Im Rahmen ihres erweiterten Auftrags der Inlandpromotion will Swiss Films verschiedene Mittel nutzen, um die Sichtbarkeit und Reichweite von Schweizer Filmproduktionen in der Schweiz zu verbessern. Ein dreiköpfiges Team aus Marketingspezialisten ist dafür spezifisch engagiert worden. Unter der Leitung von Nadja Scherrer sind Noémie Burckhardt mit Sitz in der Westschweiz und Lars Gebert in der Deutschschweiz zu jeweils einem Pensum von 50 Prozent neu eingestellt worden.
In Locarno fand eine Informationsveranstaltung statt, die die sechs Projekte vorstellte, die sich für die erste konkrete Massnahme des «Campaign Booster» qualifiziert haben. Wie die Bezeichnung sagt, soll damit eine bestehende und geplante Promotionskampagne verstärkt werden. Der Fokus wird auf die Unterstützung eines Aspektes dieser Kampagne liegen. Dafür erhält jedes Projekt einen Beitrag von 50’000 Franken, aber auch eine Beratung und Begleitung durch Swiss Films für einen definierten Zeitrahmen.
Eingereicht wurden insgesamt 23 Projekte, sechs wurden daraus ausgewählt. Das Konzept für die Auswahl bestand darin, Projekte vorzuziehen, die bereits ein grundsätzliches erhöhtes Publikumspotential vorweisen. Durch die finanzielle Unterstützung soll diese entsprechend maximiert werden. In den nächsten Schritten wird Swiss Films mit den jeweiligen Vertretern und Vertreterinnen der Produktionsfirmen und Verleihern Kriterien erarbeiten, die diesen sogenannten «Erfolg» mess- und fassbar machen sollen.
Die Projekte
Die Projekte konnten durch ihre innovative Marketingkampagne überzeugen. Auffällig ist, dass sie sich meistens auf die Nutzung von sozialen Medien konzentriert. Dabei steht das Erreichen eines jungen Publikums besonders im Vordergrund.
Die Auswahl der Filme besteht aus zwei Projekten aus der Westschweiz und vier aus der Deutschschweiz:
- «A bras-le-corps» von Marie-Elsa Salgado. Der Film ist im Vertrieb von Outside The Box. Thierry Spicher erklärt, dass eine Zusammenarbeit mit einer Marketingagentur aus Lausanne geplant ist, die Influencer aktivieren will, um insbesondere weibliche Jugendliche zu erreichen. Der Film, ein historisches Drama, wird in Venedig am Festival seine Premiere feiern, was seiner Promotion sicherlich auch zuträglich sein wird.
- Auch bei Outside The Box im Vertrieb ist der Animationsfilm «Mary Anning» von Marcel Barelli. Mit einer anderen Agentur, die sich auf «Gamification», also die Übertragung von Filmen in (computer-)spielerische Formate spezialisiert hat, sollen hier Kinder ab 6 Jahren angesprochen werden. Man erhoffe sich, insgesamt auf 10’000 Kinoeintritte zu kommen. Unter anderem ist eine Schnitzeljagd in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bildungsinstitutionen geplant. Gelockt wird mit einem Reisegutschein nach Grossbritannien, Herkunftsland der Protagonistin im Film.
- First Hand Films hat sich mit dem Dokumentarfilm «Kalari Kid» beworben von Maria Kaur Bedi und Satindar Singh Bedi, in dem es um die titelgebende Kampfkunst aus Indien geht. Besonders beliebt bei jungen Frauen, soll der Film und die geplante «Impact»-Kampagne auch diese Gruppe ansprechen. In Zusammenarbeit mit Sportvereinen, beispielsweise, will man über das Thema des Films gemeinschaftsbildend tätig werden.
- Gleich zwei Filme aus der Autorschaft von Pierre Monnard werden in dieser Pilotphase Promotionsunterstützung erhalten: «Ewigi Liebe» basierend auf dem erfolgreichen Musical und «Hallo Betty» über die Geschichte von Betty Bossi. Vertrieben durch Zodiac Pictures soll die Musical-Verfilmung insbesondere die Landbevölkerung erreichen. Dafür besteht die Idee, mit einem «Love Bus» durch die Schweiz zu fahren und spielerisch auf den Film aufmerksam zu machen. C-Films und Ascot Elite ihrerseits haben vor, Betty Bossi bei der jüngeren Generation bekannt zu machen, die nicht zwangsläufig mit der Figur aufgewachsen ist. Dabei soll zum Beispiel umfangreiches Unterrichtsmaterial behilflich sein.
- Das sechste ausgewählte Projekt ist die Romanverfilmung «Love Roulette» von Chris Niemeyer, in dem die Autorin des Stoffes Yvonne Eisenring und Max Hubacher die Hauptrollen spielen werden. Eisenring ist selbst Influencerin und wird über die sozialen Medien gezielt auf den Film aufmerksam machen.
Die Auswahl
In Locarno hat die Auswahl verschiedene Fragen aufgeworfen: Wieso fehlt ein Projekt aus dem Tessin? Ist es sinnvoll, jeweils zwei Projekte zu haben mit der gleichen Autorschaft beziehungsweise des gleichen Vertriebs? Wäre es nicht interessant, eher Projekte auszuwählen, die spontan auf ein niedriges Publikumsaufkommen zählen und dort die Effizienz von Promotionsmassnahmen zu messen?
Bei der Auswahl wurde Swiss Films vom Danish Film Institute unterstützt. Für erste Schlussfolgerungen wird man bis zum nächsten Jahr warten müssen. Die meisten Filme kommen in diesem Herbst ins Kino. Mit diesen Projekten möchte Swiss Films eine möglichst breite Palette von Fallbeispielen erhalten, die für nächste Massnahmen in der Inlandpromotion lehrreich sein sollen.