Im Rahmen eines Podiumsgesprächs des CNC (Centre national du cinéma et de l’image animé) ging es um den Wert der internationalen Koproduktion. Mit dem Fond «Aide aux cinémas du monde» (ACM), der vom CNC gemeinsam mit dem Institut français verwaltet wird, wurde 2012 der Grundstein für Koproduktionen zwischen Frankreich und Drittländern gelegt. Dabei lag der Schwerpunkt auf Partnerländern, die selbst über eine institutionell schwach ausgebaute Filmförderung hatten und noch haben. Bevor es um den Austausch zwischen internationalen Produzenten und Filmschaffenden ging, die Erfahrung mit vom ACM geförderten Projekten gemacht haben, fand eine Einführung zum Fonds selbst statt.
Diese gab Michel Plazanet, der stellvertretende Direktor des CNC. Er erinnerte das Publikum an die wichtigsten Elemente der Funktionsweise des ACM und führte in die neuesten Anpassungen des Förderverfahrens. Die drei Hauptziele des ACM sind die «Förderung der Vielfalt des Weltkinos», die «Förderung von Koproduktionen mit Frankreich» und die «Förderung des Nachwuchses». Andere europäische Filmfonds arbeiten nach ähnlichen Konzepten, so wie der Hubert Bals Fund (Niederlande), der World Cinema Fund (Deutschland) oder Visions Sud Est (Schweiz). Der französische ACM ist derjenige unter ihnen, der über das grösste Förderbudget verfügt, erinnert Plazanet. Und dieses Budget ist für 2024 auf 6 Millionen Euro aufgestockt worden. Der Betrag, den ein einzelnes Projekt in Anspruch nehmen kann, wurde ebenfalls erhöht, und zwar auf 500’000 Euro für die Herstellung und auf bis zu 70’000 Euro für die Postproduktion. Während der zwölf Jahre seines Bestehens wurden mehr als 4’500 Projekte eingereicht und insgesamt 634 Projekte gefördert. Daraus entstanden Koproduktionen mit insgesamt 111 Ländern.
Dieses besonders breite Portfolio ist sicherlich eines der Merkmale, das das ACM beibehalten will. Was aber die Kategorien der geförderten Projekte betrifft, so sollen in Zukunft verstärkt auch andere Formate als der klassische Spielfilm produziert werden. Von den 634 geförderten Projekten waren nämlich nur 78 Dokumentarfilme und neun Animationsfilme. Gerade den Animationsfilmbereich möchte das ACM stärker ausbauen. Vorerst sind nur abendfüllende Filme förderfähig, allerdings aller Genres. Ein weiterer Fokus liegt in den kommenden Jahren darauf, die positive Tendenz beim Anteil der geförderten Filmemacherinnen beizubehalten. Dieser lag 2023 bei 41 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Bestehen der ACM-Förderung.
Neben der Erhöhung des Gesamtbudgets gibt es eine weitere technische Neuerung. Die finanzielle Unterstützung einer Koproduktion ist an die Verpflichtung geknüpft, dass ein Mindestanteil der Fördermittel in Frankreich ausgegeben werden. Dies kann sich auf verschiedene Phasen des Projekts beziehen, wie die Herstellung oder Postproduktion. Sie kann sich auch auf Kosten beziehen, die französische Techniker oder Talente betreffen, sowie auf Einrichtungen, die in die Produktion des Projekts einbezogen sind. Der Prozentsatz der Subventionen, der in Frankreich ausgegeben werden muss, beträgt mindestens 60 Prozent. Gesuche können für eine Förderung der Herstellungs- oder Postproduktionskosten gestellt werden. Dasselbe Projekt kann jedoch nicht für beide Phasen eine finanzielle Unterstützung erhalten. Und die Finanzierung der Postproduktion wird nur für Projekte gewährt, die bereits einen Antrag für die Herstellungsphase gestellt hatten, aber zu diesem Zeitpunkt nicht berücksichtigt werden konnten. Das bedeutet also, dass eine Bewerbung für eine Förderung der Postproduktion alleine nicht möglich ist.
Was die Förderungswürdigkeit der Projekte angeht, so bekräftigt das ACM seine bisherigen Kriterien. Projekte, die in Koproduktion mit Frankreich und einem beliebigen anderen Land entstehen, sind förderfähig. Französische Regisseure können ebenfalls Gesuche einreichen, wenn ihre Projekte in einer anderen Sprache als Französisch gedreht wird. Ansonsten müssen die eingereichten Projekte entsprechend des Hauptanspruchs des ACM, das sich auf die Unterstützung von Koproduktionen konzentriert, mindestens einen französischen Produzenten und einen Regisseur aus einem Drittland aufweisen. In allen Fällen erhält der französische Produzent die zugewiesene finanzielle Unterstützung. Die gesprochene Sprache des Films muss entweder die Sprache des Heimatlandes des Regisseurs oder die des Landes sein, in dem die Geschichte spielt. Dies wird als wichtige Massnahme angesehen, um zu verhindern, dass Projekte nur aus kommerziellen Gründen realisiert werden, und um die kulturelle Vielfalt des Kinos zu gewährleisten.
Abschliessend wies Plazanet auf die Struktur der Projektauswahl hin. Es wurden neu drei Auswahljurys gebildet. Eine ist nur für Projekte von Nachwuchsfilmschaffenden zuständig, die sich mit ihrem ersten oder zweiten Film bewerben. Die zweite Jury beurteilt die Projekte erfahrener Filmschaffender und die dritte konzentriert sich auf alle Gesuchte, die sich für die Postproduktion bewerben. Die Tatsache, dass dem Nachwuchs eine eigene Auswahlkommission gewidmet ist, sagt Plazanet, ist dem ACM sehr wichtig, weil es erlaubt, dieser Kategorie die Hälfte des verfügbaren Förderbudgets zusprechen zu können.