Das Ende unserer Filme und Serien?
Salome Horber, Geschäftsführerin von Cinésuisse. © Solothurner Filmtage

Das Ende unserer Filme und Serien?

Adrien Kuenzy 26. Januar 2026

An den Solothurner Filmtagen machen die regionalen Filmverbände des Schweizer Kinos auf etwas aufmerksam, was die Initiative «200 Franken sind genug» verschweigt: ein fragiles Produktionsumfeld, das weitgehend von der Finanzierung durch die SRG abhängig ist.

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Im Rahmen des Film Regio-Brunchs an den Solothurner Filmfestspielen trafen sich die regionalen Filmverbände der Schweiz, um über die Auswirkungen der Initiative «200 Franken sind genug» oder «Halbierungsnitiative» auf das audiovisuelle Schaffen zu diskutieren. Diskutiert wurde in Anwesenheit von Salome Horber, Geschäftsführerin von Cinésuisse, Jürg Ruchti, Direktor der Schweizerischen Autorengesellschaft (SSA), und Teresa Vena, Co-Chefredaktorin des Cinébulletin.

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Jürg Ruchti, Salome Horber, Teresa Vena. © Solothurner Filmtage
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© Solothurner Filmtage
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Teresa Vena. © Solothurner Filmtage

Um den Kontext zu verdeutlichen, ging Teresa Vena auf die Entstehung der im August 2023 lancierten Initiative ein, die eine Halbierung der Medienabgabe zum Ziel hat. Um die Auswirkungen abzufedern, hat der Bundesrat beschlossen, den Betrag bis 2029 schrittweise von 335 auf 300 Franken zu senken. Diese Entscheidung führt bereits zu einer Kürzung des SRG-Budgets um 270 Millionen Franken, was etwa 17 Prozent entspricht, und zu einer umfassenden Umstrukturierung.

«Es geht um die Streichung von etwa 900 Stellen», erklärte Vena. «Und diese Kürzungen sind im audiovisuellen Bereich bereits spürbar, insbesondere bei der Berichterstattung über Kino und Filme.»

Eine weitere Senkung auf 200 Franken hätte noch schwerwiegendere Folgen. Bis zu einem Drittel der Arbeitsplätze (von etwa 5000 Stellen) könnten dann gefährdet sein. «Im audiovisuellen Bereich würde kein Glied der Kette verschont bleiben», betonte sie. Die SRG bleibt zudem eine der Säulen des Schweizer Films: Im Rahmen des Pacte de l'audiovisuel investiert die SRG bis zu 50 Millionen Franken, eine Verpflichtung, die bis 2027 garantiert ist. Die SRG ist weit über die Produktion der Filme hinaus tätig und engagiert sich von der Produktion bis zur Promotion der Werke, ein Zyklus, der eng von den finanziellen Mitteln der SRG abhängt.

«Der Schweizer Film kann nicht auf dieses Geld verzichten.»

Auf die Frage, ob das Schweizer Kino ohne diese Mittel auskommen könne, antwortet Salome Horber kategorisch: «Nein. Und schon gar nicht für Schweizer Serien.» Auch wenn internationale Plattformen nun verpflichtet sind, in der Schweiz zu investieren, «produzieren sie dennoch keine Schweizer Inhalte für das Schweizer Publikum. Sie sind an grösseren Märkten wie etwa dem deutschsprachigen Raum interessiert». «Ohne die Finanzierung durch die SRG würden viele Projekte schlichtweg nicht zustande kommen.»

Jürg Ruchti betonte die weitreichenden Auswirkungen: «Alle Berufsgruppen wären betroffen: Techniker und Technikerinnen, Mitarbeitende der SRG, aber auch Autoren und Autorinnen.» Er untermauerte seine Aussage mit Zahlen: «Die SRG investiert fast 35 Millionen Franken in unabhängige Produktionen. Darüber hinaus vergibt sie Aufträge im Wert von 40 Millionen an den unabhängigen audiovisuellen Sektor. Und jedes Jahr werden rund 2,5 Millionen an Ausstrahlungsrechten an Schweizer Drehbuchautoren und Regisseure gezahlt. Für die Branche sind diese Beträge notwendig.»

