Kulturelle Vielfalt schützen
© Pexels / Luis Quintero

Kulturelle Vielfalt schützen

Teresa Vena 26. Mai 2025

Vor zwanzig Jahren trat das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in Kraft. Es ist damals wie heute ein wichtiges Werkzeug, das es hochzuhalten gilt. Bei Filmfestival in Cannes lud das CNC zu einer Diskussion dazu ein.

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Bei der vom CNC organisierten Podiumsdiskussion während des Cannes-Filmfestivals sprach man über die Bedeutung des 2005 verabschiedeten UNESCO-Übereinkommens zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen.

Als Einleitung ging der CNC-Direktor Gaëtan Bruel auf die angespannten Beziehungen zu den USA im Kultursektor ein: «Kulturelle Vielfalt ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss erhalten und geschützt werden. Sie ist kostbar und zerbrechlich; sie ist bedroht.» Heute machen europäische Filme 1 Prozent des US-Filmmarktes aus, während US-Filme 60 Prozent des europäischen Filmmarktes ausmachen würden. So viel zu den jüngsten Behauptungen von Präsident Trump über die angebliche Bedrohung des US-Marktes von aussen.

Während der Podiumsdiskussion ging man kurz auf die Entstehungsgeschichte des Übereinkommens, das bis heute von 158 Ländern und der EU als weiterer politischer Einheit unterzeichnet worden ist. Jean Musitelli, ehemaliger Botschafter Frankreichs bei der UNESCO, erinnerte daran, dass Frankreich entscheidend für die Umsetzung des Übereinkommens war. Ähnlich wie die heutigen protektionistischen und imperialistischen Bestrebungen von US-Präsident Trump, gab es in der Zeit nach dem Kalten Krieg neben der wirtschaftlichen auch eine kulturelle Offensive der USA gegenüber Europa. Ziel war es, kulturelle Elemente als sogenannte «Soft Power» zu nutzen, um andere anzuziehen und davon zu überzeugen, sich auf einer anderen Ebene an Verträge zu halten, die in diesem Fall vor allem den USA zugute kommen würden.

Es war die Ära von Mitterrand in Frankreich. Der Präsident erklärte, dass «geistige Schöpfungen» nicht als Ware zu betrachten seien. Kulturelle Ausdrucksformen müssten geschützt werden und dürften nicht wie jeder andere Ware verhandelt werden. Dies war eine direkte Reaktion auf die wachsende Macht der USA und ihren massiven Export von Kulturgütern. Ihr Anteil am Filmmarkt wuchs exponentiell. Frankreich wollte seine eigenen Kulturgüter schützen. In dieser Phase wurde das Konzept der «kulturellen Ausnahme» geboren und 1993 in die GATT-Verhandlungen aufgenommen.

Keine reine Wirtschaftgüter

Die wichtigste Errungenschaft dieses Übereinkommens ist, dass Kulturgüter einen doppelten Charakter haben: Sie sind Träger von Identität und Werten, und nicht nur kommerzielle Güter. Das Übereinkommen erlaubt, allen unterzeichnenden Länden Massnahmen zum Schutz ihrer kulturellen Vielfalt zu ergreifen. Und schliesslich, was als wichtigster Punkt gilt, kann kein bestehender oder neuer Handelsvertrag die Souveränität der kulturellen Vielfalt nach der Definition des UNESCO-Übereinkommens untergraben.

In einem zweiten Teil der Diskussion berichtete Chris Marcich, der Präsident der EFAD (European Film Agency Directors) und Direktor des nationalen kroatischen Filmfonds, dass die Drohungen von Trump Ernst zu nehmen seien: «Obwohl die USA gemäss des Übereinkommens, das auch sie unterschrieben haben, nicht das Recht haben, protektionistische Methoden anzuwenden, ist ihnen dies einfach egal.» Er bleibt aber optimistisch, denn das Übereinkommen sei international anerkannt. Die meisten Länder würden dafür kämpfen, es aufrechtzuerhalten und seine Kernwerte zu schützen.

Laurence Farreng, französisches Mitglied des Europäischen Parlaments, sagte, das dies auf jeden Fall für sie gelte. «Europa hat jetzt eine Chance, sich wieder anzunähern.» Sie verschwieg nicht, dass sie es nicht als eine leichte Aufgabe sehe, angesichts der internen machtpolitischen Entwicklungen. Sie ist der Meinung, dass EU-Präsidentin Ursula von der Leyen es bisher versäumt habe, die Bedeutung von Kultur hervorzuheben. Unterstützung erfährt Farreng von Stéphane Séjourné, Vizepräsident für Wohlstand und Industriestrategie in der Europäischen Kommission, der ebenfalls bei der Diskussion in Cannes anwesend war. «Bislang gibt es nur ein einziges EU-Programm, das speziell kulturelle Belange unterstützt. Auf Europe Creative fallen 0,2 % des gesamten EU-Haushalts. Das ist sicher sehr wenig, wenn man den Reichtum der kulturellen Vielfalt Europas bedenkt.»

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