Michela Pini: «Heute ist das Tessin viel stärker professionalisiert. Doch auch hier spürt man die Krise, vor allem im Zusammenhang mit dem Fernsehen.»
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Michela Pini: «Heute ist das Tessin viel stärker professionalisiert. Doch auch hier spürt man die Krise, vor allem im Zusammenhang mit dem Fernsehen.»

Teresa Vena 16. Mai 2026

Michela Pini ist Teil des Vernetzungsprogramms Producers on the Move, dem European Film Promotion zwanzig europäischen Produzenten und Produzentinnen beim Cannes Filmfestival jährlich ermöglicht. Wir sprachen mit der Produzentin vor ihrer Reise zu einem der grössten Filmmärkte.

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Wie viel Energie kostet es, auf Märkte zu gehen?

Es ist verheerend. Cannes ist vielleicht der intensivste Markt. Vielleicht, weil mehr Leute da sind, weil es teurer ist, weil es auch viel Glamour gibt. Die Realität ist: Du fährst hin, hast ein Einzimmerapartment, in dem ihr zu viert seid, weil das alles ist, was du dir leisten kannst. Du musst immer gut gekleidet, geschminkt und frisiert sein. Und allein das setzt mich schon unter Druck, weil ich normalerweise so aus dem Haus gehe, wie ich bin. Dann rennst du von einem Termin zum nächsten. Dort bist du wirklich der letzte «nobody». Am Anfang bist du wirklich der letzte «nobody», aber mit der Zeit lernt man die Menschen und die Kollegen und Kolleginnen aus der Branche kennen, und auch wenn es immer herausfordernd bleibt, wird es etwas einfacher, mit konkreten Ergebnissen nach Hause zurückzukehren.

Was das Schweizer Filmsystem betrifft, hat sich das Tessin in den letzten Jahren stark entwickelt, auch dank der Ticino Film Commission. Was bedeutet es heute, im Tessin ansässig zu sein?

Ich glaube, dass das Tessin in den letzten zwanzig Jahren filmisch vollkommen erwacht ist. Am Anfang war alles sehr handwerklich, sehr improvisiert. Dann entstand dank Personen wie Villi Hermann und Tiziana Soudani, der die ersten Filme von Erik Bernasconi, Niccolò Castelli, Francesco Rizzi, Klaudia Reynicke und anderen unterstützt hat, eine neue Welle von Menschen, die Filme machen wollten. Endlich wurde es möglich zu sagen: «Ich bin Elektriker und lebe im Tessin», «Ich bin Kostümbildnerin und lebe im Tessin.» Früher war das nicht möglich. Die Ticino Film Commission hat enorme Arbeit geleistet, auch indem sie internationale Produktionen ins Tessin geholt hat. Heute ist das Tessin viel stärker professionalisiert. Doch auch hier spürt man die Krise, vor allem im Zusammenhang mit dem Fernsehen. Viele kleine Produktionsfirmen arbeiteten mit Dienstleistungen, Schnittarbeiten oder Aufträgen für das Fernsehen. Das gibt es heute fast nicht mehr.

Wie würdest du die Situation der Filmförderung in der Schweiz beschreiben?

Für Schweizer Produzenten und Produzentinnen ist es heute viel schwieriger. Einerseits hat das Fernsehen entschieden, nur noch Serien und keine Fernsehfilme mehr zu produzieren. Und gerade die Fernsehfilme ermöglichten es uns – besonders im Tessin –, weiterzuarbeiten, den Technikerinnen und Technikern Kontinuität zu geben und neue Talente zu entdecken. Zum Beispiel war «Love Me Tender» von Klaudia Reynicke ein Fernsehfilm und lief später in Locarno und Toronto. Heute landen deshalb alle Projekte beim Bundesamt für Kultur. Es gibt mehr Projekte, und sie sind teurer. Früher habe ich für ein Erstlingswerk 600.000 Franken beantragt, heute mindestens 750.000, weil ich sonst Techniker und Mitarbeitende nicht bezahlen kann.

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