Treffpunkt mit Stéphane Morey
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Treffpunkt mit Stéphane Morey

Adrien Kuenzy 25. Juli 2025

Während Cinéforom sich verstärkt für Nachwuchsförderung engagiert, zieht der Generalsekretär der Stiftung Bilanz über die jüngsten strategischen Entscheide, Budgetzwänge und die «Blick-Affäre». Ein offenes Gespräch über die Schwachpunkte und Herausforderungen des Westschweizer Films.

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Cinéforom lanciert ein neues Instrument mit dem Namen «Slate de courts-métrages pour la relève» (Bündel-Förderung von Kurzfilmen für den Nachwuchs). Was bezwecken Sie damit?

Wir wollen Nachwuchstalenten in Regie, Produktion und Technik helfen, sich beruflich weiterzuentwickeln, indem sie in einem strukturierten Rahmen an mehreren Kurzfilmen arbeiten. Das gebündelte Format verlangt mehr Vorausschau und Organisation. Es bleiben Kurzfilme, doch die Ansprüche steigen. Das ist ein Sprungbrett für junge Talente, die sich festigen wollen, bevor sie zum Langfilm übergehen.

Handelt es sich um ein dauerhaftes Förderinstrument oder um eine punktuelle Aktion?

Zurzeit ist es ein Pilotprojekt mit einem Budget von 430'000 Franken, das durch private Förderer wie Suissimage und eine Partnerschaft mit RTS ermöglicht wird. Doch wir möchten den Ansatz weiterverfolgen. Das Format könnte sich etablieren, wenn es seine Aufgabe erfüllt, dem Nachwuchs Struktur zu geben, anstatt einfach einzelne Filme zu produzieren.

Das neue Instrument ist Teil einer Strategie: Cinéforom hat die «Wiederherstellung der regionalen Hebelwirkung» zur Priorität erklärt. Worum geht es dabei genau?

Die Idee ist, dass jeder Franken, den die Produzenten und Produzentinnen vom Bundesamt für Kultur oder von der SRG erhalten, von Cinéforom aufgestockt wird, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler und internationaler Ebene zu stärken. Diese Hebelwirkung steht seit jeher im Zentrum unserer Mission, doch sie wird zusehends schwächer. Die Diskrepanz zwischen den Finanzierungskapazitäten in der Deutschschweiz und der Westschweiz wird immer grösser. Jenseits des Röstigrabens gibt es zum Beispiel Produktionsfirmen, die leicht 400'000 oder 500'000 Franken an Succès-Cinéma-Geldern investieren können. Dank diesem Eigenkapital kommen sie auch ohne internationale Koproduktion auf Budgets von bis zu 5 Millionen. In der Westschweiz ist es schon bemerkenswert, wenn 3 Millionen an Schweizer Mitteln zusammenkommen.

Dieses Ungleichgewicht schlug sich auch in der Vergabe der Fördergelder nieder, insbesondere bei nicht-Westschweizer Produktionsfirmen, weshalb kürzlich die Bedingungen verschärft wurden.

Wir haben tatsächlich Anträge mit nie dagewesenen Konstellationen erhalten, zum Beispiel von Westschweizer Filmschaffenden, die ausserhalb der Westschweiz leben, was gemäss unserem Reglement möglich ist, aber bis dahin nie genutzt wurde. Also haben wir die Zulassungskriterien verschärft. Neu können nicht-Westschweizer Firmen nur einen Antrag stellen, wenn die Regie ihren steuerrechtlichen Wohnsitz in der Westschweiz hat. Zudem haben wir als Reaktion auf diese Situation die Bedingungen in Bezug auf Ausgaben in der Region verschärft. Dank ihrer grossen Finanzkraft konnten diese Firmen bei uns die maximalen Förderbeiträge beantragen, obwohl sie nur die Minimalbedingungen erfüllten. Es geht hier um erhebliche Beträge, die den Druck auf unser Budget erhöhen und so unsere Möglichkeiten, am Jahresende Förderkonten freizugeben, einschränken. Somit benachteiligen die Förderungen für nicht-Westschweizer Gesellschaften die gesamte Westschweizer Branche, was unserer Rolle als regionale Förderinstitution zuwiderläuft. Es geht uns nicht um Ausgrenzung. Wir haben lediglich unsere Bedingungen denen angeglichen, die bei der Zürcher Filmstiftung für Westschweizer Filmschaffende gelten, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Sie haben auch beschlossen, die Förderung für digitale Projekte einzustellen. Weshalb?

