Für eine starke Standortförderung
Matthias Michel über eine Stärkung des Standorts Schweiz.
Teresa Vena 12. August 2025
Beim Locarno Film Festival diskutierten Filmschaffende mit Politikern und Politikerinnen über den ideellen und materiellen Wert des Kulturschaffens.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider lud zu einem Gespräch während des Locarno Film Festivals ein, das politische wie künstlerische Vertreter und Vertreterinnen zusammenbrachte. Der Titel der Veranstaltung lautete «Kulturwirtschaft an der Schnittstelle von Kreativität, Markt und Politik: Chancen und Herausforderungen für den Film». Das Augenmerk lag auf der Wertschöpfung des Schweizer Filmschaffens.
Angesichts knapper und gekürzter Kulturförderung wird immer klarer, dass Gelder auch ausserhalb davon, etwa aus wirtschaftlichen Quellen, gesucht werden müssen. Die wachsenden Initiativen der Schweizer Standortförderung über die Filmkommissionen, zu denen neu auch Genf und Neuenburg Pläne präsentiert haben, schreiben sich in diesen Kontext ein. In diesem Gespräch in Locarno wurde deutlich, dass das Filmschaffen keine finanzielle Einbahnstrasse ist. Es ist Teil eines Wirtschaftskreislaufs, dessen Potenzial mit den richtigen Rahmenbedingungen zum Vorteil aller besser ausgeschöpft werden kann.
Unter den geladenen Gästen war auch Filmemacher Lionel Baier. Seine einführenden Worte waren klar und nachdrücklich. Es bleibt zu hoffen, dass sie Einfluss zeigen.
Die Schweiz habe sich bewusst gegen eine Beteiligung an den Strukturen der Europäischen Union entschieden. «Diese Haltung hat ihren Preis», sagte Baier. Die Schweiz hätte als Filmstandort durchaus viel zu bieten: vielfältige Landschaften, gut ausgebildete Techniker und Technikerinnen sowie hervorragende sprachliche Kompetenzen. «Doch das alles gibt es an anderen Orten auch.»
Man vergesse die Kraft des Films als verbindendes Medium nicht. «Wenn ich wissen will, wie ein Land denkt und fühlt, gehe ich ins Kino oder lese ein Buch.» Kultur ist Identität, und Filme wie andere Kulturerzeugnisse sind ihre Vermittler. Länder wie Norwegen hätten es vorgemacht. Das Land hat seine eigene filmische Bildwelt entwickelt, Filme produziert, die von sich erzählen und eine bestimmte Lebensart hervorheben und bewerben. Das hat dazu geführt, dass auch andere gerne dort drehen, was wiederum Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes hat.
«Jede Drehortwahl erzählt eine Geschichte über diesen Ort. Wer in der Schweiz dreht, dokumentiert indirekt deren Kultur und Geschichte. Das sei ein Mehrwert, der in der Standortförderung stärker betont werden sollte.»
In diesem Zusammenhang sprach er das Verhältnis des Filmschaffens zur öffentlichen Förderung an. Sicher sei er dankbar für die Fördergelder, die er erhalte – die aus den Steuereinnahmen stammen, zu denen er beitrage. «Aber wir sind nicht nur Bittsteller. Wir investieren, wir vermehren das Geld, wir tragen zur Wirtschaft bei.»