Zum zweiten Mal wird Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider an der Eröffnung teilnehmen und am 21. Januar 2026 die Eröffnungsrede halten. Für die 61. Ausgabe wurden 478 Filme eingereicht. Im «Panorama», dem Herzstück der Solothurner Filmtage, sind 93 Lang- und 71 Kurzfilme selektioniert. Ingesamt 22 Filme wurden für die drei Wettbewerbe «Prix de Soleure», «PRIX DU PUBLIC» und «Visioni» ausgewählt. Gezeigt werden 21 Weltpremieren und 18 Schweizer Premieren. Im «Panorama Kurzfilme» ist eine Auswahl aktueller Kurzfilmproduktionen zu sehen. Es finden mehrere Jury- und Publikums-Wettbewerbe statt; darunter die Publikumspreise für den besten Kurzfilm sowie den besten Animationsfilm.
Der aktuelle Filmjahrgang zeigt 68% Dokumentarfilme sowie 32% Spielfilme und spiegelt die Vielfalt des aktuellen Filmschaffens wider. Er weist zudem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der französischen Schweiz und der Deutschschweiz auf: In den drei Wettbewerbssektionen der 61. Solothurner Filmtage sind 9 Filme aus der Romandie, 11 Filme aus der Deutschschweiz sowie 2 aus der italienischen Schweiz vertreten.
«Inhaltlich fällt auf, dass die erzählten Geschichten sich gegenüber neuen Themen öffnen, etwa der Wissenschaft und dass sie ein besonderes Augenmerk auf das Mitgefühl und die Perspektiven der Protagonist:innen legen. Sowohl im Dokumentar- als auch im Spielfilm werden vielschichtige Geschichten erzählt – und dies auf eine differenzierte Weise. Das heisst mit einer weniger moralistischen, vielleicht auch weniger westlich geprägten Haltung der Filmschaffenden. Der empathische Zugang zu den Figuren scheint aktuell wichtiger als die Belehrung des Publikums.» Niccolò Castelli, künstlerischer Leiter
Festgelegte Narrative hinterfragen
Der Eröffnungsfilm «The Narrative» (Regie: Bernard Weber und Martin Schilt) zeigt exemplarisch, wie Filme auf Schwarz-Weiss-Erzählungen verzichten und Zwischentöne zulassen. Der Film erzählt die Geschichte von Kweku Adoboli, der 2011 in London für einen grossen Verlust bei der UBS verantwortlich gemacht wurde. Durch die langjährige Begleitung ermöglichen die Filmemacher eine neue Perspektive auf den oft eindimensional dargestellten Fall. «The Narrative» ist nominiert für den Prix de Soleure.
Prix de Soleure
Für den «Prix de Soleure» sind in diesem Jahr acht Filme nominiert, darunter der Eröffnungsfilm «The Narrative». Sieben Filme sind als Premieren zu sehen. Sie zeigen, wie digitiale Räume unsere Wahrnehmung der Realität formen und behandeln Themen von Solidarität über Frauenemanzipation bis hin zur Aufarbeitung von Kolonialgeschichte. «Social Landscapes» wurde ausschliesslich aus Online-Reviews und Kommentaren zusammengesetzt und fordert dazu auf, eigene Sichtweisen zu hinterfragen in einer Welt, in der Orte oft erst auf Bildschirmen erlebt werden. «Don’t Let The Sun» zeigt die Fragilität von menschlichen Beziehungen und die Gefahr der Vereinsamung in einer überhitzten technisierten Welt, während «À bras-le-corps» Selbstermächtigung von Frauen während des Zweiten Weltkriegs behandelt. «Sie glauben an Engel, Herr Drowak?» unterstreicht, wie wichtig menschliche Beziehungen in Krisenzeiten sind und wie Empathie helfen kann. In «Elephants & Squirrels» geht es um die Rückgabe von Artefakten an eine indigene Gemeinschaft und eine neue Perspektive auf die Schweizer Kolonialgeschichte. «Qui vit encore» erzählt von neun Geflüchteten aus Gaza, ihrem früheren Leben und dem Versuch, wieder ins Leben zu finden. «Solidarity» befasst sich mit dem Phänomen der Solidarität: Fünf Protagonisten und die drei Krisenherde in Belarus, der Ukraine sowie Gaza und Israel zeigen sowohl die positiven als auch die negativen Seiten der Solidarität.
Der «Prix de Soleure» ist mit 60’000 Franken dotiert und wird getragen vom Fonds Prix de Soleure sowie dem Kanton und der Stadt Solothurn.
PRIX DU PUBLIC
Acht Filme konkurrieren um den Publikumspreis «PRIX DU PUBLC», darunter zwei Spielfilme und sechs Dokumentarfilme, sieben davon als Premieren. Einige Filme widmen sich Coming-Of-Age-Geschichten oder porträtieren besondere Persönlichkeiten. In «Becaària» verbringt ein 16-Jähriger in den 1970er-Jahren einen Sommer in den Bergen und erfährt durch unerwartete Begegnungen viel über das Leben, die Liebe und vor allem über sich selbst. «Camp d’été» begleitet Jugendliche im grössten Pfadilager im Goms, wo sie einen Ort für Abenteuer und Gemeinschaft schaffen. In «Be Boris» porträtiert der Filmemacher seinen besten Freund, der sein Recht auf Faulheit verteidigt. «Freedom – Le destin de Shewit» erzählt die Geschichte von Shewit, die mit 15 Jahren aus Eritrea in die Schweiz flüchtet und über 10 Jahre lang um ihre Aufenthaltsbewilligung kämpft. «Hirschfeld – Unbekannter Bekannter» zeigt die Geschichte des Dramaturgen Kurt Hirschfeld, der zur Nazizeit das Schauspielhaus Zürich zu einem Zentrum des kulturellen Widerstands gegen Faschismus machte. «Imagine Peace» porträtiert die bewegende Lebensgeschichte der 99-jährigen Edith Ballantyne, welche als Präsidentin der Women's International League für Peace and Freedom weitere Generationen von Frauen inspiriert. «Kalari Kid – She Hits Back» erzählt von der Selbstermächtigung zweier Mädchen durch Kampfsport. «Laundry» behandelt den Kampf gegen die Apartheid und die Verantwortung, ein Familienunternehmen übernehmen zu müssen.
