Fünf Jahre nachdem ihr Diplom-Kurzfilm «Soraya Luna» am Festival Visions du Réel gezeigt wurde, kehrt Elisa Gómez Alvarez mit ihrem ersten Langfilm nach Nyon zurück. «To the Moon and Back» läuft im nationalen Wettbewerb und erzählt von jungen Menschen fernab der grossen Weltraummächte, die vom Weltall träumen.
Abseits des von China, den USA und einer Handvoll von Milliardären beherrschten Medienrummels um die moderne Form des Wettlaufs ins All nach dem Ende des kalten Kriegs beteiligen sich junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Generation Z, insbesondere aus dem globalen Süden, aktiv an Initiativen zur Eroberung des Weltalls. Die Filipina Pauline und der Marokkaner Ilyasse haben die Möglichkeit, an einer Mission teilzunehmen, die eine Expedition ins All simuliert, ohne die Erde zu verlassen. Der Dokumentarfilm über Nachwuchstalente, die in einer zutiefst ungleichen Welt an ihren Träumen festhalten, wurde von RTS, Frankreich, den Philippinen und Al Jazeera koproduziert und vom öffentlich-rechtlichen deutschen Auslandssender Deutsche Welle vorgekauft. Eine Schwierigkeit bestand darin, die Dreharbeiten zu beginnen, bevor alle Finanzierungen da waren – was erst vor Kurzem passierte.
Die Konstellation des von Palmyre Badinier (RITA Productions) lancierten Projekts ist ungewöhnlich: ein Autorenfilm, der von einer Produktionsfirma angestossen und vom Fernsehen finanziert wird. Es brauchte Zeit, um das Konzept verständlich zu machen, doch ersten Reaktionen zufolge scheint die Strategie aufzugehen. Die Produzentin erkannte im Asclepios-Programm grosses Kinopotenzial und wandte sich damit an die ECAL-Absolventin, die sie aus früheren Begegnungen kannte. Die Vereinigung von Studierenden für Studierende organisiert analoge Missionen, die vollkommen kostenlos sind und – im Gegensatz zu anderen Initiativen dieser Art – Nachwuchstalenten aus der ganzen Welt offenstehen. Der Film, der für die «Pitching Session» der «Impact Days» am FIFDH ausgewählt wurde, setzt zugleich auf Festivals, öffentlich-rechtliche Fernsehsender und Plattformen.
Astronauten in der Westschweiz
Während Pauline und Ilyasse Asien und die arabische Welt vertreten, sah sich der aus der Schweiz stammende dritte Protagonist gezwungen, das Projekt zu verlassen. Folglich musste das Drehbuch umgeschrieben und der Schnitt überarbeitet werden, was erheblichen Mehraufwand bedeutete. Das kleine, ausschliesslich weibliche Team, das neben der Regisseurin aus einer Toningenieurin und einer Kamerafrau bestand, wurde in dem weitgehend männlich dominierten Umfeld gut aufgenommen und konnte alle Winkel des Projekts ergründen. Während der Erkundungen begleitete Gómez Alvarez die angehenden Astronauten und Astronautinnen und nahm viel auf sich, um unter teilweise extremen Bedingungen bei minus 20 °C zu filmen. Pauline und Ilyasse wirkten aktiv mit, indem sie an Orten drehten, zu denen die Regisseurin keinen Zugang hatte. So wurde die junge Filipina unter Anleitung der Regie mit einer 360-Grad-Kamera ausgestattet, um Szenen in Mikrogravitation zu filmen – einem Zustand annähernder Schwerelosigkeit, der durch einen Parabelflug erzeugt wird. Durch die Dokumentation ihrer Leidenschaft in den sozialen Medien wurde sie anschliessend zur Markenbotschafterin auf Instagram ernannt.
Zum Filmstart wird gemeinsam mit dem Asclepios-Team eine «Impact»-Kampagne für die Schweiz und den Rest der Welt entwickelt. Der Film soll an Universitäten und Hochschulen gezeigt werden, um den generationsübergreifenden Dialog zu Fragen rund um Ethik und Verantwortung zu fördern, wie etwa Entscheidungen über die konkrete Anwendung der Wissenschaft. Zudem laufen Gespräche über eine Vorführung im Rahmen des International Astronautical Congress, der weltweit grössten Veranstaltung der Raumfahrtbranche, die dieses Jahr in der Türkei stattfindet und deren Motto «Emerging Space Nations» nicht passender sein könnte.