Gemäss The Five Nordics, dem Zusammenschluss der Filminstitute von Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden, kamen 2025 21 nordische Koproduktionen in die Kinos. Die Länder arbeiten schon seit längerem zusammen, doch 2024 haben die Institute ihre Zusammenarbeit neu definiert und The Five Nordics als Nachfolger von Scandinavian Films gegründet. «Wir haben die Kooperation ausgeweitet, da die fünf Länder viele gemeinsame Herausforderungen haben», erklärt Kjersti Mo, Direktorin des Norwegian Film Institute. Sie beschreibt den Wandel als Übergang von einer hauptsächlich auf internationale Promotion ausgerichteten Struktur zu einer «breiteren strategischen Zusammenarbeit».
Gemäss den Zahlen des Nordisk Film & TV Fond verzeichneten die fünf Länder 2025 gemeinsam rund 35,6 Millionen Eintritte. The Five Nordics ihrerseits zählten über 100 Spielfilm-Kinostarts und gegen 144 Millionen Euro öffentliche Förderungen für Entwicklung und Produktion. Hinter diesem Gesamtbild gibt es jedoch grosse Unterschiede: Der Anteil nationaler Produktionen betrug in Dänemark 37, in Finnland 32 und in Norwegen 31 Prozent; in Schweden hingegen 12 Prozent und in Island 5,8.
Es geht nicht darum, eine einzige filmische Identität zu schaffen. Mo unterstreicht die Diversität der nationalen «Stimmen, Stärken und Traditionen». Viele Filme seien «in der Praxis» bereits nordische Filme, durch Koproduktionen, künstlerische Zusammenarbeit und gemeinsame Talente. Die Kooperation schadet der nationalen Verankerung also nicht.
Filme auf die Reise schicken
Für Mo liegt das gemeinsame Interesse in erster Linie nach der Produktion. Auf die Frage nach dem grössten Nutzen für die fünf Länder erwähnt sie «internationalen Vertrieb und Publikumszugang». Nordische Filme hätten einen guten künstlerischen Ruf und seien an den grossen Festivals vertreten, so Mo weiter, doch diese Anerkennung führe nicht immer zu einem breiteren und dauerhaften Vertrieb.
Die regionale Verbreitung stützt sich bereits auf ein altbewährtes Instrument. Der 1990 gegründete Nordisk Film & TV Fond fördert insbesondere den Vertrieb zwischen den nordischen Ländern. 2025 erhielt er eine Rekordanzahl von 66 Anträgen auf Vertriebsförderung für 42 Filme von über 30 Vertrieben. So wurde beispielsweise «The Last Viking» von Anders Thomas Jensen aus Dänemark in den vier anderen nordischen Märkte vertrieben. The Five Nordics ist auf anderer Ebene tätig. «Wir möchten nicht alles zentralisieren», betont Mo. Die Zusammenarbeit konzentriert sich vor allem auf Publikumskenntnis, Nachhaltigkeit, Marktzugang, internationale Positionierung oder neue Finanzierungsmöglichkeiten.
Gemeinsame Werkzeuge
Der «Nordic Ecological Standard» ist ein konkretes Beispiel. Er wurde von den fünf Filminstituten zusammen mit dem Nordisk Film & TV Fond, regionalen Fonds, Vertrieben und Berufsverbänden entwickelt und legt einen gemeinsamen Rahmen für sechs Bereiche fest, darunter Transport, Energie, Unterkunft, Gastronomie und Materialeinsatz. Das Norwegian Film Institute wendet den Standard als erstes seit 1. Januar 2026 an. Seither müssen alle Produktionen, die Förderungen beantragen, unter anderem einen Nachhaltigkeitskoordinator oder eine -koordinatorin ernennen, ein Kohlenstoffbudget erstellen und danach Bilanz über ihre Emissionen ziehen.
Die Zusammenarbeit reicht auch über die Region hinaus. Nordic NEST, eine Initiative der deutschen MOIN Filmförderung in Partnerschaft mit der FFA und The Five Nordics, bringt Produzierende, Autoren und Autorinnen aus Deutschland und den nordischen Ländern zusammen. Der Finne Mark Lwoff entwickelte dort die Serie «Deeper» mit der deutschen Koproduzentin Frauke Kolbmüller, die er im Rahmen des Programms kennengelernt hatte. Ihr Projekt ist unter den drei Preisträgern der ersten Ausgabe, die im Mai am Festival von Cannes bekanntgegeben wurden. Für Lwoff fungiert Nordic NEST auf dem Markt als «Qualitätssiegel». Auch das nordische Label ist für ihn ein Pluspunkt, vorausgesetzt die Region produziert weiterhin hochwertige Filme und Serien, die auch international ihr Publikum finden.
Dank klaren Finanzierungsregeln, gegenseitigem Vertrauen und Zuverlässigkeit in Bezug auf Abmachungen hält er nordische Koproduktionen für relativ einfach. Auf die Frage, ob die fünf Länder zu einem einzigen Ökosystem verschmelzen, antwortet Lwoff ohne Umschweife: «Nein, zum Glück sind wir immer noch verschieden!»