kennt somit die grossen Summen, die Formate und die Sprachregionen. Nicht unbedingt bekannt ist hingegen, welcher Investor hinter welchem Film oder welcher Serie steht. Das erschwert die Einschätzung der konkreten Auswirkungen dieser neuen Finanzierungsquelle zusätzlich.

Die Bilanz ist noch vorläufig. Einige bereits zugesagte Projekte werden erst im Laufe der Auszahlungen in die Statistik einfliessen. Das BAK geht davon aus, dass das jährliche Investitionsvolumen dank der laufenden Projekte ab 2027 das erwartete Niveau erreichen dürfte

Lesen Sie auch