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Gastkommentar

Wir verteidigen auch die künstlerische Freiheit

Françoise Mayor,
Leiterin der Abteilung Fiktion, Dokumentarfilm und Originalserien bei RTS

20. Mai 2018

Françoise Mayor

In den letzten Jahren haben die Westschweizer Schauspieler an den Solothurner Filmtagen von sich reden gemacht. Unter den Gewinnern des Prix Swissperform befanden sich 2017 die Schauspielerin Noémie Schmidt für ihre Hauptrolle im Fernsehfilm «La Lumière de l’espoir» und 2015 Véronique Reymond in der Serie «A livre ouvert». Bei den Nebenrollen ging 2016 ein Preis an ­Claude-Inga Barbey in «Anomalia» und im Januar dieses Jahres an Karim Barras in «Quartier des banques».

Der RTS war es schon immer ein grosses Anliegen, die Kultur der Schweiz und deren Talente zu fördern. Manche – wie Julien Opoix im letzten Cinébulletin – werfen uns vor, wir gäben die wichtigen Rollen in Westschweizer Spielfilmen ausländischen Schauspielern. Im Folgenden einige Erklärungen, die der Transparenz dienen sollen.


Regisseure sollen frei entscheiden dürfen

Unsere Koproduktionen entstehen innerhalb des Pacte de l’audiovisuel und werden somit von den Produktionsgesellschaften und nicht von der SRG oder RTS getragen. Alle Entscheidungen im Rahmen unserer nationalen und internationalen Koproduktionen sind das Ergebnis eines kreativen und konstruktiven Dialogs. Im Austausch mit unseren Partnern bestehen wir darauf, den Künstlern unseres Landes einen Platz zu geben, verteidigen aber gleichzeitig die künstlerische Freiheit mit Vehemenz.

Die Schweizer Regisseurinnen und Regisseure können frei entscheiden, mit welchen Schauspielern sie arbeiten möchten. Wir auferlegen ihnen keine Quoten, erinnern sie jedoch systematisch daran, dass sie bei der Rollenverteilung die Fülle und die Vielfalt unseres Landes spiegeln sollten. Manchmal sind es die Schauspieler selber, die lieber im Ausland tätig sind. Das war beispielsweise bei unserem letzten Spielfilm, einem Fernsehfilm von Jacob Berger, der Fall: Kurz vor Drehbeginn entschieden sich zwei Schweizer Hauptdarstellerinnen für ein anderes Engagement, eines davon in den USA.

Wenn sich umgekehrt Ursula Meier Fanny Ardant an der Seite ihres Westschweizer Lieblingsschauspielers Kacey Mottet Klein wünscht, soll man dann auf diese Koproduktion verzichten, weil die weibliche Hauptrolle mit einer Französin besetzt ist? Dieselbe Frage stellt sich bei Lionel Baier, bei dem unter anderen die Schweizer Ursina Lardi und ­Pierre-Isaïe Duc auftreten: Soll dem Regisseur untersagt werden, mit Michel Vuillermoz zu drehen? Ich spreche hier von der Filmreihe «Ondes de Choc», die wir mit Bande à Part koproduzierten und die in Solothurn, in der Cinémathèque suisse und an der Berlinale Erfolg hatte. Die Reihe wird übrigens auch von ARTE und TV5 Monde ausgestrahlt.


Andere Regeln bei Eigenproduktionen

In den Koproduktionsdossiers gibt es Anreizmechanismen zur Erhöhung der Schweizer Beteiligung, doch es gibt sie auch in den Ländern unserer internationalen Partner. Wir haben das Glück, die Finanzierung der Spielfilme dank der Beträge aus dem Ausland erhöhen zu können. Natürlich sind diese Gelder an Regeln für die Inlandausgaben gekoppelt, doch im Gegenzug gewährleisten solche Koproduktionen die internationale Ausstrahlung unserer Schweizer Spielfilme und fördern die Bekanntheit unserer Talente. In diesem fragilen Gleichgewicht zwischen künstlerischen Entscheidungen, politischem Willen und wirtschaftlichen Sachzwängen achten wir stets darauf, bei unseren Koproduktionen angemessen und kohärent vorzugehen.

Für Inhalte, die die RTS selber produziert, arbeiten wir immer mit einheimischen Schauspielerinnen und Schauspielern. Dies gilt auch, wenn wir externe Partner in der Romandie mit Synchronisationen und Audiodeskriptionen beauftragen. Die SRG unterzeichnete übrigens kürzlich eine Vereinbarung mit unabhängigen Filmschaffenden, in der sie sich verpflichtet, zu 80% mit Schweizern zu arbeiten, wenn sie externe technische Dienstleistungen beansprucht.

Wir tun also alles, um die Künstler und Techniker in der Schweiz zu berücksichtigen und freuen uns, auf einen so grossen Pool an Talenten zurückgreifen zu können.

▶ Originaltext: Französisch

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