Die Entscheidung fiel uns schwer. Wir haben diesen Sektor während mehrerer Jahre unterstützt und gute Ergebnisse erzielt. Doch wir müssen Prioritäten setzen. Das bedeutet nicht, dass wir solche Projekte nicht für unterstützungswürdig halten. In Genf zum Beispiel gibt es bereits andere Förderinstrumente für digitale Projekte; der Bereich hat sich anderweitig etabliert. Gewisse Stimmen fordern seit langem, dass der digitale Sektor separat gefördert wird, anstatt als Unterkategorie des Films. Indem wir uns zurückziehen, lassen wir ihm vielleicht mehr Freiheit, um sich als eigenständiger Kulturbereich zu positionieren.

Per 1. Januar wurden die Richtlöhne des SSFV angepasst und für technische Berufe im Schnitt um 6,9 Prozent erhöht. Brachte diese Entwicklung Sie dazu, Ihre Strategie anzupassen?

Ja, ganz klar. Ursprünglich wollten wir die regionale Hebelwirkung bis 2030 schrittweise wiederherstellen. Durch diese Anpassung hat sich das Ganze beschleunigt. Uns wurde bewusst, dass wir schneller handeln müssen. Deshalb haben wir rasche Umverteilungen beschlossen, und eine neue Arbeitsgruppe berät über interne Anpassungen, um mehr Handlungsspielraum zu schaffen. Konkret beabsichtigen wir, den Ansatz für die automatische Förderung anzuheben. Er beträgt derzeit 50 Prozent für die meisten Projekte – 2012 waren es noch 70 Prozent – und nur 13 Prozent für Serien. Das damalige Niveau erreichen wir vielleicht nicht, doch wir möchten das so weit wie möglich verbessern.

Welche weiteren konkreten Massnahmen planen Sie um die regionale Hebelwirkung wieder herzustellen?

Für 2026 können wir bereits 350'000 Franken neu verteilen. Zudem warten wir auf eine Antwort der Loterie Romande und werden je nach gesprochenem Betrag die Massnahmen anpassen. Die automatische Förderung bleibt unser wichtigstes Instrument, doch wir müssen es intelligent gestalten. Wir erwägen auch einen vereinfachten Prozess für internationale Koproduktionen. Die Idee ist, dass wir vom BAK geförderte Projekte automatisch auch fördern, ohne Entscheid der Auswahlkommission und ohne Koeffizienten, der die Sache kompliziert. Das wäre schneller, kohärenter und zielführender, als Projekte von Experten und Expertinnen bewerten zu lassen, deren Drehbuch nicht hier geschrieben wurde und auf die wir keinen Einfluss haben

Aufgrund welcher Indikatoren messen Sie den Erfolg Ihrer Massnahmen?

Der erste Indikator ist unser Anteil an den Finanzierungsplänen. Dieser ist von 26 Prozent im Jahr 2012 auf 19 Prozent geschrumpft; das wollen wir wieder anheben. Dabei wollen wir nicht mehr Filme fördern, sondern sie besser finanzieren. Zudem betrachten wir die Kapazität der Produzierenden, die neuen Richtlöhne des SSFV einzuhalten und ohne hohe Privatbeteiligungen auszukommen, auf technischer wie Produktionsseite. Dies sind sehr konkrete Indikatoren, um den wirtschaftlichen Druck zu messen.

Die Erfolgsquote der Projekte sinkt, was teilweise Anlass zu Kritik an der Transparenz oder Gerechtigkeit des Systems gibt. Was antworten Sie darauf?

Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Anzahl der Anträge hat in den letzten zwei Jahren um 20 Prozent zugenommen, doch die Ressourcen steigen nicht in gleichem Mass. Deshalb werden mehr Projekte abgelehnt, was zu Frustrationen führt. In einem ohnehin schon schwierigen Umfeld – Druck beim BAK, Kürzungen bei der SRG, Inflation – stellen gewisse Leute das ganze System in Frage: Vetternwirtschaft, Ungleichheiten, Interessenkonflikte... Die Blick-Affäre war nur ein Symptom dieser Entwicklung. Wir erhalten viele Rückmeldungen, von konstruktiv bis verbittert. Wir versuchen, allen Gehör zu schenken, und tun stets unser Bestes, um die Projekte ernsthaft zu begutachten und zugleich eine solidere Struktur zu schaffen, mit mehr Mitteln für alle.

Sie erwähnen die Blick-Affäre, die im März einen potenziellen Interessenkonflikt rund um die frühere Vize-Präsidentin von Cinéforom aufzeigte. Denken Sie, dass das Vertrauen der Branche in die Stiftung dadurch geschwächt wurde?

Nein. Es gab schon früher Versuche, uns auf anderen Wegen anzugreifen – juristisch, politisch oder über die Aufsichtsbehörde. Neu war dieses Mal, dass es über die Presse ausgetragen wurde, im Vorfeld der Wahlen. Es gibt nichts zu verbergen, keinen faktischen Interessenkonflikt. Deshalb machen wir uns keine Sorgen, obwohl solche Situationen nie angenehm sind. Wir haben auch viel Unterstützung erfahren; das Vertrauen der Branche und unserer Geldgeber ist ungebrochen.

Selbst ohne erwiesenen Interessenkonflikt könne der reine Anschein eines solchen bereits problematisch sein. Was sagen Sie dazu?

Wir arbeiten konstant daran. Unsere Strukturen wurden dafür konzipiert, tatsächliche und scheinbare Interessenkonflikte zu vermeiden. Es gibt eine klare Trennung zwischen dem Stiftungsrat, der Kommission und den Auswahlgremien. Wir achten darauf, dass die Rollen nicht vermischt werden. Die Vizepräsidentschaft erschien uns jedoch nie als sensibel, zumal diese Rolle bei uns keinen formellen Status hat. In 13 Jahren kam sie nur ein- oder zweimal zum Einsatz, bei Abwesenheiten der Präsidentschaft. Doch ich verstehe, dass dies von aussen betrachtet zweideutig erscheinen kann. Vielleicht müssen wir das in Zukunft klarer kommunizieren.

Sind aufgrund dieser Affäre interne Massnahmen geplant?

Nein, vorerst nicht. Wir behalten das natürlich im Auge, doch es ist nicht prioritär, denn nichts an unserer Funktionsweise wurde substanziell in Frage gestellt. Wenn die Stiftungsaufsicht nähere Informationen von uns verlangt, werden wir diese liefern. Bereits heute setzen wir zahlreiche Sicherheitsmassnahmen um: In unserem Stiftungsrat sind sechs öffentliche Institutionen vertreten, wir legen jedes Jahr Rechenschaft ab und werden engmaschig überwacht. Die Stiftungsaufsicht ist im Übrigen, anders als in gewissen Artikeln behauptet, alles andere als passiv. Sie archiviert nicht nur unsere Berichte, sondern fragt nach, fordert Belege und Korrespondenzkopien an, verlangt Erklärungen zu unseren Entscheiden. Sie nimmt ihre Rolle sehr ernst.

Was gibt Ihnen trotz all dieser Einschränkungen Kraft?

Ganz einfach: die Kreativität. Allen Spannungen und Einschränkungen zum Trotz erhalten wir weiterhin grossartige, kraftvolle und unerwartete Projekte. Das ist unser Ansporn. Zudem geniessen wir politische Unterstützung. Die Westschweizer Kantone können zurzeit ihre Beiträge nicht erhöhen, doch sie haben uns ihr fortwährendes Vertrauen ausgesprochen. Sie anerkennen den Wert unserer Arbeit, im Dienst der gesamten Branche.

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