Maja Hoffmann über Finanzen und die Rolle von Locarno
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Maja Hoffmann über Finanzen und die Rolle von Locarno

Teresa Vena 17. August 2025

In einem öffentlichen Gespräch vor geladenen Gästen aus der Filmindustrie und der Politik sprach die Präsidentin des Locarno Film Festival Maja Hoffmann offen verschiedene Themen an. Weil einige dies irritierte, haben wir bei ihr nachgefragt.

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Während des Locarno Film Festival hat Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider Vertreter und Vertreterinnen aus der Politik und dem Filmsektor zu einem Empfang auf dem Monte Verità eingeladen. Bevor traditionsgemäss tessinisches Risotto serviert wurde, sassen sich die Bundesrätin und die Präsidentin des Festivals Maja Hoffmann zu einem Austausch gegenüber.

Bevor es um Kultur- und Filmpolitik ging, machte das Gespräch einen Schwenker zur Zollpolitik von US-Präsident Trump. Die Bundesrätin beschönigte die für die Schweiz daraus resultierenden möglichen Herausforderungen nicht. Welche die Auswirkungen für den Regierungshaushalt sein werden, und damit auf den Kulturetat, liess sie noch offen. Dass es keine guten Zeiten für die Kultur seien, versuchte sie aber, nicht kleinzureden.

Auch Maja Hoffmann nahm im Folgenden kein Blatt vor den Mund. Es ist unüblich, so klare Worte aus dem Filmsektor in öffentlichen Diskussionen zu hören. Das muss einer der Gründe sein, wieso viele davon so irritiert waren. Ein paar Bemerkungen können tatsächlich als etwas gewagt aufgenommen werden, doch auch ungewöhnliche, vielleicht unpraktikable, Ideen regen zumindest die Diskussion an. Vor allem wenn sie von jemandem stammen, der noch frisch in diesem Sektor ist, können sie alte Gewohnheiten hinterfragen.

Zumindest spürt man Leidenschaft aus Hoffmanns Art heraus. Auf die Frage, ob ein Festival nicht auch die Funktion haben sollte, angesichts der «Weltlage» abzulenken und zu unterhalten, meinte sie : «Das Festival soll intellektuell herausfordern. Für den Rest kann man zuhause Netflix schauen. Wenn ich nicht schlafen kann, mache ich das.»

Das Gespräch warf Themen wie eine neue Datumsfindung des Festivals, genau in der Mitte zwischen Cannes und Venedig, auf. Die Diskussion laufe mit allen wichtigen Entscheidungsträgern gemeinsam, so Hoffmann. Eines ihrer Argumente für eine Verschiebung war, dass bisher internationale Gäste nur auf Einladung nach Locarno kommen wollten. Es brauche Überzeugungskraft und viel Vorlauf.

Des Weiteren äusserte sich Hoffmann über die Finanzierung von Film und Festival, indem sie unter anderem betonte, dass man sie zwar «Mäzenin» nenne, doch als solche verstehe sie sich in Locarno nicht. Der Schweizer Film müsse sich Mühe geben, auch ausserhalb der öffentlichen Förderung Gelder zu mobilisieren.

Um ihre Aussagen nicht nur aus unserer Sicht zu interpretieren, haben wir Frau Hoffmann gefragt, ob sie einige Aspekte ergänzend hinzufügen wollte.

Sie haben gesagt, dass Sie bei Ihrem Amtseintritt ein hervorragendes Festival vorgefunden haben. Wenn Sie aber sagen müssten, wo noch Verbesserungspotenzial bestehe, würden Sie sagen, dass dies im Bereich der internen Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen der Fall sei. Können Sie ein Beispiel dafür geben ?

Sie haben diese Aussage entweder missverstanden oder aus dem Zusammenhang gerissen. Das Festival ist ein aussergewöhnliches Beispiel für Teamarbeit, bei dem unzählige Menschen, Kompetenzen und Ideen zusammenkommen, um es möglich zu machen.

Doch wie in vielen Organisationen gibt es auch hier immer Raum, unsere Zusammenarbeit zu verbessern. So hätte etwa in Bezug auf die Piazza Grande-Leinwand (Anm.d.R.: Siehe Kontroverse bezüglich Austausch der historischen Leinwand und Petition «Don't Touch the Screen») eine strukturiertere Kommunikation dazu beitragen können, die Erwartungen des Publikums besser abzustimmen, und wir hätten einen Raum schaffen können, um die Meinungen aller anzuhören. Das ist eine wertvolle Lehre, die uns helfen wird, sowohl unsere interne Zusammenarbeit als auch unsere externen Beziehungen in Zukunft zu stärken.

