Herzensprojekte
«William Tell» feiert seine Europapremiere am ZFF. © Crossbow Films Limited

Herzensprojekte

Teresa Vena 26. September 2024

«William Tell» von Nick Hamm feiert am Zurich Film Festival seine Europapremiere. Es handelt sich dabei um die zweite grosse Filmproduktion, die die Schweizer Unternehmerin Marie-Christine Jaeger-Firmenich finanziell unterstützt.

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Es sei die Eigenschaft, positive Botschaften zu vermitteln, die sie am Medium Film besonders schätze. Marie-Christine Jaeger-Firmenich ist Chemikerin, sie stammt aus der Besitzerfamilie eines grossen Schweizer Unternehmens: Firmenich, 1895 gegründet, produziert Aromen und Duftstoffe für international führende Lebensmittel- und Kosmetikhersteller.

Die gebürtige Genferin hat ihren Lebensmittelpunkt seit Jahren in der kleinen Schwyzer Gemeinde Schindellegi. Es wirkt allerdings nicht so, als habe sie sich in den Ruhestand zurückgezogen, wenn man der enthusiastischen Frau zuhört. Die Beteiligung an zwei grossen Filmprojekten in den letzten zehn Jahren brachte auf jeden Fall viel Aufregung mit sich. Neben ihrem verpflichtungsreichen Arbeitsalltag widmet sich Jaeger-Firmenich unter anderem auch philanthropischen Zwecken. Sie engagiert sich für Stiftungen, die Menschen mit körperlichen Behinderungen unterstützen und dabei auf die Hilfe von speziell dafür trainierten Tieren setzen. So kam es zur Verbindung mit «Helping Hands: Monkey Helpers for Disabled» aus Boston, wo sie auch vom Schicksal einer US-amerikanischen Familie erfuhr. In einer Biographie verarbeitet die Mutter der Familie, wie sich ihr gelähmter Sohn in ein selbstbestimmtes Leben zurückkämpft - ein Kapuzineräffchen an seiner Seite.

Ein Herzensprojekt

Berührt von der emotionalen Kraft dieser Geschichte, sah Jaeger-Firmenich darin Potenzial für einen Filmstoff. 2014 machte sie sich deshalb daran, Mitstreiter für ihre Idee zu finden. Es sollte vier Jahre dauern, bis sich ein Regisseur dafür interessierte. Heute ist sie glücklich darüber, dass man ihr zuerst absagte. Der irische Regisseur Nick Hamm, der erfolgreich in Grossbritannien wie in Hollywood für Kino und Fernsehen aktiv ist, stieg 2018 ins Projekt ein. «Nick und sein Produzent Piers Tempest haben es verstanden, die Botschaft von 'Liebe und Hoffnung' umzusetzen, die mir am Herzen lag», erklärt sie. «Der Film soll Menschen Mut machen, nicht aufzugeben».

Seine Europapremiere feierte «Gigi & Nate» 2022 am Zurich Film Festival, genau wie nun «William Tell». Beim zweiten Projekt ging die Initiative von Nick Hamm selbst aus. In Jaeger-Firmenich hat er, nachdem er sich fast zwei Jahrzehnte mit dem Stoff auseinandersetzte, schliesslich die richtige Partnerin gefunden. Sie investierte in den Film mit einem mittleren zweistelligen Millionen-Budget. Anders als bei «Gigi & Nate», wo die Dreharbeiten mitten in die Corona-Pandemie fielen und Reisen in die USA sehr eingeschränkt waren, begleitete Jaeger-Firmenich bei «William Tell» als ausführende Produzentin alle Entstehungsetappen.

Bei aller Faszination bleibt das Risiko

«Ich war jede Woche ungefähr drei Tage am Set», erzählt sie begeistert. Gedreht wurde in Italien, vor allem in Südtirol, wo verschiedene Schlösser als Kulisse dienten. In Rom, in den Cinecittà-Studios, wurde Altdorf nachgebaut. Das war eine finanzielle Entscheidung, denn in Italien konnte man von einer Steuerrückerstattung von 40 Prozent profitieren. «Es wundert mich nicht, dass es eine Warteliste gibt, um in Italien drehen zu dürfen», betont Jaeger-Firmenich. Was ist an dem Projekt, das einen Schweizer Mythos zum Zentrum hat, neben der Investorin selbst noch schweizerisch? Jaeger-Firmenich konnte ihre eigene Kenntnis der Schweiz einbringen, ihre Hinweise flossen ins Drehbuch ein und waren auch für die Besetzung der Hauptrolle entscheidend: «Tell war ein stattlicher Mann».

Die Filmwelt fasziniere sie, doch sie hat nicht die Absicht sich ihr dauerhaft zu widmen. Auf die Frage, ob sie sich bereits einem neuen Filmprojekt zuwende, wehrte Jaeger-Firmenich eher ab: «Es braucht extrem viel Kraft». Sie sei beeindruckt von der harten Arbeit von Filmschaffenden. Sie war auch überrascht, als sie bei «Gigi & Nate» erfuhr, dass bis zu 400 Menschen in das Projekt involviert waren.

Jaeger-Firmenich sieht sich nicht als Mäzenin. Im Filmgeschäft gehe es um sehr viel Geld, deswegen müssten Investitionen «gut überlegt» sein. Die Erfolgschancen seien spekulativ, «fast wie im Casino». Zudem folge die Filmindustrie für sie ungewohnten Praxen, wenn es um flexible Budgetierungen gehe oder Verwertungsmodelle, bei denen Tantiemen über einen Zeitraum von bis zu zwanzig Jahren berechnet würden. Bei «Gigi & Nate» war die Auswertung durch Corona eingeschränkt, bei «William Tell» läuft sie erst an. Sie ist gespannt, wie sich der Film auf dem Markt behaupten wird. Erstmal hofft sie natürlich, dass er möglichst viele Zuschauer erreicht.

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