Sechs Vorschläge zur Stärkung des regionalen Verstärkungseffekts
Stéphane Morey, Geschäftsführer von Cinéforom. © DR

Sechs Vorschläge zur Stärkung des regionalen Verstärkungseffekts

Adrien Kuenzy 26. April 2026

Beim Treffen von Cinéforom mit der Branche im Rahmen von Visions du Réel erläuterte der Generalsekretär der Westschweizer Stiftung, Stéphane Morey, Vorschläge, die eine Umverteilung von Ressourcen mit strukturellen Anpassungen verbinden. Ziel ist es, einen als rückläufig eingeschätzten Hebeleffekt wiederherzustellen.

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Die Überlegungen sind nicht neu. Bereits in Nyon, bei der Ausgabe 2025 von Visions du Réel, skizzierte Stéphane Morey, Generalsekretär von Cinéforom, die Feststellung eines wachsenden Ungleichgewichts in der Finanzierung des Westschweizer Kinos. Eine Analyse, die er in unserem im Juli 2025 erschienenen Gespräch (Siehe CB 552) weiter ausführte. Im Zentrum dieser Reflexion steht der Begriff des «regionalen Verstärkungseffekts», also die Fähigkeit von Cinéforom, Finanzierungen zu stärken, die bei anderen Partnern – insbesondere beim BAK und bei der SRG SSR – eingeworben wurden. Eine historische Rolle, die die Stiftung heute als geschwächt betrachtet, in einem Kontext, der durch die zunehmende Kluft zur Deutschschweiz und einen wachsenden Druck auf die verfügbaren Mittel geprägt ist.

Ein Jahr später, erneut in Nyon, wurden diese Feststellungen beim jährlichen Branchentreffen von Cinéforom in konkrete Vorschläge übersetzt. Sechs Massnahmen wurden vorgestellt und bis Oktober bei Berufsverbänden und öffentlichen Körperschaften in die Vernehmlassung geschickt, bevor sie gegebenenfalls 2027 in Kraft treten könnten.

Der erste und strukturell bedeutendste Vorschlag zielt darauf ab, eine Form der Gegenseitigkeit zwischen den Regionen wiederherzustellen. Cinéforom stellt fest, dass gewisse – häufig in Zürich ansässige – Produktionsfirmen unter flexibleren Bedingungen Zugang zu Westschweizer Fördergeldern erhalten als Westschweizer Produzentinnen und Produzenten in anderen Teilen der Schweiz. «Entgegen der weitverbreiteten Annahme herrscht keine Gleichheit, keine echte Gegenseitigkeit. Bei Cinéforom haben wir festgestellt, dass wir etwas offener und grosszügiger sind», so Morey. Die Idee besteht daher darin, die ergänzende Herstellungsförderung auf in der Westschweiz ansässige Unternehmen zu beschränken, um die Mittel stärker auf das lokale System zu konzentrieren.

Die Stiftung möchte zudem ihre Unterstützung für Kurzfilme neu austarieren, die derzeit sowohl hinsichtlich der Beträge als auch der Anzahl geförderter Projekte als besonders grosszügig gilt. «Wir finanzieren mehr Kurzfilme als die anderen: Jedes Jahr gibt es etwa ein Dutzend Filme, die ausschliesslich von uns unterstützt werden», beobachtet Stéphane Morey. «Wir sind nicht dabei, die Beträge zu plafonieren, sondern vielmehr die Anzahl der Filme, die wir unterstützen», präzisiert er. Ziel ist es also weniger, die gewährten Summen zu senken, als vielmehr die Mittel auf eine kleinere Zahl von Projekten zu konzentrieren, damit diese unter besseren Bedingungen produziert werden können.

Ein weiterer Ansatz betrifft die Abschaffung der Kategorie Multimedia, die im Fördersystem inzwischen als marginal betrachtet wird. «Unsere Feststellung ist, dass diese Kategorie wenig nachgefragt und wenig genutzt wird», erklärt der Generalsekretär und spricht von einem «Opfer», das durch das Vorhandensein anderer Finanzierungsquellen – insbesondere seitens der SRG SSR – möglich werde. Gleichzeitig möchte Cinéforom den Rahmen der selektiven Förderung klarer definieren. «Wir müssen die Grenze zwischen Kino, Fernsehen und Multimedia neu diskutieren und modellieren», so Morey.

Aus Effizienzgründen erwägt die Stiftung zudem, die Möglichkeit abzuschaffen, ein einstimmig abgelehntes Projekt erneut einzureichen. «Wir haben Projekte, die einmal, zweimal, dreimal ein 7:0 erhalten. Diese Zeit- und Energieverschwendung können wir uns alle ersparen», betont er und verweist auf den Aufwand sowohl für die Projektträger als auch für die Kommissionen. Schliesslich möchte Cinéforom die Drehbuchförderung strenger regeln, insbesondere durch die Forderung nach konkreten Garantien hinsichtlich der Bezahlung der Autorinnen und Autoren. «Systematisch einen Zahlungsnachweis verlangen», präzisiert er, um sicherzustellen, dass diese Förderungen tatsächlich der Schreibarbeit zugutekommen und nicht von anderen Finanzierungsschritten abhängig gemacht werden.

Diese Vorschläge haben jedoch innerhalb der Branche auch kritische Reaktionen ausgelöst und die Spannungen offengelegt, die sie hervorrufen. Mehrere Wortmeldungen warnten insbesondere vor den möglichen Folgen einer strikt angewandten Gegenseitigkeitslogik in einem ohnehin fragilen interregionalen System. «Man muss aufpassen, dass wir nicht auch von der anderen Seite bestraft werden», bemerkte ein Teilnehmer. Andere äußerten ihre Sorge über eine mögliche Schwächung des Kurzfilms und erinnerten an dessen zentrale Rolle im kreativen Umlauf und in der Nachwuchsförderung. «Der Kurzfilm ist sehr wichtig, darauf muss man achten», betonte eine Person im Saal und verwies auf einen Bereich, der bereits von prekären Produktionsbedingungen geprägt sei. Auch die interne Organisation von Cinéforom wurde thematisiert; ein Teilnehmer fragte nach möglichen Einsparungen innerhalb der Struktur selbst. Auf diese Frage antwortete Morey, dass die Betriebskosten nur einen begrenzten Teil des Budgets ausmachten und bereits Optimierungsbemühungen unterlägen, zugleich aber die Spielräume für Einsparungen im Verhältnis zu den notwendigen Mitteln zur Stärkung der Förderungen gering blieben.

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