Asha Magrati über den Autorenfilm in Nepal
Filmstill aus «Pooja, Sir» mit Asha Magrati (mitte) in der Hauptrolle. © Trigon-Film

Asha Magrati über den Autorenfilm in Nepal

Teresa Vena 7. April 2025

In seinem diesjährigen Programm präsentierte das diesjährige FIFF Festival International du Film de Fribourg auch das Gesellschaftsdrama von Deepak Rauniyar. Zu Gast in der Schweiz war die Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Asha Magrati aus Nepal.

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Deepak Rauniyar und Asha Magrati sind sowohl im privaten als auch im beruflichen Leben ein Paar. Die Eheleute aus Nepal schreiben und produzieren gemeinsam Filme, die von ihrem Land erzählen, sich mit sozialen Konflikten und existenziellen Werten auseinandersetzen, die weit über die eigenen Realitäten hinaus, Menschen ansprechen und zu berühren vermögen. «Pooja, Sir» ist bereits ihr dritter Langfilm. Sie haben gemeinsam auch schon drei Kurzfilme gemacht. Alle Werke haben sie selbst produziert. «Finanzielle Unterstützung aus Nepal bekommen wir nicht. Nepal hat keine Koproduktionsabkommen mit anderen Ländern. Sinnvoll wären welche mit Indien, weil sich die Filmindustrien ähneln, oder auch mit europäischen Ländern, um die Zusammenarbeit zu erleichtern. Wir sind auf europäische oder US-amerikanische Fonds angewiesen und müssen persönliches Geld einbringen», sagt Asha Magrati im Gespräch. Ihr Mann und sie leben zwischen Nepal und Boston, wo ihr Mann einen Lehrauftrag hat.

Dass sie dennoch Geschichten aus ihrem Heimatland erzählen, steht ausser Frage. Das bedingt auch, dass man vor Ort recherchiert und schliesslich produziert. Dafür muss man auf das Wohlwollen der Menschen zählen können. Wenn man sich in unterschiedlichen Gemeinschaften bewegt, muss man Vertrauen aufbauen können. Magrati erklärt, dass dies im Fall von Nepal viele Hürden haben kann. «Die soziale Mobilität ist nicht wie anderswo. Es gibt viele marginalisierte Gemeinschaften, die von der Gesellschaftsordnung und auf politischer Ebene im besten Fall ignoriert, im schlimmsten offen diskriminiert werden».

«Pooja, Sir» spricht darüber. Eine Ermittlerin der nepalesischen Polizei mit Sitz in der Hauptstadt Kathmandu soll einen Entführungsfall in der Provinz aufklären. Es wird vermutet, dass das verschwundene Kind von Angehörigen der örtlichen Gemeinschaft als Druckmittel für ihren Kampf für mehr bürgerliche Rechte benutzt werde. Pooja, meisterlich von Magrati selbst gespielt, kommt unvoreingenommen vor Ort an. Ihre männlichen Kollegen versuchen vergeblich, ihr die einfachste aller Lösungen für den Fall vorzulegen. Pooja hat erreicht, was viele in Nepal nicht schaffen: Als Frau eine Machtposition zu erlangen und dann noch in der Polizei. Sie weiss, dass der Erhalt dieser Position konstant umkämpft werden muss, um keine Schwäche zu zeigen, lässt sie sich deswegen auch «Sir» nennen.

“Die Entscheidungsträger in der Filmindustrie werden nach ihrer Kastenzugehörigkeit bestimmt. In einflussreicheren Positionen sind Mitglieder höherer Kasten eingesetzt.”
Asha Magrati

«Pooja, Sir» ist auch ein Film über Rassismus, über einen Rassismus, der sich an Sozialklassen und Hautfarben definiert. Die Strukturen, die der Film inhaltlich anspricht, beschreiben aber auch die Filmproduktion in Nepal an sich. «In Nepal entstehen jährlich über 100 Filme. Es handelt sich dabei aber in grosser Mehrheit um Grossproduktion, die zum Bollywood-Film gezählt werden können». Der Autorenfilm sei sehr klein, so Magrati weiter. «Die Entscheidungsträger in der Filmindustrie werden nach ihrer Kastenzugehörigkeit bestimmt. In einflussreicheren Positionen sind Mitglieder höherer Kasten eingesetzt». Entsprechend werden Themen oder Formate im Film hervorgehoben, die diesen Gruppen eher liegen. Das Gleiche gilt für den Zugang zur Ausbildung und für die Zensurbehörde. Magrati und ihr Mann, der im übrigen im Vergleich zu Magrati einer solchen marginalisierten Gemeinschaft angehört, sind daher Autodidakten. Deswegen dauerte es auch acht Jahre, um «Pooja, Sir» fertigzustellen. Wegen der Zensur mussten sie im Film verschiedene Bilder schwärzen und Aussagen ausblenden, um auch in Nepal gezeigt werden zu können.

«Pooja, Sir» kommt am 13. Juli über Trigon-Film in die Schweizer Kinos.

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