Für eine starke Standortförderung
Matthias Michel über eine Stärkung des Standorts Schweiz.
Pierre Mennel 31. Oktober 2025
Im Rahmen einer Studie des Institute for the Performing Arts and Film der ZHdK in Zürich haben wir die visuelle Wirkung von drei Kamerasensoren und deren Einfluss auf den filmischen Look untersucht. Die Studie basiert auf einer empirischen Arbeit des Alumni Ian Oggenfuss, in der er der Frage nachging, inwieweit sich verschiedene Kameras innerhalb einer Szene unbemerkt kombinieren lassen.
Mit den Kameras Arri Alexa Mini, RED Gemini und Sony FX6 filmten wir dieselben Bilder mit identischer Optik und Blende. Das Rohmaterial wurde sowohl manuell als auch mithilfe der Software CineMatch in der Farbkorrektur angeglichen.
In einem Vergleich bewerteten Kameraleute, Koloristen und Koloristinnen sowie Kamera-Studierende das möglichst einheitlich «gegradete» Material und hatten die Aufgabe, die jeweils verwendete Kamera zu identifizieren. Die Trefferquote lag mit 42 Prozent nahe am Zufallswert von 33,3 Prozent.
Die Testaufnahmen wurden bei Sonnenschein, Dämmerung und Nacht durchgeführt. Die grössten Unterschiede zeigten sich bei Dämmerung oder Nacht: Hier waren die beiden Dual-ISO-Kameras der Alexa Mini deutlich überlegen. Generell konnten Totalen im Vergleich zu Nahaufnahmen besser unterschieden werden. Dies lässt den Schluss zu, dass Hauttöne besser angeglichen werden können als die Gesamtheit eines komplexeren Bildes. In diesen Einstellungen wurde die Alexa Mini am ehesten erkannt und positiv bewertet.
Moderne Kameras erzeugen heute Bilder, die sich nach der Farbkorrektur problemlos miteinander kombinieren lassen – sogar innerhalb einer Szene. Entscheidend für die Wahl einer bestimmten Kamera sind andere Faktoren: Benutzerfreundlichkeit, Datengrösse, Effizienz des Arbeitsablaufs, Gewicht, Robustheit, Preis und Fehleranfälligkeit.Praktische Bedürfnisse spielen also eine wichtigere Rolle – ohne ästhetische Kompromisse eingehen zu müssen.
«Winter Palace» 2024 (DoP: Filip Zumbrunn SCS)
Die Serie spielt zur Zeit vor der Elektrifizierung. Gedreht wurden Teile davon bei Kerzenlicht, mit minimaler Restlichtverstärkung auf der Sony FX6 bei 12.800 ISO. Dank ihres günstigen Preises waren mehrere Kameras gleichzeitig im Einsatz (zwei auf Stativ und zwei auf Gimbal), was teure Umbauzeiten sparte. Für die Aussenszenen kam die zehnmal teurere Sony Venice zum Einsatz, was aufgrund des besseren «Codecs» und des grösseren Dynamikumfangs sinnvoll war, insbesondere bei starken Helligkeitskontrasten (zum Beispiel dunkle Kleidung im Schnee bei Sonnenlicht).
«In die Sonne schauen» 2025 (DoP: Fabian Gamper)
Das in Cannes prämierte Werk wurde ähnlich erstellt: Die Nachtszenen wurden mit der FX6 bei 12.800 ISO gedreht, jedoch auf 3.200 ISO belichtet und mit indirekt diffusem, mondähnlichem Licht ausgeleuchtet. Das Ergebnis entspricht eher der natürlichen Wahrnehmung des Auges, welches bei geringer Lichtstärke von den Zapfen-Sehzellen zu den Stäbchen wechselt und damit Farben und Sehschärfe gegen Helligkeit «eintauscht». Die Alexa Mini auf 1600 ASA hatte deutlich mehr Rauschen und weniger Farbtrennung als die FX6 bei ISO 12.800. Tagsüber kamen die Alexa Mini und die FX6 szenenweise zum Einsatz. Wie bei «Winter Palace» wurden sie je nach Verfügbarkeit auf Steadicam, Stativ oder als Handkamera benutzt. Der Fokus lag auf einer schnellen, praktischen Lösung ohne visuelle Einbussen bei einer wegweisenden Bildsprache. In der Postproduktion hinzugefügtes Korn half zusätzlich, die vier eingesetzten Kameras zu verbinden.
Bilder entstehen durch Bildausschnitte, Brennweite, Licht, Bewegung, Szenenbild, Kostüm und das Spiel der Akteure – weniger durch Sensor oder Objektiv. Die Wahl der Kamera rückt in ihrer Bedeutung in den Hintergrund. Entscheidend ist, wie wir mit ihr erzählen.
Die komplette Studie, ergänzt um ein Interview mit Patrick Lindenmaier (SCS).