Um graue Filme zu vermeiden
Im Studio-Kino von Trinipix in Bern mit Bildern des Dokumentarfilms «Ewiges Eis» von François Kohler. ©️ tev

Um graue Filme zu vermeiden

Teresa Vena 18. September 2026

Bereits erfolgte und sich abzeichnende Veränderungen in der Entstehung und Rezeption audiovisueller Formate stellen neue Anforderungen an deren Fertigstellung und Auswertung. Trinipix setzt sich mit diesen Entwicklungen auseinander und begleitet Projekte auf verschiedenen Ebenen der Postproduktion.

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Seit zwei Jahren haben sie ihr eigenes Studio-Kino, erzählen sie stolz. Aron Nick und Christoph Walther sind Mitgründer von Trinipix und zogen vor über fünfzehn Jahren in eine ehemalige Lagerhalle in einem Aussenquartier von Bern, wo sie selbst Wände eingebaut haben und Räume entstehen lassen, die sie heute mit Kreativschaffenden verschiedener Sparten teilen. «Dieser Ort hat uns bei unserer Entwicklung geholfen», sagt Nick. Er weist darauf hin, dass es von grosser Bedeutung sei, kreative Räume zu günstigen Bedingungen zu erhalten. Das Gewicht teurer Mieten oder baulicher Einschränkungen hätte es Trinipix erschwert, «sich organisch und agil zu entwickeln».

Das ursprüngliche Büro der beiden bildet weiterhin das Herzstück der Firma, wie sie es ausdrücken. Dort steht der Server, ein redundantes Speichersystem, auf dem alle Daten sicher aufbewahrt und verwaltet werden und der nun direkt mit dem Kinoraum ein Stockwerk tiefer, bestehend aus Arbeitsplatz, Projektor und Leinwand, verbunden ist. «Das war ein notwendiger Schritt Richtung Professionalisierung», erklärt Walther. Mit der Kinoprojektion lässt sich eine möglichst realistische Vorführbedingung simulieren, was zu einer besseren Veranschaulichung und Verfeinerung der Arbeitsprozesse führe.

Der Schwerpunkt liegt auf der Postproduktion von Schweizer Autorenfilmen sowie auf der Entwicklung eigener Projekte. Walther ist für die Bildbearbeitung, visuellen Effekte und insgesamt die Koordination der Postproduktion zuständig. Nick unterstützt ihn beim Erstellen der Sprachversionen und verantwortet darüberhinaus alle Schnittarbeiten. Er konzipiert und schneidet Kinotrailer und Kampagnen für die Sozialen Medien, um die Filme, an denen Trinipix mitarbeitet möglichst effektiv zu bewerben. Bei eigenen Filmprojekten übernimmt Nick zudem die Rolle des Regisseurs und Walther die des Kameramanns. Der Dokumentarfilm «Tscharniblues II» (2019) war ihr erster Langfilm. «Unsere gesamte Erfahrung als Dienstleister ist in den Film eingeflossen», so Walther. «Wir fühlten uns reif dafür.»

In Zeiten des Wandels

Einen solchen Moment spürten sie auch bei der Gründung von Trinipix. Über mehrere Jahre hatten sie sich vorher mit Praktika die einzelnen Fähigkeiten in diesem Beruf angeeignet. Beide sind dabei autodidaktisch vorgegangen. «Wir hatten das Glück, von sehr fähigen Menschen lernen zu dürfen», so Nick. Entscheidende Impulse erhielten sie beispielsweise durch Peter Guyer, ehemaliger Gründer von Recycled TV, und von Dieter Fahrer, Inhaber der Produktionsfirma Balzli Fahrer GmbH.

Trinipix ist schrittweise gewachsen. Das Interesse an einer ganzheitlichen Betreuung eines Filmprojekts hat die Tätigkeitsfelder erweitert. Die eigene Entwicklung sehen die beiden als Spiegel der technischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die die gesamte Filmbranche betreffen. Mit der Digitalisierung des Filmemachens entstand ein grosser Bruch, und für die Fertigstellung eines Films brauchte es fortan neue Fähigkeiten. Genau in diese Zeit ist Nicks und Walthers Berufsausbildung gefallen. Sie haben auch von Anfang an miterlebt, wie sich die Rezeption von audiovisuellen Werken verändert hat. Um diesen neuen Bedürfnissen zu entsprechen, sind ebenfalls neue Fertigkeiten vonnöten.

Auch wenn die Erweiterung der technischen Möglichkeiten gewisse Arbeitsabläufe wie das händische Setzen von Untertiteln abgelöst habe, würden die Projekte trotzdem eher grösser und anspruchsvoller, meint Nick. Bei Trinipix wird Postproduktion weit gefasst. Sie kann sich auf einzelne Arbeitsabläufe wie den Schnitt eines Filmes beziehen, seine Farbkorrektur, die Abstimmung grafischer Elemente, die Übersetzung in verschiedene Abspielformate oder den Schnitt des Trailers. Manchmal beginnt sie aber schon vor den Dreharbeiten, wie beim aktuellen Projekt von Laurent Stoop und Svetlana Rodina, die zuletzt «Dom» und «Ostrov» verantwortet haben. Hier war man mit der Herausforderung konfrontiert, dass die Aufnahmen vor Ort möglichst diskret stattfinden sollten. Gemeinsam mit Trinipix suchte man nach einer Lösung, damit die Bilder, die man aus diesen Gründen mit dem Mobiltelefon machen wollte, auch die richtige Qualität aufweisen würden.

