Drei Fragen an Edna Politi
© Matthieu Croizier

Drei Fragen an Edna Politi

Die Fragen stellte Alexandre Ducommun 17. Dezember 2025

Edna Politi ist Ehrengast der Solothurner Filmtage 2026. Sie hat set den 1970er Jahren zahlreiche politisch engagierte Dokumentar- und Spielfilme realisiert. Seit mehreren Jahrzehnten in Genf ansässig, schöpft die Filmografie der Regisseurin ihre Kraft aus arabischen, jüdischen und europäischen Kulturen.

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Eine Auswahl Ihrer Filme wird in Solothurn im Rahmen einer Retrospektive gezeigt; eine Gelegenheit für ein Publikum, das Sie noch nicht kennt, Ihre Werke zu entdecken. Was löst das bei Ihnen aus?

Das macht mich natürlich sehr glücklich! Und es überrascht mich auch – obwohl ich immer versucht habe, Filme zu machen, von denen ich sagen kann: «Sie werden lange leben.» Ich bin dem Festival sehr dankbar, dass es mir die Möglichkeit gibt, die Filme gemeinsam mit einem neuen Publikum wiederzuentdecken. Ich habe meine eigenen Filme allerdings nie besonders aktiv beworben, weil sie ihr Publikum immer selbst gefunden haben und es auf gewisse Weise verstanden haben, die Menschen glücklich zu machen, trotz komplexer oder konfliktreicher Themen.

Auch Zuschauer und Zuschauerinnen, die nicht unbedingt mit dem einverstanden waren, was ich sagte, waren berührt von einem Bild, von einer Herangehensweise. Ein Bild oder eine Szene kann wie ein Gemälde jahrelang im Gedächtnis bleiben. Und es bewegt mich zu sehen, dass Filme, die vor zwanzig, dreissig oder sogar fünfzig Jahren entstanden sind, die Menschen weiterhin begleiten und berühren können. Ich weiss nicht, wie diese Bilder in Zukunft aufgenommen werden, aber ich stelle fest, dass sie die Zeit überdauern.

Ihre dem Nahen Osten gewidmete Filmtrilogie («Für die Palästinenser, eine Israelin legt Zeugnis ab» von 1973; «Wie das Meer und seine Wellen» von 1979; und «Anou Banou oder die Töchter der Utopie» von 1983) wurde für diesen Anlass restauriert und digitalisiert. Was macht diese Werke Ihrer Meinung nach trotz ihrer starken Verankerung in sehr konkreten historischen Kontexten heute noch so aktuell?

Ich habe sie noch nicht wieder gesehen; ich möchte sie gemeinsam mit dem Publikum der Solothurner Filmtage neu entdecken. Aber ich habe kürzlich Rückmeldungen erhalten, und mehrere Menschen haben mir gesagt, dass diese Filme ihnen geholfen haben, die Komplexität der heutigen Konflikte besser zu verstehen. Und ich kann nachvollziehen, warum.

Damals gab es eine politische Dringlichkeit, aber auch eine enorme Verantwortung: Menschen zu begegnen, Zeugnisse zu sammeln, Geschichte zu erforschen und zugleich eine Form und einen Standpunkt zu übernehmen. Ich war in diese Filme sehr stark involviert, und es war mir wichtig, die Realitäten, die ich filmte, in ihrer Tiefe zu dokumentieren.

Was, so glaube ich, bleibt, ist diese Verantwortung gegenüber dem Bild: ein ethisches Engagement gegenüber den gefilmten Menschen und eine Strenge in der Art des Zeigens und Darstellens. Heute, in einer permanenten Bilderflut, geht diese Verantwortung oft verloren – gerade deshalb behalten diese Filme ihren Wert.

Nach diesen sehr politischen Filmen haben Sie sich einem weniger direkt engagierten Thema zugewandt: der zeitgenössischen Musik. Das wirkt wie ein radikaler Wechsel. Wie verbinden Sie diese beiden Phasen?

Für mich ist das kein Bruch. Es ist einfach eine andere Art, in der Welt zu sein – und damit auch eine andere Art, politisch zu sein. Die Musik hat mir eine formale Freiheit eröffnet, die ich mir bei so stark aufgeladenen Themen wie zuvor nicht erlauben konnte. Mit der Musik konnte ich den Blick verschieben, an Wahrnehmung, Dauer und Perspektive arbeiten. All das, was im Kontext des Nahen Ostens durch die Dringlichkeit der Realität eingeschränkt war.

In «Das Quartett der Möglichkeiten» etwa, vertiefen Sie die Idee der Vielfalt von Perspektiven, die im Zentrum Ihres Denkens steht.

Das ist eine Haltung, die sich durch all meine Filme zieht. Aber Musik zu filmen erlaubt mir, sehr viel zu experimentieren und nach neuen filmischen Sprachen zu suchen. Das bedeutet nicht, dass es keine Verantwortung gegenüber dem Bild gäbe.

Man ist genauso verantwortlich und engagiert, wenn man das Intime und die Geste filmt, wie wenn man einen Konflikt filmt. Auch bei Musikern und Musikerinnen habe ich diese Verantwortung: Im Bild das zu suchen, was ich erzählen will, damit die Menschen, die den Film sehen, sagen können: «Ja, jetzt habe ich das Quartett kennengelernt, ihre Musik und die Regisseurin.»

Entscheidend ist, dass ich eine innere Notwendigkeit verspüre, den Film zu machen, die Ehrlichkeit des Blicks und die Überzeugung, dass ein Werk sein Publikum auch heute noch – trotz allem, sehr lange begleiten kann.

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