Der «PRIX DU PUBLIC» ist mit 20‘000 Franken dotiert und wird von den Solothurner Filmtagen zusammen mit der Hauptsponsorin Swiss Life ausgerichtet.
Visioni
Die Solothurner Filmtage zeichnen mit «Visioni» ein formal oder thematisch bewegendes erstes oder zweites Werk aus. Nominiert sind in diesem Jahr sechs Dokumentarfilme, fünf sind als Premieren zu sehen. In «A Free Daughter Of Free Kyrgyzstan» kämpft die junge Aktivistin und Popstar Zere Asylbek gegen Geschlechterungleichheit in ihrem Land. «La vallée» begleitet einen Filmemacher, der nach der Geburt seiner Kinder ins Tal seiner Kindheit zurückkehrt, um die Krankheit seines Vaters zu verarbeiten und seine eigene Familiengeschichte neu zu schreiben. In «Les chasseresses» behaupten sich vier junge Walliserinnen als Jägerinnen in einer von Männern dominierten Welt. «Nessuno vi farà del male» zeigt, wie der Regisseur dreissig Jahre nach dem Massaker von Srebrenica seine Identität reflektiert und erzählt die Geschichte von einem der wenigen Überlebenden dieser Tragödie. In «Solo Show» navigiert ein Kunststudent zwischen seiner ersten grossen Ausstellung und dubiosen Nebenjobs, während er und sein Umfeld hinter sorgfältig inszenierten Fassaden ihre Ängste, Wünsche und Ambitionen verbergen. «Unter Pflanzen» begleitet ein Wissenschaftsteam, das kurz vor der Entdeckung einer Substanz steht, die Pflanzen sofort zum Blühen bringt, während ein Künstlerduo die Grenzen zwischen Natur und Künstlichkeit hinterfragt.
Preisstifter mit einem Preisgeld von 20’000 Franken sind die Kulturfonds der Urheberrechtsgesellschaften Suissimage und SSA.
Spezialprogramme Rencontre, Histoires und Fokus
Die diesjährige Retrospektive ist der Filmemacherin Edna Politi gewidmet, deren Leben von arabischen, jüdischen und europäischen Einflüssen geprägt ist und so als Stimme des interkulturellen Dialogs gilt. Ihre Filme, darunter die «Nahost-Trilogie» bieten differenzierte Einblicke in die komplexe Realität des östlichen Mittelmeers. Politi wird ihre Werke persönlich vorstellen.
Das Programm Histoires «Downtown New York» widmet sich Schweizer Filmschaffenden im New York der 1980er-Jahre und zeigt unter anderem «Johnny Suede», produziert von Ruth Waldburger, mit Brad Pitt in einer seiner ersten Hauptrollen sowie «Downtown 81» von Edo Bertoglio, der den Spuren des damals noch unbekannten Jean-Michel Basquiat folgt.
Die Sektion «Fokus» der 61. Solothurner Filmtage beschäftigt sich mit Kitsch im Kino. Gezeigt wird eine Auswahl internationaler Spiel- und Dokumentarfilme, die bewusst sentimentale oder künstliche Mittel nutzen und nach deren Funktion im sozialen und politischen Kontext fragt.
In SO PRO und für das Publikum: Diversität und Austausch zwischen Musik und Film
Zum dritten Mal wird das Stadttheater zum Treffpunkt für Fachpersonen der Filmindustrie. Von Donnerstag 22. bis Samstag 24. Januar 2026 sind verschiedene Formate vorgesehen, die sich der Entwicklung neuer Projekte, der Vernetzung, der Professionalisierung sowie dem Austausch zwischen den Sprachregionen und den Generationen widmen. SO PRO gibt der Diversität im Film Raum – mit Perspektiven von Menschen mit Beeinträchtigungen, der Darstellung von Familienmodellen und dem Gap zwischen den Generationen. Gleichzeitig widmet sich SO PRO dem Verhältnis zwischen Musik- und Filmindustrie. Erstmals wird zudem mit
«Screen to Sound» ein Projekt lanciert, das Werke oder musikalische Performances unterstützt, die eine starke visuelle bzw. filmische Dimension aufweisen. Zu diesem Anlass präsentieren die Solothurner Filmtage mehrere Live-Musikmomente, die diese visuelle Erfahrung auf überraschende und originelle Weise erweitern.
Die Solothurner Filmtage sind nur möglich dank der grosszügigen Unterstützung der Hauptsponsorin Swiss Life, der Hauptmedienpartnerin SRG SSR, des Bundesamts für Kultur, der öffentlichen Hand im Kanton Solothurn sowie weiteren Stiftungen, Sponsor:innen und Partner:innen. Ihnen allen sprechen wir unseren grossen Dank aus!
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