Neben der Verleihung des Pardo alla carriera auf der Piazza Grande traf das Publikum Jackie Chan zu einem Gespräch.
Die Fans waren anwesend, aber erstaunlich konzentriert und ruhig. Das fällt besonders auf, wenn man sich an das Treffen im Vorjahr mit dem indischen Star Shah Rukh Khan erinnert. Die Anhängerschaft von Chan ist offenbar etwas «erwachsener». Es fehlen die fliegenden Herzen und bunten Plakate, dafür schossen die Filmtitel nur so hervor. Der 71-Jährige konnte kaum stillsitzen. Immer wieder führte er Bewegungen aus Kampfszenen vor und untermalte sie mit Ausrufen.
Er sei ein Genie. Den Preis bekomme er, weil «wir dich lieben», erklärte der künstlerische Leiter des Locarno Film Festival, Giona A. Nazzaro. Es ist ein wenig schade, sich hinter diesen Floskeln zu verstecken. Das wird dem Mann, der sich Hollywood entgegenstellte und dennoch seinen Vorteil daraus ziehen konnte, nicht ganz gerecht. Gut, dass Chan selbst weitgehend das Ruder in die Hand nahm und trotz gebrochenem Englisch wortwörtlich plastisch einige Meilensteine seiner Karriere erzählte.
Durchblicken liess er, dass er viele Rückschläge erlitt. Seine Begegnung mit Bruce Lee, nicht lange vor dessen Tod, war einerseits ein Segen, andererseits eine Bürde. Man sah in ihm einen möglichen Nachfolger des Kampfkunststars. Chan verhielt sich genau gegenteilig, sowohl in Bezug auf die Kampfkunstart als auch in seiner stets leicht ironischen Haltung gegenüber sich selbst.
Schön, dass sich das Festival um solche Persönlichkeiten bemüht. Chan hat weltweit Generationen von Filmbegeisterten geprägt. In Locarno durfte er über den See schippern.