Beziehungstrilogie aus Norwegen
Filmstill aus «Dreams» © Moltys

Beziehungstrilogie aus Norwegen

Teresa Vena 11. April 2025

Nachdem «Love» im Wettbewerb in Venedig lief, er für «Dreams» den Goldenen Bären an der Berlinale gewann und «Sex» beim gleichen Festival in einer Parallelsektion lief, präsentiert der Norweger Dag Johan Haugerud seine Beziehungstrilogie bevorzugt als solche kompakt. Aus Anlass der Vorführungen beim Bolzano Film Festival haben wir den Regisseur getroffen.

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Dag Johan Haugerud © Fin-Serck Hansen

«Love», «Dreams» und «Sex» sind drei Filme des norwegischen Regisseurs Dag Johan Haugerud, die als Oslo-Geschichten- oder Beziehungstrilogie weltweit auf Festivals laufen und in die Kinos kommen. Am Filmfestival in Bozen hatte man nun die Gelegenheit alle drei Filme auf einmal zu sehen.

Können Sie einen kurzen Überblick über die zeitliche Abfolge der Entstehung der drei Filme geben?

Ich wusste, dass ich alle drei Filme machen wollte und dass es vielleicht zehn Jahre dauern würde, wenn ich eine Finanzierung für jeden einzelnen anstreben würde. Indem wir Viaplay als Koproduktionspartner gefunden hatten, schien es möglich, alle drei Filme auf einmal zu produzieren. Darauf haben sich glücklicherweise auch die nationalen Förderstellen in Norwegen eingelassen. Entstanden sind somit die drei Filme knapp innerhalb eines Jahres. Gedreht haben wir erst «Love», dann «Dreams» und schliesslich «Sex».

Hätten Sie es gerne gesehen, wenn diese Reihenfolge auch für die Auswertung der Filme gegolten hätte?

Meine Wunschreihenfolge ist «Sex», «Dreams» und «Love». Doch dann nahm das Festival von Venedig «Love» in seinen Wettbewerb, und die Berlinale «Dreams» und «Sex» lief in einer Nebensektion, in die der Film auch sehr gut gepasst hat. Mittlerweile sehe ich, dass verschiedene Kombinationen gut funktionieren. Idealerweise werden natürlich alle drei Filme an einem Ort zusammen gezeigt.

Könnten Sie mehr zum Konzept der Trilogie erzählen?

Für mich handelt es sich eindeutig um selbstständige Filme. Sie erlauben es mir aber, ähnliche Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Ich wollte mit diesen Schauspielern und Schauspielerinnen drehen und habe deswegen die meisten Figuren spezifisch auf sie angepasst. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hinter der Kamera waren immer die gleichen, was die Produktion auch effizienter gemacht hat. Meine Vorstellung war es zudem, dass durch die Produktion von drei Filmen gleichzeitig Synergien insbesondere im Logistischen geschaffen werden konnten, aber auch in Bezug auf bestimmte visuelle Motive.

Sie sagten, sie wurden von norwegischen staatlichen Stellen gefördert. Wie waren die Produktionsbedingungen für die Filme?

Es bleiben Autorenfilme mit einem entsprechenden Budget. Sicher war, dass wir keine Koproduktion versuchten, weil wir nur norwegische Darsteller und Darstellerinnen haben und ganz sicher nur in Norwegen drehen würden. Dank des gewissen Erfolges, den norwegische Autorenfilme in den letzten Jahren international feiern konnten, herrscht bisher eine wohlwollende Einstellung innerhalb der staatlichen Förderstellen. Es gilt zu sehen, wie sich diese Erfolgswelle halten wird und wie sich die Einstellungen vielleicht mit einem Regierungswechsel ändern könnten.

Oslo wird in den Filmen zu einer eigenen Hauptfigur. Sie nutzen Drohnen, sind an ikonischen Plätzen unterwegs. Ist es schwierig in der Stadt zu drehen?

Nein.

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Filmstill aus «Dreams» © Motlys
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Filmstill aus «Dreams» © Motlys
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Filmstill aus «Love» © Motlys
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Filmstill aus «Sex» © Motlys

«Dreams» erzählt die Geschichte einer Jugendlichen, die sich zum ersten Mal verliebt. Dabei nutzen Sie in grossen Teilen ihre Perspektive als übergeordnete Erzählerstimme. «Love» beobachtet klassischer. Wie sind sie an die formalen Konzepte der Filme herangegangen?

Es war mir wichtig, dass alle Filme eine andere Form haben, die der Erkundung von verschiedenen Perspektiven entsprechen. Bei «Dreams» war es wichtig, diese Nähe zur Hauptfigur durch die Erzählerstimme herzustellen. «Dreams» ist auch der sentimentaler und subjektivere aller drei Filme.

Ist der Film sentimentaler und subjektiver, weil er Ihnen am nächsten steht?

Gewissermassen. Die Erinnerungen, wie es war, sich zum ersten Mal zu verlieben, habe mich schon sehr in diese Zeit der Jugend zurückversetzt. Das gilbt auch für die älteren Darstellerinnen im Film, mit denen ich mich viel ausgetauscht habe. Wir haben uns an diese Zeit der Unschuld zurückerinnert. Schön war es, dass unsere junge Hauptdarstellerin, mit der ich bereits einmal gearbeitet habe, als sie elf Jahre alt war, ziemlich genau in einer ähnlichen Phase war wie ihre Figur.

Bewahrt man sich als Künstler eher diese Sensibilität und Unschuld als Erwachsener?

Als Erwachsener sieht man sein Leben wie eine Geschichte mit zeitlicher Abfolge. Es ist auch für uns Menschen sehr wichtig, Geschichten erzählen zu wollen. Doch es erwiesenermassen absurd, zu glauben, man könne wissen, was als Nächstes kommt. Daher stimmt der banale Spruch, man solle im Moment leben, eben doch.

Die Trilogie wird in der Schweiz von Xenix Filmdistribution verliehen. Am 30. April ist der Regisseur beim Pink Apple in Zürich und am 1. Mai im Kino Rex in Bern anwesend.

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