Er lief auf der Piazza Grande: «The Seed of the Sacred Fig» (dt. «Der Samen des heiligen Feigenbaums») ist das neue Werk des iranischen Regisseurs, der in seiner Heimat eigentlich eine mehrjährige Haftstrafe absitzen sollte. Weil nach den jüngsten Revolten die «Gefängnisse überfüllt seien», erklärt Rasoulof im persönlichen Gespräch, sei er genauso wie Jafar Panahi, ein weiterer der grossen Stimmen des zeitgenössischen iranischen Films, dennoch frühzeitig entlassen worden.
Mohammad Rasoulof hat sich dafür entschieden, das Land zu verlassen. Auch ohne Pass gelang ihm dies. Er liess sich vorläufig Deutschland nieder, weil er einst schon hier lebte und man ihn nun wieder aufgenommen hat. Sein Film, der nach der Weltpremiere in Cannes, auf der Piazza Grande präsentiert wurde, ist unbequem, belastend.
Darin geht es um die Revolten selbst. Diese stellt der Regisseur mit Originalarchivmaterial dar, während er zudem eine fiktive Rahmenhandlung um eine vierköpfige Familie inszeniert. Während des Festivals in Locarno hat man sich um Rasoulof gerissen. Wir sprachen ebenfalls kurz mit ihm.
Welche Bedeutung messen Sie der Verwendung der Originalaufnahmen in Ihrem Film bei?
Sie sind ein Beispiel für die enormen Veränderungen, die die sozialen Medien für die Gesellschaft mit sich brachten. Selbst wenn ich dazu in der Lage gewesen wäre, diese Bilder zu rekonstruieren, wenn es überhaupt vorstellbar gewesen wäre, die Drehgenehmigung dafür zu bekommen, wie wäre es jemals möglich gewesen, die Kraft, die rohe Wahrheit, die Stärke und die Glaubwürdigkeit dieser Videos wiederzugeben? Ich dachte zudem, es wäre richtiger und würde besser funktionieren, die bekannten Videos auszuwählen. So würden sie das Gefühl wiedererkennen, als sie sie zum ersten Mal sahen.
Für «The Seed of the Sacred Fig» haben Sie sich entschieden, die Mitarbeiter und Schauspielenden zu benennen, die an der Entstehung des Films beteiligt waren. Was geschieht mit ihnen aufgrund dieser Beteiligung?
Sie befinden sich im Iran unter enormem Druck. Sie dürfen das Land nicht verlassen, ihre Pässe werden beschlagnahmt, sie dürfen nicht arbeiten. Es ist eine Form der systematischen Folter, die das Regime anwendet, um die Künstler und Künstlerinnen zu kontrollieren und sicherzustellen, dass sie ihr tägliches Leben nicht weiterführen können. Sie sind Opfer einer langsamen Form der Folter.
Trigon Film bringt «The Seed of the Sacred Film» ab dem 14. November 2024 in die Schweizer Kinos.