Neue Dynamik  für den Schweizer Filmsektor?
Filmstill aus «Tschugger». © SRF/Dominic Steinmann

Neue Dynamik für den Schweizer Filmsektor?

Teresa Vena 10. Januar 2025

Bisher sind die Auswirkungen der vor einem Jahr eingeführten Investitionspflicht für Onlineplattformen noch nicht offensichtlich. Das Aufkommen einzelner Initiativen gibt aber Hinweise darauf, dass Ambitionen geweckt worden sind. Auch in Solothurn sollen sich die verschiedenen Akteure näherkommen.

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Anfang September hat Netflix 300 Produktionsfirmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem ersten Treffen nach Berlin eingeladen. «Wir wissen, wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, um uns untereinander auszutauschen, unsere Zusammenarbeit zu stärken und gemeinsam die Zukunft der Branche zu gestalten», sagt eine Netflixsprecherin. Und Katia Hofem, stellvertretende Direktorin für Inhalt der DACH-Region und Serienchefin ergänzt: «Neben den zahlreichen Gesprächen, die wir ohnehin regelmässig in kleineren Runden führen, möchten wir mit dem Summit eine möglichst breite Gruppe von Produktionsfirmen ansprechen, um im direkten Austausch grösstmögliche Transparenz herzustellen». Ein solches Vorgehen ist sicher hilfreich, um mit den Erwartungen umzugehen, die das Inkrafttreten der «Lex Netflix» im Filmsektor geweckt hat.

In diesem Sinne ist auch die Initiative der Solothurner Filmtage zu begrüssen, die ein Treffen zwischen Produzenten und Produzentinnen und Vertreter und Vertreterinnen von Onlineplattformen und Mediengruppen ermöglichen. «Welche Art von Unterhaltung wünschen sich unsere Zuschauer?» wird auch hier eine der Leitfragen sein.

Koproduktionen fördern

Das Festival hat im Rahmen eines Bewerbungsverfahren Projekte ausgewählt, für die Partner gesucht werden. Um Tamedia zu überzeugen, müsste ein Projekt in den dokumentarischen Schwerpunkt der Mediengruppe passen. «Wir interessieren uns für Themen rund um investigativen Journalismus», erklärt ihr Mitarbeiter Stefan Halter. Fest steht, dass dabei ein gewisser unterhaltender Charakter ebenfalls von Bedeutung sei. «Die Projekte zielen auf eine breite Reichweite, sollen aber einen kulturellen Anspruch beibehalten. Es geht um ein Treffen der beiden Sphären». Die Mediengruppe macht gerade ihre ersten Schritte in der Produktion von eigenen Inhalten. Gemeinsam mit Contrast Film entsteht eine dokumentarische Serie, in der investigativer Journalismus im Mittelpunkt steht. Weitere Projekte sind in der Vorbereitung, auf einen Austausch mit neuen Autoren und Produzenten freue man sich, sagt Halter.

In der Startphase befinden sich auch die im Herbst in Zürich frisch gegründete Swiss Studios AG. Fünf Firmen (Elite Filmproduktion, Contrast Film, Bavaria Fiction Switzerland, Kinescope Film und Praesens-Film), die das Fachwissen von der Entwicklung, der Produktion bis zur Auswertung von audiovisuellen Produktionen versammeln, schlossen sich zusammen, um «Kräfte zu bündeln», sagt Corinne Rossi von Praesens-Film. «Wir wollen Koproduktionen anbieten und eigene Projekte entwickeln». Dabei soll Swiss Studios als Ansprechpartner sowohl für den Schweizer Filmsektor als auch für ausländische Ko-Produktionsunternehmen fungieren. «Die Schweiz soll zu einem attraktiven Standort und Schweizer Inhalten soll eine grössere internationale Sichtbarkeit verschafft werden». Daher gingen im Rahmen der «Lex Netflix» Lizenzierungen von Inhalten und das Anbahnen von Produktionen Hand in Hand.

“Die Projekte zielen auf eine breite Reichweite, sollen aber einen kulturellen Anspruch beibehalten. Es geht um ein Treffen der beiden Sphären”
Stefan Halter

Lokale Inhalte

Das sieht die Mediengruppe Seven.One Entertainment genauso als Leitfaden ihrer Strategie an. «Wir wollen eine Brücke zwischen Kreativbranche und breiter Öffentlichkeit schaffen», sagt Sabine Körner, Senior-Marketingdirektorin (Senior Marketing Manager/PR). Seven.One ist in der Schweiz auch der neuen Investitionspflicht unterworfen. Bisher habe man sich im Rahmen von TV-Kampagnen betätigt, und «Schweizer Produktionen über die eigenen Kanäle beworben». Auf Seven.Ones Onlineplattform Joyn sind ebenfalls Schweizer Inhalte zu sehen. Man wolle aber auch als Koproduzent aktiv werden und suche das Gespräch mit verschiedenen Akteuren. «Die Nachfrage nach lokalen Inhalten steigt».

Der gleichen Meinung ist auch Fabian Stein von Sky Schweiz. Das Programm von Sky Show, das seit 2018 in der Schweiz angesiedelt ist, richtet sich an ein Schweizer Publikum. «Schweizer Inhalte spielen eine bedeutende Rolle in unserer Strategie». Das soll sich noch steigern, indem sich Sky Schweiz weiter als Koproduzent betätigt. Die Erfahrung mit «Tschugger» hat offenbar Lust auf mehr gemacht. «Wir wollen die Schweizer Industrie fördern, wir sind schliesslich selbst Teil davon», so Stein.

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