Weitergefasste Begleitung

Laut Nick und Walther unterscheiden sie sich von anderen Postproduktionsfirmen durch ihr spezifisches Interesse an der Auswertung eines Films. Diese beginnt für sie schon in der Postproduktion. Beim Schneiden eines Trailers entstehen bereits Schlüsselbilder, die nicht selten als Hauptmotive für Plakate und die Bewerbung an sich genutzt werden. Das Gleiche gilt für den Prozess der Farbkorrektur: «Gemeinsam mit den Filmschaffenden identifizieren wir bedeutende Szenen, die später in den Trailer kommen können oder auch nochmals das Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit schärfen.»

«Wir sind die Schnittstelle zwischen Bildgestaltung, Regie, Produktion und Vertrieb», so Nick. Sie leisten eine Vermittlungsarbeit, in der es darum gehe, die verschiedenen Positionen miteinander zu verbinden, ohne den eigenen Anspruch zu verlieren. «Das ist eine unserer grössten Herausforderungen. Und das kann KI ganz so schnell nicht übernehmen», ergänzt Walther. Dazu gehört es auch, für den Wert ihrer Leistungen einzustehen und dem Kostendruck standzuhalten.

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Aron Nick (links) und Christoph Walther von Trinipix. © tev

Bei der Farbkorrektur werden zwischen sechs und zehn Arbeitstage veranschlagt. «Kamera und Regie sind meist dabei, manchmal nur zu Beginn. Es finden dann mehrere Sichtungen statt, bei denen auch noch die Produktion hinzukommt», erklärt Walther. Als Vorbereitung entwickelt er einen Stil für die Farbgestaltung des Films. Während es Kollegen gebe, die man an ihrer ausgeprägten Handschrift wiedererkenne, weil sie beispielsweise eine Vorliebe für Blautöne hätten oder mit wenig Kontrasten arbeiteten, orientiere er sich immer am Inhalt des Films und erarbeite davon ausgehend eine passende Farbgestaltung.

Entscheidende Impulse

Kann man den Prozess einer Farbkorrektur vermeiden, indem man gleich beim Drehen alles richtig macht? Das verneint Walther: «Selbst dann nicht, wenn man perfektes Bild an perfektes Bild reiht». In der Regel dreht man an verschiedenen Tagen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, und selbst bei Aufnahmen, die an einem einzigen Tag entstanden sind, können sich Veränderungen der äusseren Bedingungen bemerkbar machen. Das gilt es, in der Farbkorrektur auszugleichen. Überhaupt müsse man sich vergegenwärtigen, dass die Rohbildaufnahmen logarithmisch gedreht werden und somit sehr wenig Kontrast und Farbigkeit aufweisen würden. «Ohne Farbkorrektur hätte man im Wesentlichen graue Filme.»

Walther macht anhand von konkreten Beispielen, Vorher-Nachher-Bildern, deutlich, wie gross der Interpretationsspielraum ist und welche gestalterische Funktion man mit der Farbkorrektur wahrnehmen kann. «Indem ich bestimmte Elemente hervorhebe oder im Gegenteil zurücknehme, kann ich die Dramaturgie beeinflussen.» Es kann sein, dass ein leerer Bistrotisch den Blick zu sehr auf sich ziehe, das innere eines Zeltes zu dunkel sei und die Kleidung einer Figur zu dominant. Manchmal braucht es das Hinzufügen einfacher Effekte wie die Reflexion eines Taschenlampenlichts, um der Erzählung zusätzliche Glaubwürdigkeit zu verleihen. An anderer Stelle kann man durch das Setzen von bestimmten Kontrasten einen Stimmungswechsel besonders unterstützen. Bild für Bild oder Szene für Szene arbeite sich Walther vor.

Trinipix unterhält langjährige Zusammenarbeiten. So wie mit dem Regisseur Thomas Imbach, für den Nick die vier letzten Kinotrailer, wie auch für den Spielfilm «Nacktgeld», geschnitten hat. Ein Vertrauensverhältnis besteht zudem mit Dieter Fahrer, mit dem sie zuletzt an «Wir Erben» zusammengearbeitet haben oder auch mit der Produktionsfirma Dschoint Ventschr, für die sie unter anderem für «Bagger Drama» tätig waren. Für DokLab von Corinna Dästner hat Walther jüngst die Farbkorrektur für den Dokumentarfilm «Ewiges Eis» übernommen, der dieses Jahr seine Weltpremiere bei Visions du Réel hatte und auf seinen Kinostart wartet. «Mit DokLab arbeiten wir an mehreren Projekten pro Jahr und sind vom Feinschnitt bis hin zur Belieferung einzelner Kinos aktiv», so Nick. Die Arbeit am neuen Spielfilm «Momente» von Mano Khalil liegt schon fast auf dem Tisch, ein paar leere Stühle, die farblich zurückgenommen werden könnten, hat Walther bei der Vorsichtung einer ersten Fassung bereits identifiziert.

Trinipix konzentriert sich auf die Postproduktion in Bezug auf die Bildebene. Experten für den Ton übernehmen parallel die Tongestaltung. In der Regel kommt der Film aber wieder zu Trinipix zurück, die ihn so aufbereiten, dass er im Kino, Fernsehen oder an einem Festival gezeigt werden kann. Sie koordinieren sich mit Grafikern, die für die Vor- und Abspanngestaltung sorgen und mit denen sie sichergehen, dass Logos, Auszeichnungen oder Festivalbeteiligungen vollständig aufgeführt sind. Die unterschiedlichen Sprachfassungen müssen ebenfalls abgestimmt sein und schliesslich der Film für verschiedene Formate, wie für die Archivierung in der Cinémathèque suisse, für die Vorführungen in Kinos und an Festivals als DCP oder fürs Pressen auf DVD umgerechnet werden. «Es muss der richtige Film am richtigen Ort in der richtigen Version ankommen», fasst Walther zusammen.

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