Majolaine Perretens Leidenschaft für den Animationsfilm wird 2007 entfacht, als sie an einer Ausstellung des Mudac in Lausanne die Vielfalt des Schweizer Animationsschaffens entdeckt. Sie nimmt all ihren Mut zusammen, bewirbt sich bei Robi Engler, einem der an der Ausstellung geehrten Filmemacher, um ein Praktikum und begleitet ihn bei der Entwicklung seines nächsten Projekts.
Dies ist der Beginn eines Werdegangs, der von Gelegenheiten und Begegnungen geprägt ist. Angetrieben von einer unstillbaren Neugier, alle Aspekte des Animationsfilms zu entdecken, nutzt Perreten jede Möglichkeit, die sich ihr bietet, angefangen mit einer mehrmonatigen Tätigkeit bei der Produktionsgesellschaft Nadasdy Film in Genf. «Man kann sagen, dass ich ganz unten angefangen habe», so die Regisseurin. «Zu Beginn scannte ich die Originalzeichnungen des Films ‹Gypaetus Helveticus› von Marcel Barelli, und ich fand es grossartig!». Da Perreten keine Animationsausbildung absolviert hat, bildet sie sich selbst aus, indem sie den Aufbau der Bewegungen Bild für Bild analysiert.
Nach dieser Erfahrung kehrt Perreten regelmässig während der Semesterferien zu Nadasdy Film zurück und arbeitet sowohl in der Dekorgestaltung, als auch im «Compositing». 15 Jahre später ist sie immer noch dort tätig. Nach Abschluss ihres Studiums in Animationsregie an der Schule La Poudrière in Neuchâtel realisiert die Filmemacherin ein halbes Dutzend Kurzfilme in einem gut wiedererkennbaren Stil, der 2D-Animation und minimalistische Figuren verbindet. «Ich konzentriere mich bei der Regiearbeit lieber auf die Erzählung und die Bildzusammensetzung als auf die Animationstechnik», erklärt Perreten.
Die Regisseurin vereint auch gerne verschiedene künstlerische Ansätze in einem Projekt, um es voranzutreiben, und stützt sich dabei ebenso auf die Erfahrung ihres Umfelds wie auf ihre eigene. «Marjolaine ist zugleich Regisseurin und Grafikerin, aber auch Keramikerin oder Buchillustratorin», so der Regisseur Marcel Barelli. «Als sich mir die Gelegenheit zur Realisierung meines ersten langen Animationsfilms bot, dachte ich für die künstlerische Leitung sofort an Marjolaine, aufgrund ihrer visuellen Welt, aber auch ihrer Sensibilität und ihres Humors.»
Eine bewusst einfache visuelle Welt, die sich auf den Kern der Erzählung konzentriert. Perretens Werke werden deshalb oft als Kinderfilme abgestempelt. Für die Regisseurin greift diese Bezeichnung jedoch zu kurz, und sie führt zudem zu einer Ungleichbehandlung an den Festivals. Geringere Preisgelder und Programme, die oft ausserhalb der Hauptwettbewerbe laufen: Perreten bemängelt, dass dieser Teil der Filmbranche oft ein wenig an den Rand gedrängt wird, zumal Kinderfilme ihrer Meinung nach «die Verantwortung übernehmen, das Publikum von morgen zu bilden». Deshalb steht die Filmemacherin für einen Animationsfilm ein, der vielmehr «als Türöffner für Kinder fungiert und einen generationsübergreifenden Dialog anregt», anstatt nur einer Publikumsgruppe vorbehalten zu sein.
Diese Einstellung widerspiegelt sich auch in «Singularity». Die Adaptation des Comics «Sabre» von Éric Feres scheut sich nicht, die zuweilen rohen und brutalen Szenen des Originalwerks zu übernehmen. Dies zeugt einerseits vom Willen, die Integrität des Werkes zu bewahren, und verwischt andererseits die Grenze zwischen Animation für ein junges und ein erwachsenes Publikum. Diese Arbeitsweise wird Perreten zweifelsohne in ihren nächsten Werken fortsetzen, während zugleich die Drehbucharbeiten für ihren ersten Langfilm beginnen.