Für eine starke Standortförderung
Matthias Michel über eine Stärkung des Standorts Schweiz.
Christian Bräuer 26. September 2024
In einer gemeinsamen Initiative haben die europäischen Kinoverbände CICAE und UNIC sowie das Netzwerk Europa Cinemas eine umfassende Studie zur europäischen Kinolandschaft vorgelegt. Sie kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Das Kino ist zurück im sozialen Gefüge unserer Städte und Gemeinden, gleichzeitig bleiben die Herausforderungen in einem sich rasch wandelnden, stark von globalen Konzernen geprägten Markt bestehen. Mit dem neu gewählten Europäischen Parlament und einer neuen Kommission bietet sich die Gelegenheit, die Zukunft des europäischen Kinos proaktiv, ganzheitlich und nachhaltig zu gestalten – auch im Hinblick auf den künftigen mehrjährigen Finanzrahmen.
Die Studie, durchgeführt vom Marktforschungsunternehmen Omidia Consulting, reagiert auf den von der Europäischen Kommission veröffentlichten «MEDIA Outlook», der einen übermässigen Fokus auf Filmproduktion und die digitale Verwertung legt und für Kinos lediglich auf Daten aus der Pandemiezeit basiert. Der Bericht zeichnet ein pessimistisches Bild, das die aktuelle Realität und zukünftigen Potenziale des Kinosektors nicht vollständig erfasst. Die Studie bietet hingegen einen detaillierten, auf aktuellen Zahlen basierenden Überblick über die Kinolandschaft in Europa, beleuchtet den Erholungsprozess nach der Pandemie und unterstreicht die vielfältige kulturelle, soziale und wirtschaftliche Wirkung des Kinos.
Kinos spielen eine elementare Rolle für den Filmmarkt und die Gesellschaft. Wie eine Herzkammer für Filme legen sie den Grundstein für Sichtbarkeit, gesellschaftlichen Mehrwert und den Erfolg von Filmen über alle Verwertungsstufen hinweg. Gleichzeitig erfüllen sie eine wesentliche soziale Funktion: Sie sind Orte der Begegnung und des kulturellen Austauschs, fungieren als Ankerpunkte in Stadtzentren und tragen zur Belebung ganzer Viertel bei. Insbesondere Arthouse-Kinos stehen mit ihren vielfältigen Angeboten nicht nur für kulturelles Leben in Stadt und Land, sondern bieten europäischen Werken und künstlerisch anspruchsvollen Produktionen eine Heimat und fördern den Erfolg von Produktionen, die sich der Logik der Algorithmen entziehen. Damit sind sie sowohl kulturell als auch wirtschaftlich von fundamentalem Wert für eine prosperierende europäische Filmlandschaft.
Die Resonanz auf die Studie bestätigt, dass wir eine kritische Informationslücke geschlossen haben. Die durchweg positiven Reaktionen von Partnern, insbesondere der Europäischen Kommission, bilden eine vielversprechende Grundlage für eine intensivierte und konstruktive Zusammenarbeit mit allen relevanten europäischen Akteuren. Mit unserer Studie plädieren wir nachdrücklich für einen ganzheitlichen, integrativen Ansatz zur Gestaltung der europäischen Film- und Kinowirtschaft, der die Interessen und Perspektiven aller Beteiligten berücksichtigt und in Einklang bringt.
Die Weichen für die Zukunft des europäischen Kinos werden jetzt gestellt, und es liegt an uns, die sich bietenden Chancen entschlossen zu nutzen. Schon jetzt beobachten wir, dass die Menschen, insbesondere das junge Publikum, in die Kinos zurückkehren und ein wachsendes Interesse an Filmen jenseits des Mainstreams entwickeln. Mit ihrer Innovationskraft und einer gezielten öffentlichen Förderung können gerade Arthouse-Kinos ihre Schlüsselrolle als «letzte Meile» für Filme zum Publikum, als Vermittler vielfältiger Kultur und als wichtige gemeinschaftliche Treffpunkte behaupten. Wir sind überzeugt: Nur wenn wir die Unabhängigkeit der Filmwirtschaft in Europa einschliesslich seiner vielfältigen Kinolandschaft sichern, können wir die kreative Vielfalt bewahren, Wollen wir unsere kulturellen Werte auch zukünftig schützen, müssen wir das immense Potenzial des europäischen Kinos voll ausschöpfen und seine Position als lebendiges Herz unserer Kultur- und Filmlandschaft weiter stärken.
Dr. Christian Bräuer, Präsident der CICAE.