Neue Wege in der Filmfinanzierung
Filmstill aus «Mad Heidi» von Johannes Hartmann et Sandro Klopfstein © Swissploitation Films

Neue Wege in der Filmfinanzierung

Die Fragen stellte Adrien Kuenzy 26. September 2024

Valentin Greutert, Produzent von «Mad Heidi», erklärt, wie der Film vom Gemeinschaftsengagement und vom Direktvertrieb profitierte.

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Weshalb haben Sie für «Mad Heidi» ein partizipatives Finanzierungs- und Investitionsmodell gewählt?

Einen solchen Film in der Schweiz zu finanzieren, ist sehr schwierig. Trotz des bescheidenen Antrags in Höhe von 150'000 Franken wurde das Projekt vom Bundesamt für Kultur abgelehnt, da man der Meinung war, ein Film dieser Gattung benötige keine Unterstützung. Die Institutionen können sich mit dieser Art von Film nicht identifizieren. Zudem verteidigt das Autorenkino sein Territorium vehement, und «Mad Heidi» entspricht nicht den üblichen Finanzierungsmodellen. Deshalb mussten wir andere Lösungen finden.

Wie gelang es Ihnen, Investoren anzuziehen?

Zuerst brauchten wir eine starke Marke, die wir mit «Heidi» fanden. Dann sprachen wir gezielt Fans von Genrefilmen an. Sie sind ein sehr engagiertes Publikum, das «Conventions» und Festivals besucht und gerne Fanartikel kauft. Ein Schlüsselelement war die Erstellung eines Trailers noch vor Drehbeginn. Das Zusammenspiel all dieser Massnahmen hat zum Ziel geführt.

Was waren die wichtigsten Schritte und die grössten Schwierigkeiten bei der Mittelbeschaffung?

Für uns war es wichtig, einen Weg zu finden, um die Beteiligungsfinanzierung ohne grossen administrativen Aufwand zu realisieren. Mit FilmChain konnten wir ein komplett automatisiertes System nutzen. Danach haben wir ein umfassendes Dokument mit dem Titel «Investment Proposal» erstellt, in Werbung und soziale Medien investiert und diverse Veranstaltungen organisiert. Es war ein beträchtlicher Aufwand, doch die Unterstützung der Fans war unglaublich. Sie beteiligten sich nicht nur finanziell, sondern unterstützten uns auch auf viele andere Arten. Wir haben den Film als «Investainment» verkauft, eine Kombination aus Investition und Unterhaltung, und so eine engagierte Gemeinschaft und ein Projekt mit einer starken sozialen Dimension geschaffen.

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Valentin Greutert, Produzent von «Mad Heidi». © zvg

Wieso ist «Mad Heidi» gelungen, woran andere ähnliche Projekte scheiterten?

Dank meiner Wirtschaftsausbildung war ich in der Lage, das Projekt zu strukturieren, wie ich es auch für «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwalds» getan habe, der ein Budget von 6 Millionen Franken aufwies und im Regenwald Borneos gedreht wurde. Ich kümmerte mich um die geschäftlichen Belange, während die Regisseure Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein sich künstlerisch einbrachten. Viele Projekte scheitern aufgrund von Mängeln in den Bereichen Marke, Team und Kompetenzen. Bei uns waren all diese Elemente vereint.

Hatten Sie alternative Finanzierungsmöglichkeiten in Reserve, falls im Lauf des Projekts Probleme auftreten sollten?

Ja, wir hatten weitere vorgesehene Töpfe, das gab uns eine gewisse Sicherheit. Das Schweizer Fernsehen zeigte auch Interesse, was für uns sehr überraschend und eine grosse Unterstützung war. Zudem weist das Marketingbudget bei dieser Art von Projekt oft einen Handlungsspielraum auf. Wenn alles schiefgegangen wäre, hätten wir diese Mittel nutzen können, um den Film fertigzustellen, obwohl das natürlich Auswirkungen auf die Promotion gehabt hätte.

Der Film wurde in 28 Tagen gedreht, was sehr kurz ist. Mussten Sie deshalb Einschränkungen in Kauf nehmen?

Natürlich. Normalerweise bräuchte man für einen solchen Film ungefähr 40 Drehtage, insbesondere für die Kampfszenen in der Arena. Stunts, Wiederholungen und die Koordination zahlreicher Beteiligter erschweren die Zeitplanung. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass die Verträge mit den Schauspielenden auf dem «Pay-or-Play-Prinzip» basierten, sodass jeder Ruhetag wie ein Arbeitstag bezahlt werden musste. Die Einschränkungen waren gross, doch der Teamgeist war ausserordentlich.

Was waren Ihre Überlegungen in Bezug auf den Vertrieb?

Wir entschieden uns von Anfang an dafür, den Film über unsere eigene Internetseite zu vertreiben. Während meiner 25-jährigen Karriere habe ich oft festgestellt, dass den Filmschaffenden die Erträge aus ihren Filmen nicht voll zugutekommen, vor allem auf internationaler Ebene. Um Zwischenhändler wie Verkaufsgesellschaften und Verleiher, die einen grossen Teil der Einnahmen abschöpfen, zu vermeiden, entschieden wir uns für die ersten zwei Monate für den Direktvertrieb über unsere Internetseite. So konnten wir die Kontrolle über den Vertrieb behalten und den Gewinn optimieren.

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