Zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit  der Schweizer Filmbranche
Christian Sommer ©️ Daniel Hinz

Zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Filmbranche

Christian Sommer, Motion Picture Association (MPA), Vertreter DACH 4. Juni 2026

Die Schweiz denkt ihre Rolle in der globalen audiovisuellen Industrie neu. Für Christian Sommer, DACH-Vertreter der Motion Picture Association (MPA), besteht die Herausforderung nun darin, Kulturpolitik und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärker miteinander zu verbinden.

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Langsam, aber sicher verändert sich die Lage in der Schweizer Filmindustrie. Erfreulicherweise wächst in der Schweiz das Bewusstsein, dass kulturelle Vitalität, wirtschaftliche Chancen und internationale Zusammenarbeit untrennbar miteinander verbunden sind. Aus internationaler Sicht wirken die aktuellen Bemühungen, die Schweiz zu einem Drehort zu machen, bemerkenswert konstruktiv.

Film wird zunehmend nicht nur als kulturelle Kraft, sondern auch als Motor für wirtschaftliches Wachstum angesehen. Genau dieser Zusammenhang ist entscheidend. Filme und Fernsehserien sind Kultur – aber sie sind auch Teil einer globalen Kreativwirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, Investitionen fördert und Innovationen vorantreibt. Es geht daher nicht um «entweder/oder», sondern um «und». Kulturelle und wirtschaftliche Perspektiven als konkurrierende Prioritäten darzustellen, würde am Kern der Sache vorbeigehen.

Von aussen betrachtet verfügt die Schweiz bereits über viele der Zutaten, die einen attraktiven Produktionsstandort ausmachen. Die Vielfalt der Drehorte ist aussergewöhnlich: Alpenlandschaften, historische Städte, moderne Architektur – oft nur kurze Entfernungen voneinander entfernt. Das Schweizer Geschichtenerzählen lebt von Vielfalt – Sprachen, Landschaften und Perspektiven. Das Land geniesst zudem einen Ruf für Qualität und Professionalität. In Verbindung mit politischer Stabilität, verlässlichen Institutionen und gut ausgebildeten Fachkräften schafft dies ein Umfeld, das trotz des relativ hohen Kostenniveaus international hoch geschätzt wird. In einer Branche, in der Produktionssicherheit und Vertrauen eine grosse Rolle spielen, sind dies bedeutende Vorteile.

Leider hat die Schweizer Investitionsverpflichtung für Streaming-Dienste negative Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Finanzielle Verpflichtungen erhöhen die Produktionskosten, was die Attraktivität eines Landes für internationale Produktionen potenziell gefährdet und gleichzeitig die lokale Wettbewerbsfähigkeit schwächt.

Zudem birgt die enge Definition eines «Schweizer Films» die Gefahr, kulturelle Ziele zu untergraben. Während das Ziel darin besteht, Schweizer Geschichten und Identität zu fördern, hemmt eine derart enge Definition die kulturelle Sichtbarkeit der Schweiz und schränkt die Fähigkeit eines Films ein, ein Publikum jenseits der Landesgrenzen zu erreichen. Zu restriktive Kriterien drohen, diese Geschichten auf ein kleines heimisches Publikum zu beschränken und damit ihre Wirkung einzuschränken.

Eine Ausweitung der Kriterien für die Einstufung als Schweizer Film würde die Kulturpolitik stärken, indem Projekte mit Schweizer Talenten anerkannt werden und gleichzeitig internationale Zusammenarbeit ermöglicht wird. Dies steht im Einklang mit der Absicht der Verpflichtung, sicherzustellen, dass Schweizer Geschichten über die Landesgrenzen hinaus Sichtbarkeit und Relevanz erlangen.

Wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle: Ein investitionsfreundliches Klima mit Anreizen statt fragmentierter regulatorischer Anforderungen ist entscheidend. Es ist wichtig, dass Förderprogramme für das gesamte Spektrum audiovisueller Inhalte offen sind – also sowohl für Kinofilme als auch für Streaming-Formate.

Wer die Schweiz kennt, weiss auch, dass Veränderungen hier selten über Nacht geschehen. Prozesse können langsamer erscheinen als in anderen Märkten. Doch wenn Entscheidungen getroffen werden, finden sie in der Regel breite Unterstützung und sind langfristig nachhaltig. Genau diese Stabilität wird international geschätzt. Die Switzerland Film Commission verdient als eine der treibenden Kräfte hinter dieser Initiative für einen wirtschaftlich ausgewogeneren Ansatz Anerkennung. Wenn der Dialog zwischen Kultur- und Wirtschaftspolitikern in diesem Sinne fortgesetzt wird, hat die Schweiz alle Chancen, ihre Position als wettbewerbsfähiger und kreativer Filmstandort weiter zu stärken.

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