Der Stoff, aus dem die Erfolge sind
Im Juni lud Balimage in Zusammenarbeit mit La Salle de sport zu einem internationalen Austausch ein. © Pietro Vitali/Balimage

Der Stoff, aus dem die Erfolge sind

Teresa Vena 24. Juli 2026

In der Schweiz stehe die Stoffentwicklung zu wenig im Zentrum des Arbeits- und Förderprozesses. Deswegen will Balimage mit der Gründung eines langfristig angelegten Kompetenzzentrums eingreifen: «Story Forum Basel».

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Die Situation sei im ganzen DACH-Raum ähnlich: Es bestehe eine Vielzahl von Massnahmen und Programmen, die Labore für Stoffentwicklung anböten, doch die meisten seien formatbezogen, geografisch gebunden, auf einzelne Projekte ausgelegt und selten mit einer weiterführenden Förderung verbunden. Als Konsequenz daraus fehle es an einer umfassenden Unterstützung dieser ersten Phase des Arbeitsprozesses an einem Film, aber auch am internationalen Austausch, an einer formatübergreifenden genauso wie kunstspartenübergreifenden Herangehensweise und nicht zuletzt an einer festen Einbindung in die Gesamtabläufe der Branche.

Auf Basis dieser Analyse hat Balimage gemeinsam mit dem Deutschen Sebastian Sorg, kreativer Produzent, Berater und eben auch Experte für Förderstrukturen, das Konzept für ein Kompetenzzentrum für Stoffentwicklung erarbeitet, das für die Schweiz diese Fehlstellen ausgleichen soll. Sorg spricht den bereits existierenden Massnahmen in der Schweiz keineswegs ihre Qualität ab, ganz im Gegenteil hebt er die Bemühungen von, beispielsweise, Focal, Migros Story Lab und La Salle de sport besonders hervor. Mit dem «Story Forum Basel» setzt Balimage auf Zusammenarbeit und will über die nächsten zehn Jahre eine langfristig tragfähige, eingliedernde Struktur aufbauen, die alle Kompetenzen im Bereich Stoffentwicklung vereint.

Ein erstes Pilotprojekt führte Balimage gemeinsam mit La Salle de sport in diesem Juni durch. Eingebunden ins CinEuro-Netzwerk und im Rahmen des Bildrausch-Festivals trafen sich in Basel 44 Autoren und Autorinnen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, um sich über ihre Stoffideen auszutauschen. «Der Bedarf ist gross», sagt Sebastian Sorg, «und dies für alle Formate und Arbeitsphasen: von der einfachen Idee über die frühe Schreibphase bis zu den ersten Drehbuchentwürfen». Ermutigt durch diesen Erfolg wird es für Sorg nun vor allem darum gehen, die verschiedenen Akteure und Entscheidungsträger der Branche von der Bedeutung erweiterter Massnahmen im Bereich der Stoffentwicklung zu überzeugen.

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Sebastian Sorg © Daniela Pfeil

Fruchtbare Investitionen

«Es muss der Druck bei Produzenten und Produzentinnen abgebaut werden, möglichst viel produzieren zu müssen», so Sorg. «Nicht aus jedem Stoff muss ein Film entstehen». Vielmehr müsste in möglichst gut ausgearbeitete Stoffe investiert werden. Dabei hilft beispielsweise eine interdisziplinäre Herangehensweise, bei der verschiedene Gewerke früh einbezogen werden. Dazu gehört auch der überregionale und internationale Austausch. Auf diese Weise lassen sich vielversprechende Koproduktionspartnerschaften finden. Aktuelle Studien belegten, dass Stoffe, die mit gezielter Weiterentwicklung entstehen, grössere Realisierungschancen und grössere Erfolge bei Festivals und Auszeichnungen haben. «Die Qualität der Projekte steigt», ist sich Sorg sicher.

Es lohnt sich also nicht nur, mehr Gewicht auf die Stoffentwicklung zu legen, es müsste im Grunde auch klar sein, dass diese Phase die wichtigste des Wertschöpfungskreislaufes der Filmindustrie ist. Entsprechend müsste man auch die Förderstrukturen anpassen. Zum einen könnten, so Sorg, wie in Skandinavien mehr Fördermittel für Autoren und Autorinnen, die in Weiterbildungen und Vernetzung gehen, bereitgestellt werden. Eine andere Möglichkeit ist Produzenten und Produzentinnen gezielter zu unterstützen, wie nach EU-Vorbild mit dem Modell der «Slate»-Förderung, also die Förderung eines Pakets an Projekten. Eine Produktionsfirma reicht, beispielsweise, fünf Stoffe auf einmal ein, für deren Entwicklung sie finanzielle Unterstützung zugesprochen bekommt. Dabei besteht die Verpflichtung, nur einen Bruchteil der Projekte zu realisieren.

Balimage will mit ihrer Initiative entscheidende Impulse geben. Bis alle Massnahmen «besser ineinandergreifen» werden, wird es vermutlich aber dauern. Die Co-Leiterin der Sektion Film im Bundesamt für Kultur Nadine Adler-Spiegel ist von der Wichtigkeit der Stoffentwicklungsförderung überzeugt. Als Anreiz in diese Richtung sieht sie, beispielsweise, die Entscheidung des BAK, die zweite Eingabe von Gesuchen bei der Drehbuchentwicklung zu streichen. Für eine Analyse, ob dadurch grundsätzlich besser ausgearbeitete Stoffe eingereicht werden, ist es allerdings noch zu früh. «Wir sehen unseren Schwerpunkt an sich in der Förderung der Herstellung von Filmen», ergänzt Adler-Spiegel, «Stoffentwicklung ist eine Stärke der Regionen». Aus den Instrumenten des BAK seien neben der selektiven Förderung vor allem die «Succès»-Gelder entscheidend für die Entwicklung.

Es wird also an der Branche selbst liegen, ihre Bedürfnisse künftig zu formulieren und durchzusetzen.

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