1954 begannen Paolo und Vittorio Taviani ihre
Arbeit hinter der Kamera mit einer Reihe sozialpolitischer Dokumentarfilme. Aus
dieser Zeit stammt der KurzfilmSan Miniato, luglio ’44, den sie gemeinsam mit
Cesare Zavattini drehten. Später führten sie gemeinsam mit Joris Ivens Regie
fürL’Italia non è un paese povero(1960). 1962 gelang ihnen an der Seite von
Valentino Orsini dankUn uomo da bruciare, mit Gian Maria Volonté in der
Hauptrolle, das Spielfilmdebüt. Es markiert den Beginn einer langen Reihe von
gemeinsamen Filmen.
Die Brüder blieben während ihrer gesamten Regiekarriere
unzertrennlich und schufen in dieser intensiven kreativen Partnerschaft Filme
wieI sovversivi(1967) undSotto il segno dello scorpione(1969). Bald suchten
sie nach neuen stilistischen Ansätzen und blickten auch ins Ausland. Der
internationale Durchbruch gelang ihnen mitSan Michele aveva un gallo(1972)
undAllonsanfàn(1974), mit Marcello Mastroianni und Lea Massari. Beide Filme
wurden in der Quinzaine des Réalisateurs am Festival von Cannes vorgestellt.
Schliesslich war esPadre Padrone(1977), ihre Verfilmung des Romans von Gavino
Ledda, der den Gebrüdern Taviani die Goldene Palme und den Kritikerpreis von
Cannes einbrachte.
NachIl prato(1979) drehten die Brüder
Taviani einen weiteren Meilenstein: InLa notte di San Lorenzo(1982) schildern
die selbst aus der Toscana stammenden Filmemacher das Landleben in der Toscana
während des Zweiten Weltkriegs. Dieser Film, bei dem sie erstmals mit Nicola
Piovani arbeiteten, wurde auf der Piazza Grande in Locarno gezeigt. 1984
adaptierten die beiden Filmemacher erneut ein literarisches Werk:Kaos(1984).
Zwei Jahre später erhielten sie am Filmfestival Venedig den Leone d’oro für ihr
Lebenswerk und eroberten 1987 mitGood morning Babilonia, der Geschichte zweier
Brüder aus der Toscana, die ihr Glück in Amerika suchen, das internationale
Parkett. Historische Fresken sind auchIl sole anche di notte(1990),Fiorile(1993),Le affinità elettive(1996) undTu ridi (1998).
2012 kehrten Paolo und Vittorio Taviani mit
Cesare deve morire nach Berlin zurück. Der Film brachte ihnen den Goldenen
Bären ein. Ihr letztes gemeinsames Werk stammt aus dem Jahr 2017.Una questione
privatawurde gemeinsam entwickelt, doch nur Paolo Taviani hat diesen
umgesetzt, da Vittorio gesundheitlich bereits stark beeinträchtigt war.
Paolo Taviani wird seine Auszeichnung auf der
Piazza Grande in Locarno entgegennehmen. Zu seinen Ehren wirdGood morning
Babilonia(1987) in der von der Cineteca nazionale (CSC) und dem Istituto
Luce-Cinecittà restaurierte Fassung als Weltpremiere vorgestellt.
Die 71. Ausgabe desLocarno Festivalsfindet
vom 1. bis 11. August statt.