Nadine Adler Spiegel: «Es kann keine geschlossene Liste sein»
Nadine Adler Spiegel © Susanne Goldschmid

Nadine Adler Spiegel: «Es kann keine geschlossene Liste sein»

Adrien Kuenzy 30. Oktober 2026

Ein neues Festival tritt in den Kreis der von 2027 bis 2029 vom Bund unterstützten Filmfestivals. Wie ist dies ohne zusätzliche Mittel möglich? Die Co-Leiterin der Sektion Film des Bundesamts für Kultur spricht über die Auswahlkriterien und Abwägungen, die die Schweizer Festivallandschaft prägen.

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Das Festival international du Film Alpin Les Diablerets wird als einziges neu vom Bundesamt für Kultur unterstützt. Was hat Ihre Experten und Expertinnen dazu bewogen, es auszuwählen?

Wir betrachten diese Unterstützung als eine Art Starthilfe. Sie trägt den vom Expertengremium festgestellten Qualitäten des Festivals Rechnung, aber auch unserem Willen, die Schweizer Festivallandschaft weiterzuentwickeln. Bisher unterstützten wir immer die gleichen neun Veranstaltungen. Es ist wichtig, diesen Kreis erweitern zu können, wenn auch in bescheidenem Rahmen. Es kann keine geschlossene Liste sein. Das Festival von Les Diablerets weist ein sehr interessantes Entwicklungspotenzial auf.

Zwölf Festivals haben sich beworben, darunter die neun bereits unterstützten. Wie erklären Sie sich die begrenzte Anzahl Bewerbungen?

Manche denken vielleicht, die Unterstützung sei den bereits ausgewählten Festivals vorbehalten und sie hätten keine Chance. Das finde ich schade. Zudem gibt es Kriterien, die gewisse Festivals nicht erfüllen können, insbesondere neuere Veranstaltungen. Doch es ist wichtig, unsere Auswahl und Prioritäten regelmässig zu überprüfen. Deshalb machen wir Ausschreibungen und setzen externe Experten und Expertinnen ein. Wir haben im Übrigen auch die Unterstützungsperiode von vier auf drei Jahre verkürzt, um unsere Auswahl schneller anpassen zu können.

Was macht ein Festival in Ihren Augen auf nationaler Ebene wichtig: seine Besucherzahlen, seine Ausstrahlung, die Einzigartigkeit seines Angebots?

Die Kombination all dieser Elemente zählt, wobei etwas mehr Gewicht auf die Originalität und Qualität der Programme gelegt wird. Im Zentrum steht der Inhalt. So können wir auch Festivals unterstützen, deren Publikum begrenzt ist, wenn sie dafür Filme zeigen, die sonst kaum sichtbar sind.

Das Budget bleibt bei vier Millionen Franken pro Jahr. Wie können die Festivals sich weiterentwickeln, wenn die Förderungen stagnieren?

Ich verstehe ihre Frustration, doch unsere Mittel sind begrenzt. Man muss auch betonen, dass wir im Gegensatz zu anderen Kulturbereichen, die wiederholt von Sparmassnahmen betroffen waren, das Budget für die Festivalförderung beibehalten konnten.

Die Beträge sind über die Jahre weitgehend unverändert geblieben. Wie erklären Sie die Unterschiede zwischen den einzelnen Festivals?

In der aktuellen finanziellen Lage haben wir uns für Stabilität entschieden und den Festivals ähnliche Beträge zugeteilt, wie sie in der Vergangenheit erhielten. Einzig die Unterstützung des Zurich Film Festival (ZFF) wurde minimal gekürzt.

Der Beitrag an das ZFF wurde von 440’000 auf 420’000 Franken gekürzt. Was führte zu dieser Kürzung?

Wir haben dem ZFF mitgeteilt, welche Punkte ausschlaggebend waren.

Inwiefern fliessen Arbeitsbedingungen, Löhne und Freiwilligenarbeit in die Bewertung der Festivals ein?

Diese Aspekte werden bei der Beurteilung der Kohärenz und Nachhaltigkeit der Entwicklungsstrategie sowie der Ressourcennutzung miteinbezogen. Wir untersuchen insbesondere das Gleichgewicht der Finanzierung und die Transparenz in der Verwaltung. Die Experten und Expertinnen laden auch die Leitungsgremien und Präsidien der Festivals zu Anhörungen ein, um gewisse Punkte zu klären. Bleiben Fragen offen, so berücksichtigen sie dies in ihrer Bewertung. Die Qualität der Programme hat nach wie vor am meisten Gewicht, doch die anderen Aspekte werden immer wichtiger.

Kann ein Festival klein bleiben und dennoch alle Anforderungen des Bundesamts für Kultur erfüllen? Oder muss es immer Wachstumspotenzial aufzeigen?

Es muss Entwicklungspotenzial aufzeigen, doch das hat nichts mit seiner Grösse zu tun. Es muss am Puls der Zeit bleiben, auf aktuelle Herausforderungen reagieren und neue Angebote entwickeln. In Zukunft müssen wir darauf achten, dass die Festivals ihren Wert erhalten und sich weiterentwickeln können. Doch das hängt immer von den verfügbaren Mitteln ab.

Stellungnahme ZFF zur gekürzten Subventionssumme

Dass unser Beitrag innerhalb der Förderung von Schweizer Filmfestivals geringer bewertet wird, können wir nicht nachvollziehen. Das Zurich Film Festival setzt sich seit Jahren konsequent für den Schweizer Film ein, fördert nationale Talente und verschafft dem hiesigen Filmschaffen internationale Sichtbarkeit. Ungeachtet dieses Entscheids werden wir weiterhin das tun, wofür wir stehen: den Filmnachwuchs fördern, Schweizer Filmen eine Bühne bieten und grosses Kino einem breiten Publikum zugänglich machen.

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