“Ohne die Finanzierung durch die SRG würden viele Projekte schlichtweg nicht zustande kommen.”
Salome Horber, Geschäftsführerin von Cinésuisse

Deutliche regionale Auswirkung

Auch die regionale Dimension spielte in den Diskussionen eine zentrale Rolle. Laut Horber würde eine Gebühr von 200 Franken die regionale Verankerung der SRG schwächen. «Es bestünde die Gefahr, dass die Mittel entsprechend der wirtschaftlichen Bedeutung der Haushalte umverteilt würden, was die Deutschschweiz begünstigen würde», erklärte sie. «Die anderen Sprachregionen hätten das Nachsehen. Die SRG müsste zudem wohl eher auf ausländische Inhalte zurückgreifen, da der Einkauf derselben günstiger ist als die Herstellung von Schweizer Inhalten.»

Stellungnahme von Jean-Stéphane Bron

Der Regisseur und Produzent Jean-Stéphane Bron, Mitglied von Aropa, äusserte sich in Solothurn im Rahmen einer weiteren Pressekonferenz mit den Dachverbänden der Kultur, die sich einstimmig gegen die Initiative aussprechen. «In der Schweiz haben wir gemeinsam beschlossen, dass Karotten, Milch, Züge und Universitäten subventioniert werden müssen. Warum? Weil der Markt allein ihr Überleben nicht sichern kann. Das Gleiche gilt für Kino und Fernsehen. Wir sind ein zu kleiner Markt, als dass Kino und Fernsehen ohne staatliche Unterstützung überleben könnten. Wenn die Welt aus den Fugen gerät, braucht ein Land starke, freie Medien und unabhängige Berichterstattung. Anstatt seinen Abbau und Tod zu planen, sollten wir unseren Service public wie einen nationalen Schatz hüten.

Ich bin überzeugt, dass die Schweizer und Schweizerinnen ihrem Fernsehen emotional und sentimental verbunden sind. Eine Halbierung des Budgets ist keine Reform, sondern schlicht und einfach ein Abbau und langfristig ein programmiertes Verschwinden. Wollen wir das wirklich?

Die SRG ist eine systemrelevante Infrastruktur, wie Strassen oder Strom, wie die Armee, wie Spitäler. Wir alle tragen solidarisch zu diesen Infrastrukturen bei, weil wir sie alle brauchen. Genauso wenig wie wir kein «Krankenhaus à la carte» wollen, in dem sich nur die Reichen alle Leistungen leisten können, wollen wir auch kein «Fernsehen à la carte». Die SRG zu schwächen bedeutet, unser Land zu schwächen. Die SRG darf nicht abgebaut werden, weil sie «kostet». Sie muss geschützt werden, weil sie das Land zusammenhält, vor allem wenn die Welt aus den Fugen gerät.

Angesichts des Arguments, die Gebühren seien zu hoch, verwies Ruchti auf eine Besonderheit der Schweiz: «Mit weniger lässt sich nicht dasselbe erreichen. Die SRG produziert in vier Sprachen, und das in einem kleinen Land.» Salome Horber fügte hinzu, dass es um mehr als nur um die Kosten gehe: «Die Inhalte werden weiterhin konsumiert werden, aber über private Anbieter. Das Budget der Haushalte wird nicht sinken, sondern lediglich umgeschichtet werden.»

Teresa Vena erinnerte schliesslich an den besonderen Auftrag des Service public: «Aufgrund ihres Charakters und ihrer Verpflichtungen garantiert die SRG allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu audiovisuellen Inhalten. Genau diese Funktion wird heute in Frage gestellt.»

Im weiteren Sinne wies sie auf die anhaltende Schwierigkeit hin, den Wert der Kultur in der öffentlichen Debatte anzuerkennen. «Manchmal hört man, dass es keine Schweizer Kultur gibt, was natürlich falsch ist. Erzählungen, Praktiken und Lebensweisen bilden eine Kultur. Und wenn diese Inhalte verschwinden, werden andere an ihre Stelle treten.»

Mobilisierung und Kampagne

Das Treffen endete mit einem Ausblick auf die Mobilisierungsmöglichkeiten. Horber rief dazu auf, die Kampagne über Kulturkreise hinaus auszuweiten: «Wir müssen überall darüber sprechen: auf Podien, in sozialen Netzwerken, in den Regionen.» Eine spezifische Kampagne für den Filmsektor ist bereits im Gange, insbesondere über die Plattform unsere-kultur-retten.ch.

Für Ruchti werden die nächsten Wochen entscheidend sein: «Es ist eine entscheidende Phase. Die Kampagne muss aus den üblichen Kreisen herauskommen. Wir alle müssen zu Akteuren werden.» Mehrere regionale Veranstaltungen sind angekündigt, insbesondere im Wallis und in der Westschweiz, um die Mobilisierung bis zur Abstimmung am 8. März aufrechtzuerhalten.

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