Film ist eine Industrie, und diese muss es zum Ziel haben, sich selbst zu tragen, sich selbst zu finanzieren. Dies scheint, Ihre Überzeugung zu sein. Wie denken Sie, dass sich das für das Festival von Locarno erreichen lässt?

Im Hinblick auf den Film handelt es sich tatsächlich um eine Industrie. Doch beim Filmfestival Locarno sind wir Teil eines kulturellen Ökosystems, das auf einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen öffentlicher und privater Unterstützung beruht. Absolute Selbstfinanzierung ist nicht realistisch, zumindest nicht, ohne die Vielfalt und Qualität zu gefährden, für die Festivals wie unseres stehen. Die öffentliche Finanzierung unterstützt das künstlerische Risiko, während private Investitionen von Sponsoren die Reichweite und Infrastruktur des Festivals stärken können. Auch die Filme müssen beim Publikum, bei der Presse und bei den Verleihern Resonanz finden. Deshalb ist Sichtbarkeit entscheidend: Die Aufmerksamkeit der Medien und der Branchenakteure bestimmt oft, ob ein Film über seine Festivalpremiere hinaus Bestand haben wird. Die Sichtbarkeit der Filme, die wir in Locarno zeigen, ist einer der Gründe, warum wir die Termine des Festivals überdenken.

Sie haben gesagt: Das Festival werde «sur-utilisé», «überstrapaziert» oder «überbeansprucht». Meinen Sie, dass es zu viele Filme gibt? Könnten Sie dies etwas näher erläutern?

Locarno ist eine fantastische Plattform, die ein breites Spektrum an Kreisen zusammenbringt: Filmemacher, Schauspieler, Verleiher, Vertreiber, Journalisten, Politiker usw. Beim Festival in Locarno dabei zu sein, ist sehr begehrt, und viele unterschiedliche Gemeinschaften sehen darin einen Mehrwert. Seine Fähigkeit, als Treffpunkt zu dienen, an dem sich künstlerische, kulturelle, politische, industrielle und kommerzielle Gespräche kreuzen, ist ein Zeichen seiner Relevanz und Teil dessen, was Locarno so besonders macht. Ich sehe für die Zukunft die Möglichkeit, diesen Trend zu vertiefen: Einige dieser Initiativen, die zwar separat bestehen, aber ähnliche Ziele verfolgen, könnten davon profitieren, wenn sie sich gegenseitig sowie mit unserem Team austauschen – vor und nach dem Festival –, um ihre gemeinsamen Interessen zu diskutieren. Auf diese Weise könnten ihre Absichten besser vermittelt und ihre Botschaften während des Festivals optimiert werden. Wir könnten eine Art Gemeinschaft im «Geist von Locarno» formen...

Im Hinblick auf die Finanzierung und die öffentliche Unterstützung des Schweizer Films haben Sie gesagt, es wäre vorteilhaft, wenn Autoren und Filmemacher versuchen würden, auch anderweitig, insbesondere international, Finanzierungen zu finden. Könnten Sie dieses Argument bitte etwas näher erläutern?

Internationale Finanzierung kann eine wertvolle Rolle in der Schweizer Filmproduktion spielen, sie sollte jedoch eine Ergänzung und kein Ersatz für die nationale Förderung sein. Die relativ kleine Grösse des Landes in Kombination mit seiner Aufteilung in drei Sprach- und Kulturmärkte bedeutet, dass die regionalen Ressourcen allein oft nicht ausreichen, um auf globalem Niveau konkurrenzfähig zu sein. Um dieses Ökosystem zu unterstützen und weiterzuentwickeln, brauchen wir eine ausgewogene Mischung aus öffentlicher Förderung, Investitionen durch die Schweizer und benachbarte öffentliche Sender sowie privates Kapital. Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist «Winter Palace» koproduziert von RTS und Netflix. Diese Art von Partnerschaft ermöglicht es der Schweizer Kreativität, ein breiteres Publikum zu erreichen, während gleichzeitig eine solide lokale Basis erhalten bleibt.

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