Problemlöser
© Sebastian Cepeda, Viven AG

Problemlöser

Teresa Vena 26. September 2024

Im Juni wurden Teile einer koreanischen Serie in Zürich gedreht. Für Dreharbeiten im Ausland greifen Produktionen auf die Unterstützung von Partnern vor Ort zurück. Solche Serviceproduktionen haben für einheimische Dienstleister ihren Reiz.

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Seit sechs Jahren ist Sebastian Cepeda mit seiner Firma Viven AG im Auftragsfilmgeschäft tätig. Die südkoreanische Netflix-Serie «Two Women» (Arbeitstitel) ist bisher seine grösste Produktion.

Wesentlich für das Gelingen des Unterfangens war eine präzise Vorbereitung. Überrascht wie teuer es in der Schweiz ist, einigte man sich auf drei Wochen Vorbereitungszeit. Vor den Dreharbeiten im Juni besuchten im Oktober Verantwortliche von Studio Flow aus Korea Zürich. Gemeinsam besichtigte man mögliche Schauplätze.

Dienstleistung

Zahlreiche Genehmigungen mussten eingeholt, Ausstattung organisiert und eine Vielzahl von logistischen Aspekten koordiniert werden. Trotz der eher bescheidenen fünf Drehtagen war die Menge der Beteiligten beachtlich. Eine Delegation von 62 Koreanern und Koreanerinnen reiste an, unterstützt wurden sie von ungefähr 45 weiteren Schweizer Fachkräften. Letztere sowie mehrere Statisten und das Vorsprechen für die kleine Rolle eines Arztes, die mit einem Schweizer Darsteller besetzt wurde, organisierte Cepedas Team.

Bei einer Serviceproduktion kommt dem beauftragten Unternehmen vor Ort die Rolle eines externen Dienstleisters zu. Es bringt sich in der Regel weder kreativ am Drehbuch ein, noch hat es Ansprüche auf die Auswertungsrechte am Projekt. Das Kostenrisiko trägt alleine der Auftraggeber. Während es für Cepeda zum wichtigen Teil seiner Arbeit gehört, können Serviceproduktionen für Produktionsfirmen auch ein zweites Standbein bedeuten. Neben dem wirtschaftlichen Interesse, bieten sie die Gelegenheit, «in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wertvolle Erfahrungen zu sammeln», wie Noah Bohnert von Hugofilm Features sagt, «Dies erlaubt es unseren Fachkräften, sich weiter zu professionalisieren». Seine Firma hat dieses Jahr für zwei Drehtage eine Hollywoodproduktion in Zürich unterstützt, unter anderem betreute sie die Serie «Der Scheich» (2022) von Dany Levy, die für Paramount+ entstand, und regelmässig ist sie für mehrere Folgen des ARD-Formats «Zürich-Krimi» aktiv.

“Dies erlaubt es unseren Fachkräften, sich weiter zu professionalisieren.”
Noah Bohnert, Hugofilm Features

Probleme lösen

Zu den Eigenschaften jedes Produzenten gehört es, Lösungen für eine Vielzahl verschiedener Probleme zu finden. Im Fall von «Two Women» ging es unter anderem darum, ein gehobenes Zürcher Restaurant, das als Schauplatz diente, zu überzeugen, Fondue zu servieren. «Es brauchte Einfühlungsvermögen, um zwischen den Bedürfnissen beider Parteien zu vermitteln», erinnert sich Cepeda. Für die Zusage einer kurzfristigen Drehgenehmigung für die Rathausbrücke wiederum konnte er glücklicherweise auf die Vermittlung der Zurich Film Commission zählen. Diese brachte sich unter anderem auch erfolgreich ins Projekt ein, indem sie die koreanische Produktion finanziell bei der Drehortsuche («Location Scout Packages») unterstützte und die Produktion auch als eines von drei Pilotprojekten von der neuen Anreizmassnahme («Production Incentives»), die einen Zuschuss auf die Produktionskosten von bis zu 30'000 Franken bietet, profitieren liess.

Vorausschauendes Handeln ist ebenfalls von Vorteil. Die Dreharbeiten des US-amerikanischen Thrillers «Sew Torn», der in Locarno auf der Piazza Grande lief, fanden in Bad Ragaz und Vättis im Kanton St. Gallen statt. Um sich Rückhalt bei Behörden und Einwohner zu sichern, «haben wir die Menschen vor Ort eingebunden und ausführlich informiert, damit sie nicht überwältigt werden, wenn wir Strassen sperren und plötzlich mit bis zu 40 Personen und einer Menge an Material erscheinen», erklärt Timothy Ross von der Firma Orisono, die sowohl eigene wie Serviceproduktionen durchführen.

Dass es wegen des Films zu einem erhöhten Touristenzulauf in den Orten kommt, wie es in Iseltwald der Fall war, nachdem dort Teile der koreanischen Serie «Crash Landing on You» gedreht wurden, ist eher zweifelhaft. Ob der Tourismus in Zürich durch die Ausstrahlung von «Two Women» angekurbelt werden wird, wird sich zeigen. Cepeda meint, die Stadt komme auf jeden Fall gut zur Geltung. Wenn es nach der Zurich Film Commission geht, und das stützt auch ihre kürzlich veröffentlichte Wertschöpfungsstudie, sollen zumindest weitere ausländische Produktionen angezogen werden. «Budgetüberlegungen sind entscheidend dafür, ob wir ein weiteres koreanisches Team nach Zürich bringen. Die Kosten für Mitarbeiter waren im Vergleich zu anderen Teilen Europas deutlich höher, insbesondere gemessen an der relativen Erfahrung der lokalen Arbeitskräfte. Standortanreize und Kompensationen sind daher Schlüsselfaktoren, um zukünftige Projekte zu ermöglichen», bestätigt Young Suh, Herstellungsleiter von Studio Flow.

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