Für eine starke Standortförderung
© Franca Pedrazzetti

Für eine starke Standortförderung

Matthias Michel 24. Juli 2026

Matthias Michel über eine Stärkung des Standorts Schweiz.

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Die Schweiz hat viele Vorzüge für die Filmproduktion und kann qualitativ auch mit guten Produktionen aufwarten. Aber hinsichtlich der Rahmenbedingungen als Drehort für ausländische Filme hinkt sie dem Ausland hintennach. Cinéconomie setzt sich für gleich lange Spiesse mit Konkurrenzstandorten ein. Die Rahmenbedingungen für das – über unsere Grenzen hinauswirkende – Filmschaffen sind deshalb auch ein Element der Standortpolitik.

Mit der vom Volk im Mai 2022 klar angenommenen Investitionspflicht für in- und ausländische Plattformen und TV-Unternehmen wurde der Schweizer Film- und Produktionsstandort gestärkt und hat gegenüber anderen Ländern aufgeholt. Mit der Ablehnung der SRG-Halbierungsinitiative im März dieses Jahres konnte sodann eine empfindliche Schwächung der SRG vermieden werden, welche auch Auswirkungen auf deren Förderung von audiovisuellen Auftrags- und Ko-Produktionen gehabt hätte. Doch angesichts der vom Bundesrat beschlossenen Gebührensenkung ist längerfristig ungewiss, ob die SRG über den Pacte de l’audiovisuel ihr Engagement im heutigen Umfang wahren kann. Im Interesse der Qualität und Vielfalt des Schweizer Films und damit unserer Geschichte und Identität muss dieser Pfeiler aber stark bleiben.

Für ein nationales Anreizsystem für die Filmproduktion

Trotz der eingeführten Investitionspflicht und der wichtigen Funktion der SRG als Unterstützerin der Filmproduktion bleibt die Schweiz eine Insel. Nicht etwa eine Insel der Glückseligen, sondern eine mit kürzeren Spiessen als das Ausland: Die Schweiz ist das einzige mitteleuropäische Land ohne ein nationales Anreizsystem, welches die Schweiz als Drehort für ausländische Produktionen attraktiv macht. Über dreissig Länder, darunter alle unsere Nachbarstaaten, verfügen über nationale «Incentives», um internationale Produktionen anzuziehen und Wertschöpfung zu sichern. Unsere bestehenden Möglichkeiten in den Regionen reichen heute nicht aus, um etwa die Produktion von Serien oder Kinofilmen wirksam zu fördern. Die Konsequenz und leidvolle Erfahrung ist, dass Produktionen, selbst mit Schweizer Geschichten und Inhalten, in «Incentive»-Länder ausweichen. Es ist absurd, wenn typisch schweizerische Grossproduktionen wie etwa der Film über Wilhelm Tell mit einem Budget von über 40 Millionen Franken in Rom und dem Südtirol gedreht werden. Damit geht die Wertschöpfung im Inland zugunsten lokaler KMU verloren und im Resultat wird die Schweiz in Filmen und Serien kaum sichtbar.

Von der regionalen zur nationalen Standortförderung

Angesichts dieser Ausgangslage fordern wir mit einem Schweizer Anreizsystem schlichtweg mehr «Swissness». Der Bund kann als Akteur nur auftreten, wenn er eine Bühne, sprich die gesetzlichen Grundlage hat. In der Bundesverfassung besteht zwar eine Grundlage zur Förderung des Schweizer Films (Art. 71 BV), was aber die Produktion ausländischer Filme in der Schweiz nicht umfasst. Daher bietet sich die Standortförderung an, wie sie verschiedene Regionen der Schweiz schon betreiben. So haben bereits in den Kantonen Wallis, Tessin, Zürich und in der Zentralschweiz die entsprechenden Standortförderungen den Film entdeckt und bieten Unterstützung im Sinne von «Incentives». Diese regionalen Engagements sind wichtig, sind aber unzureichend, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zu sichern. Cinéconomie fordert deshalb, dass die Filmwirtschaft als integralen Bestandteil der Schweizer Wirtschaft in der Standortförderung 2028-2031 berücksichtigt wird. Konkret schlagen wir vor, dass in diesen vier Jahren als Pilotphase mit insgesamt 40 Millionen Franken Strukturen aufgebaut und erste Projekte unterstützt werden. Damit soll eine effiziente und finanziell tragbare Stärkung des Filmstandortes Schweiz aufgebaut werden.

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