Bangladeschs Filmindustrie am Scheideweg
Der Politthriller «Master»von Rezwan Shahriar Sumir hat in Rotterdam einen der Hauptpreise gewonnen. @ My Pixel Story

Bangladeschs Filmindustrie am Scheideweg

Bidhan Rebeiro, Chefredaktor Cut to Cinema, Dhaka 3. April 2026

Gemessen an der schwachen finanziellen Ausstattung und der kaum vorhandenen öffentlichen Förderung ist die wachsende internationale Aufmerksamkeit für Spielfilme aus Bangladesch bemerkenswert.

copy linkshare facebookshare linkedinshare instagram

Bangladesch verfügt im Vergleich zu Hollywood oder Bollywood über eine kleine Filmindustrie. Sie konzentriert sich auf die Hauptstadt Dhaka (daher die Bezeichnung «Dhallywood») und umfasst schätzungsweise 5000 Personen, von denen rund 2000 aktiv tätig sind. Zwischen 2021 und 2025 erschienen durchschnittlich 47 abendfüllende Spielfilme pro Jahr. Während kommerzielle Produktionen vor allem das Kinopublikum anziehen, zirkulieren unabhängige und künstlerisch orientierte Filme hauptsächlich auf Festivals.

Bangladesch verfügt nicht über ein transparentes Kassensystem wie die Industrieländer, Umsatzzahlen basieren meist auf Angaben aus der Branche und wenigen Internetquellen. Unter den 46 Filmen, die 2025 erschienen, zählen im kommerziellen Bereich die Action-Thriller «Borbaad», «Daagi» und «Jongli» zu den umsatzstärksten Filmen. «Borbaad» ist mit einem Budget von etwa 16,5 Crore Taka der bisher teuerste bangladeschische Film überhaupt. Nach aktuellem Wechselkurs, der eine um das fünf- bis zehnfache tiefere Kaufkraft vernachlässigt, sind das etwa 1 Million Franken. Eingenommen hat der Film 4,7 Millionen Franken. «Daagi» kostete etwa 220'000 und nahm 1 Million Franken ein, und «Jongli» kostete 120'000 und nahm 650'000 Franken ein.

Das Jahr 2024 erwies sich hingegen als schwierig. Massive Unruhen im Juli und August führten zur vorübergehenden Schliessung von Kinos, und die politische Instabilität belastete den Markt das ganze Jahr. Nach den nationalen Wahlen von 2026 besteht vorsichtiger Optimismus, dass sich die Geschäftsbedingungen für die Filmbranche im weiteren Jahresverlauf verbessern.

Zwischen Kommerz und Kunst

Über die Trennung zwischen kommerziellem Kino und Kunstfilm hinaus lässt sich eine dritte Kategorie unterscheiden, häufig als «Mittleres Kino» («Middle Cinema») bezeichnet. Diese Filme verbinden kommerzielle Attraktivität mit künstlerischer Sensibilität. Das erfolgreichste Beispiel der letzten fünf Jahre ist «Hawa» (2022) von Mejbaur Rahman Sumon. Der Film kostete rund 3,6 Crore Taka (etwa 230'000 Franken) und spielte im Inland etwa 14 Crore Taka (etwa 880'000 Franken) und im Ausland über 2 Crore (etwa 126'000 Franken) ein. Die Stärke des «mittleren Kinos» liegt in seiner Ausgewogenheit: Es spricht ein breites Publikum an, ohne Zuschauer zu enttäuschen, die Wert auf sorgfältig erzählte Geschichten legen.

Was die weltweit führenden Festivals betrifft, steht das «mittlere Kino» aus Bangladesch vor erheblichen Herausforderungen. Dort dominieren hochbudgetierte Produktionen aus Hollywood und Europa, während Bangladesch weder Filme dieser Grössenordnung noch Produktionen mit internationalen Stars hervorbringt. Das Ministerium für Information und Rundfunk stellt nur begrenzte Fördermittel bereit – zwischen 0,1 und 0,6 Crore Taka (etwa 6'300 bis 38'000 Franken). Eine systematische Finanzierung durch Rundfunkanstalten, wie sie in vielen europäischen Ländern üblich ist, fehlt.

Entsprechend gelingt vor allem Kunstfilmen der Zugang zu den grossen Festivals. 2021 wurde «Rehana Maryam Noor» für die Sektion «Un Certain Regard» in Cannes ausgewählt, 2025 erhielt der Kurzfilm «Ali» dort eine besondere Erwähnung. Vergleichbare Durchbrüche bei der Berlinale oder in Venedig blieben bislang aus.

Erste internationale Erfolge

Dennoch machen Filme aus Bangladesch auch jenseits der A-Festivals stetige Fortschritte. Beim internationalen Filmfestival in Rotterdam wurden 2026 gleich drei bangladeschische Produktionen gezeigt; «Master» von Rezwan Shahriar Sumit gewann sogar einen der Hauptpreise.

Im Inland bildet das internationale Filmfestival in Dhaka seit 24 Jahren eine wichtige Plattform für das einheimische Filmschaffen: Es ermöglicht den internationalen Austausch und setzt künstlerische Impulse für Publikum und Filmschaffende. Das Publikum schätzt zwar eine Starbesetzung, lehnt jedoch Filme ohne überzeugende Handlung ab. Selbst ein Film mit Shakib Khan in der Hauptrolle hat es schwer, wenn die Erzählung schwach ist.

Lange Zeit wurde der Drehbuchentwicklung in der lokalen Industrie wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Inzwischen investieren Filmschaffende und Produzenten mehr in die Vorproduktion, verfeinern Stoffe und konzentrieren sich auf die Erzählstruktur - mit vielversprechenden Ergebnissen.

Ein Teil der Produktion richtet sich gezielt an das heimische Publikum, ein anderer an ein internationales. Nun, da sich dem bangladeschischen Kino beide Wege öffnen, bleibt die Frage, wie viel sich finanziell wie künstlerisch erreichen lässt. Die Antwort hängt wesentlich von langfristiger nationaler Planung und einem nachhaltigen Engagement für das Wachstum der Branche ab.

Slider image 0
«Master», Rezwan Shahriar Sumir
Slider image 1
«Master», Rezwan Shahriar Sumir
Slider image 2
«Master», Rezwan Shahriar Sumir

Lesen Sie auch