Julie Dash: «Meine Filme gelten als nicht authentisch»
Von links nach rechts: Hwang Hei-rim (Programmleitung Seoul International Women's Film Festival), Julie Dash, Yasemin Şamdereli (Regisseurin) © Internationales Frauen Filmfest Dortmund+Köln

Julie Dash: «Meine Filme gelten als nicht authentisch»

Teresa Vena 4. April 2025

Das Internationale Frauen Film Fest Dortmund+Köln hatte in diesem Jahr Besuch von der US-amerikanischen Regisseurin Julie Dash. Im Gespräch erzählte die mittlerweile 72-Jährige von ihrer Karriere als schwarze Filmschaffende in den USA.

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Vom 1. bis 6. April fand in Dortmund die 42. Ausgabe des Internationalen Frauen Film Fest Dortmund+Köln (IFFF) eines der grössten Filmfestivals, das sich darum bemüht, das filmische Werk von Frauen hervorzuheben. In Deutschland ist es eines der wichtigsten Foren seiner Art.

Neben den prominenteren Berufsfeldern wie Regie, Autorschaft und Schauspiel möchte das Festival spezifisch auch andere Gewerke berücksichtigen, in denen Frauen im Film aktiv sind, von Kamera und Produktion über Musikkomposition bis Montage, um nur einige Bereiche zu nennen.

Das Festival wartet mit einem Filmprogramm auf sowie einer Reihe von Nebenveranstaltungen, zu denen verschiedene Podiumsdiskussionen und Seminare gehören. Teil des Filmprogramms war in diesem Jahr auch ein Wettbewerb. Für die Ermittlung der Gewinnerfilme wurde eine Jury benannt, und die US-amerikanische Filmemacherin Julie Dash wurde dazu eingeladen. Es war für das IFFF die Gelegenheit, einen frühen Kurzfilm von Dash «Illusions» von 1982 zu zeigen. Gemeinsam mit «Daughters of the Dust» von 1991 wurde dieser Film inzwischen als nationales Kulturgut in das National Film Registry aufgenommen. Wir haben uns mit Julie Dash über ihre Karriere unterhalten.

Sie waren Teil der sogenannten L.A. Rebellion. Was bedeutet es, zu den ersten afroamerikanischen Studierenden an der UCLA Filmschule zu gehören?

Meine Karriere begann eigentlich schon viel früher, am Harlem Studio Museum in New York und dem American Film Institute in Los Angeles. Als ich die UCLA kam, war ich auch nicht Teil der ersten Generation, viele tolle Künstler und Künstlerinnen hatten sich bereits verdient gemacht. Es war eine sehr inspirierende Zeit, sich mit den Kollegen und Kolleginnen austauschen zu können.

Welchen Einfluss hatten Ihre Bemühungen und die Ihrer Kollegen und Kolleginnen, Ihrer Meinung nach, in Hollywood?

Erst heute werden langsam Werke und Ideen dieser Filmemacher überhaupt richtig beachtet. Es entstehen jetzt kritische Studien dazu. Erst jetzt erkennt man den Wert dieser Zeit an.

Würden Sie diese Zeit als eher kameradschaftlich oder kompetitiv beschreiben?

Eindeutig kameradschaftlich. Es gab kein Geld, um Projekte umzusetzen. Umso wichtiger war es, sich gegenseitig zu helfen.

Wie waren die Produktionsbedingungen für Ihren Kurzfilm «Illusions» und schliesslich Ihren ersten Langfilm «Daughters of the Dust»?

Glücklicherweise konnten wir für «Illusion» das Studio an der UCLA nutzen. Das ging, da der Film 1942 spielt und selbst ein Filmstudio als Schauplatz hat, das wir simulieren konnten. Dass der Film zustande kam, ist der Hilfe von Freunden in verschiedenen Studiengängen zu verdanken. Von der Ausstattung, über die Aufnahmeleitung und Produktion, haben wir uns zusammengetan. Bei «Daughters of the Dust» hatte ich darüber hinaus das Glück, dass etwa 800'000 Dollar von verschiedenen Institutionen beigesteuert wurden, die sich um Frauenfragen bemühen.

«Daughters of the Dust» feierte seine Premiere 1991 am Sundance-Filmfestival und war ein Erfolg. Der Film gewann verschiedene Preise. Wie war die Kinoveröffentlichung?

Es war schwer, einen Verleiher zu finden. Es sollte ein Jahr dauern. Schliesslich engagierte sich ein Verleih, der auf ausländischen Filmen spezialisiert war. Mein Film galt nämlich auch als «ausländischer» Film für den US-amerikanischen Markt. Er war nicht zugänglich, er war nicht einer dieser urbanen Testosteron geladenen Filme (wörtlich: «urban testosterone films»), die damals als authentisch «schwarz» angesehen wurden. Der Film war nicht einfach genug. Und in der Folge war er ausserhalb den USA auch viel erfolgreicher als im eigenen Land. In New York stand er dennoch 32 Wochen im Programm der Kinos. Die Menschen schätzen ihn, da er nicht ausbeuterisch ist. Viele sahen ihn als Inspiration und den grössten Einfluss hatte er eher in der Kunstszene.

Hat sich bezüglich dieser Haltung in Hollywood etwas geändert?

Hollywood hat Angst vor älteren und ausgebildeten Autoren und Filmschaffenden. Sie könnten intellektuell zu selbstsicher sein, daher arbeiten sie viel und gerne mit Autoren, die formbar sind und denen sie ihre eigene Vorstellung von Authentizität über schwarze Lebensrealitäten aufzwingen können oder die ihre Vorstellungen weniger infrage stellen. Es gibt markante Stimmen, die gehört werden, wie die Macher von «Nickel Boys» oder Figuren wie Ava DuVernay, doch es sind wirklich nur wenige.

Wie ist Ihre Karriere nach «Daughters of the Dust» weitergegangen?

Ich habe sehr viele Projekte für Onlineplattformen gemacht, ich realisiere Musikvideos, Werbefilme und Filme für Museen. Ich war aber nie mehr in der Lage, einen weiteren Kinofilm finanziert zu bekommen. Man könnte sagen, dass mein Abschluss in eine Wüste gemündet hat. Einige schöne Erfahrungen hatte ich allerdings in der Zusammenarbeit mit Ava DuVernay und der Serie «Queen Sugar», es war eine kameradschaftliche Stimmung mit einem Team von mehrheitlichen Frauen. Ich konzentriere mich mehr auf meine Lehrtätigkeit, wie am Spelman College in Atlanta (Privatschule für Frauen mit Fokus auf schwarze Frauen, An.d.R.).

Auf die Frage, wie es wohl in der aktuellen politischen Atmosphäre in den USA um die Sichtbarkeit von Schwarzen in den Künsten und im Film aussieht und wie sich die Lage entwickeln wird, antwortet Dash mit einem trockenen Schulterzucken.

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