Gekreische auf der Piazza Grande
Shah Rukh Khan © Marco Abram / Locarno Film Festival / Ti-Press

Gekreische auf der Piazza Grande

Teresa Vena 12. August 2024

Das diesjährige Locarno Film Festival hat nicht geknausert. Unter allen Ehrengästen dieser Ausgabe war der indische Bollywood-Star Shah Rukh Khan der prominenteste.

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Die Herzen fliegen ihm massenweise zu. Shah Rukh Khan, «King Khan» oder auch SRK, hat es einmal mehr bewiesen. Als er auf der Piazza Grande seinen Ehrenpreis abholte, war jeder der Plastikstühle besetzt, immer wieder raunte es im Publikum, es wurde erregt ab jeder Geste und jedem Satz des Stars geschrien: von Frauen und Männern gleichermassen. Selbstgemalte Bildnisse, auf Leinwand aufgezogene Collagen, Filmposter und Autogrammkarten wurden geschwenkt, die Zwischenrufe waren Liebeserklärungen an den 58-jährigen Inder, der es sich nicht nehmen liess, das Publikum kurz auf Italienisch zu begrüssen. Zweifelsohne ist der Mann ein begnadeter Unterhalter, der sich selbst nicht zu ernst zu nehmen scheint und keine falsche Bescheidenheit zelebriert. Das diesjährige Locarno Film Festival hat nicht geknausert. Unter allen Ehrengästen dieser Ausgabe war der indische Bollywood-Star Shah Rukh Khan der prominenteste.

Für das Publikumstreffen im Kino Grand Rex standen die Menschen über eineinhalb Stunden an. Es waren sehr viele indischstämmige, tamilische Personen darunter. Später stellte sich heraus, das einige von ihnen extra für SRK aus Übersee angereist waren. Giona A. Nazzaro, der künstlerische Leiter des Filmfestivals, hat die Begegnung mit dem Star moderiert. Noch selten war ein solches Gespräch derart kurzweilig. «King Khan» erzählte von seinem Werdegang. Besonders interessant war sein Bezug zur Schweiz. Bekanntlich mögen es Bollywood-Produktionen, in der Schweiz mit Vorliebe auf saftiggrünen Alpwiesen zu drehen. Zu einem solchen Anlass kam auch Khan zum ersten Mal mit unserem Land in Berührung. In Locarno erinnerte er sich augenscheinlich mit Freude daran und meinte, dass sich für ihn mit diesem Preis, dem «Pardo alla carriera Ascona-Locarno Turismo», den er kurzerhand in den «Leoparden an die grossartigste Person in der Geschichte der Menschheit» umtaufte, ein Kreis schliessen würde.

© Massimo Piccoli / Locarno Film Festival / Ti-Press
Massimo Piccoli / Locarno Film Festival / Ti-Press

Für Khan ist Kino die mächtigste aller Kunstformen. Sie bewege die Menschen und sei Abbild des Lebens. Publikum und Filmschaffende würden darin eine gemeinsame Schnittstelle finden, in der sie sich begegnen können, in der sich ihre Leben für kurze Zeit, aber vielleicht nachhaltig, gegenseitig berühren. Als Star sehe sich Khan nicht: «Ich mache nur meine Arbeit», sagte er. «Ich will unterhalten. Die Liebe, die ich gezeigt bekomme, respektiere ich, es macht mich glücklich, Menschen emotional zu erreichen.»

Man ist sich einig, dass Khan ein bedeutender Schauspieler ist, der sich durch grossen Fleiss vom Kind aus ärmlichen Verhältnissen zu einem Nationalhelden hochgearbeitet hat. Er ist ein Hoffnungsträger für viele Landesgenossen, er wird geliebt und verehrt. Er ist zu einer Figur «grösser als das Leben» herangewachsen. Solche Identifikationsfiguren braucht das Kino. Diese fast kultige Verehrung eines Stars unterstreicht die emotionale Strahlkraft, die Film haben kann. Locarno hat in diesem Punkt alles richtig gemacht.

© Massimo Piccoli / Locarno Film Festival / Ti-Press
© Samuel Golay / Locarno Film Festival / Ti-Press
© Massimo Piccoli / Locarno Film Festival / Ti-Press
© Massimo Piccoli / Locarno Film Festival / Ti-Press
© Massimo Piccoli / Locarno Film Festival / Ti-Press
© Massimo Piccoli / Locarno Film Festival / Ti-Press

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