Ab sofort Null-Toleranz-Politik
© Eric Bonté / CNC

Ab sofort Null-Toleranz-Politik

Teresa Vena 26. Mai 2025

Nach einer Aufarbeitungsphase von fünf Jahren treten nun Massnahmen in Kraft, die sexuellmotivierte Gewalt in der französischen Kinolandschaft vorbeugen sollen. Das CNC erläuterte in Cannes wie es ab sofort durchgreifen will.

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Kurz vor dem Start des Festivals wurde bekannt, dass im Prozess des französischen Schauspielers Gérard Depardieu wegen zweier sexueller Übergriffe ein Urteil gefällt wurd: 18 Monate auf Bewährung. Sein Fall war sicherlich einer der meistbeachteten der letzten Jahre; es herrscht eine gewisse Enttäuschung über das verhängte Strafmass.

Im Rahmen des Cannes-Filmfestivals organisierte das CNC, Centre national du cinéma et de l'image animée, eine Podiumsdiskussion, die diese Ohnmacht in den richtigen Kontext setzte. Eingeführt wurde dies mit einer Rede des neuen Direktors der Institution Gaëtan Bruel: «Der Kulturbreich sollte mit gutem Beispiel vorangehen .Kultur ist der Trägerin von Identität und hat die Kraft, Menschen zu verbinden und die Seele zu trösten. Und doch ist dieses Umfeld für viele Menschen ein Ort der Bedrohung.» In Bezug auf den CNC kündigte er eine Null-Toleranz-Politik und einen Katalog von Präventionsmassnahmen an. «Wir müssen schnell handeln. Dies ist eine katastrophale Situation, die niemand mehr ignorieren kann. Wir riskieren, jede Glaubwürdigkeit bei unserem Publikum zu verlieren.»

Unterstützt wurde er vom Parlamentarier Erwan Balanant. Er war Teil der offiziellen Untersuchungen der letzten fünf Jahre, die von der französischen Nationalversammlung und ihrer Untersuchungskommission über Gewalt in der Film-, audiovisuellen, Live-Performance-, Mode- und Werbeindustrie durchgeführt wurden. «Es ist erschreckend, die Statistiken und Fälle zu sehen, aber sie haben eine starke Wirkung und zeigen, dass dringend gehandelt werden muss.» Für ihn ist der Film heute eine «Maschine zur Vernichtung von Talenten», die bereits bei den Vorsprechen in Gang gesetzt wird. So viele Karrieren seien zerstört worden. «Der Geniekult, der in Frankreich lange vieles ermöglicht und entschuldigt hat, muss aufhören».

Die Kommission veröffentlichte einen 300-seitigen Bericht. Darauf aufbauend soll auf parlamentarischer Ebene ein Katalog von Regelungen folgen, die Prävention und bei Bedarf rechtliche Schritte ermöglichen. Gemeinsam mit dem CNC wurde bereits eine Auswahl von Massnahmen umgesetzt. So sind beispielsweise alle Produktionen verpflichtet, einen Intimitätskoordinator oder eine Intimitätskoordinatorin zu beschäftigen. Sie müssen auch zwingend eine Ombudsstelle einrichten. Alle Mitglieder einer Filmproduktion sind von nun an verpflichtet, eine spezielle Ausbildung über angemessenes Verhalten gegenüber sexistischer und sexueller Belästigung zu absolvieren.

Verpflichtende Schulungen

Diese Schulung besteht aus zwei Teilen: Der erste ist online, der zweite muss von allen Produktionsbeteiligten gemeinsam vor Ort absolviert werden. An der Podiumsdiskussion anwesende Filmschaffende teilten mit, dass sie die Massnahmen grundsätzlich befürworteten, wiesen aber auf die Schwierigkeiten hin, alle Mitarbeiter rechtzeitig für eine solche Schulung zusammenzubringen, da es bei Produktionen oft unterschiedliche Zeitpläne für die einzelnen Abteilungen gäbe. Einige Stimmen sagten auch, dass diese Verpflichtungen die Produktionskosten erhöhen.

Es wurde deutlich, dass es noch einige Herausforderungen gibt, um hier einen reibungsloseren Prozess umzusetzen. Aber das Engagement des CNC und der Politik, die auch in der Person der französischen Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern und für den Kampf gegen Diskriminierung, Aurore Bergé, und des Filmfestivals von Cannes, vertreten durch seine erste weibliche Präsidentin, Iris Knobloch, war beeindruckend. Es ist zu hoffen, dass sie mehr als nur symbolische Kraft haben.

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