Filmemachen in den Anfängen
Silvan und Ramon Zürcher. © zvg
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Filmemachen in den Anfängen

Teresa Vena 29. Juli 2024

Silvan und Ramon Zürcher präsentieren ihren neuen Film «Der Spatz im Kamin» im internationalen Wettbewerb des Filmfestivals von Locarno. Das ist eine Gelegenheit, mit den Brüdern über ihre Anfänge zu sprechen.

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Sie sind mit dem Medium Film aufgewachsen. Zu Hause diente der Fernseher als Verbindung in eine Welt der Fantasie, in der Stadt Biel besuchten die Brüder Silvan und Ramon Zürcher im Filmpodium Retrospektiven. Diese Leidenschaft fürs Kino war offenbar so unzähmbar, dass Lehrer die beiden am Freitagnachmittag sogar früher aus dem Unterricht entliessen, damit sie es rechtzeitig zur wöchentlichen Filmvorführung in die Filmgilde nach Biel schafften. Der Autorenfilm und insbesondere der französische hat auf die Jugendlichen seinen nachdrücklichen Einfluss ausgeübt.

Dass aus der Theorie Praxis werden sollte, stand für beide fest. Während Ramon von Anfang an den Weg der kreativen Ausbildung einschlug und den gestalterischen Vorkurs der Schule für Gestaltung in Biel absolvierte, vertiefte Silvan mit seinem Studium der Filmwissenschaften erst die analytische Herangehensweise. 2006 wurde Ramon für ein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (DFFB) angenommen, Silvan folgte 2009 in der Fachrichtung Produktion.

Die Jahre in Berlin

Die Schule in Berlin ist für ihre ausgeprägte Förderung des Autorenfilms bekannt. Die Arbeiten der hier ausgebildeten Autoren und Autorinnen weisen in ihrer Ästhetik und Narration oft eine bestimmte, von einer gewissen Sprödheit und Ökonomie der filmischen Mittel geprägte Handschrift auf. «Wie ein Fisch im Wasser», habe sich Ramon gefühlt. Im Rahmen des Studiums hat er drei Kurzfilme und einen mittellangen Film hergestellt, bevor er gemeinsam mit Silvan und ihrem Mitstudenten Alex Hasskerl als Kameramann den ersten Langfilm drehte. «Das merkwürdige Kätzchen» entstand in einer Altbauwohnung in Berlin. Gagen wurden keine gezahlt, die Darsteller und Darstellerinnen nutzten eigene Kleidung und schminkten sich selbst. Die DFFB stiftete einen Betrag von ungefähr 8'000 Euro, der für Spesen wie Transport oder Verpflegungskosten verwendet wurde. Die benötigte Technik für den Dreh und für die Postproduktion stellte die Schule zur Verfügung.

Der erste Erfolg

«Mit der Aufmerksamkeit, die der Film erhielt, haben wir nicht gerechnet», sagt Silvan. Der Film hatte 2013 seine Premiere an der Berlinale, reiste von da auf über 80 internationale Festivals und erhielt viele Auszeichnungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Finanzierung ihres zweiten Films besonders einfach gewesen wäre. Silvan hatte 2017 in der Zwischenzeit seine eigene Produktionsfirma, Zürcher Film, mit Sitz in Aarberg gegründet. «Das Drehbuch von 'Das Mädchen und die Spinne' war zu sperrig und hatte zu wenig tagespolitische Relevanz», führt er als Begründung für den Mangel an Interesse seitens deutscher Fernsehsender an, die in Deutschland für das Zustandekommen von Finanzierungen eine sehr entscheidende Rolle spielen. So kam es zur Zusammenarbeit mit Beauvoir Films aus Genf und dank der Unterstützung des Bundesamts für Kultur, der Berner Filmförderung und des SRF wurde «die Spinne» letztlich zu einer rein schweizerischen Produktion. Das Budget belief sich auf rund 2,6 Millionen Franken. «Wir hatten nun mehr Geld, aber weniger Zeit», sagt Silvan. Der Zeitdruck beim Dreh sei, was er am wenigsten möge, ergänzt Ramon, gleichzeitig sei der Dreh aber auch die geselligste und aufregendste Phase des Filmemachens.

Beim «Kätzchen», wie Silvan den Film liebevoll nennt, hat Ramon das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und den Schnitt verantwortet. Silvan war der Produzent des Films. Bei der «Spinne» haben Silvan und Ramon gemeinsam das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Es sei genau diese Vielfältigkeit anAufgaben, die ihn an seinem Beruf fasziniere, sagt Silvan. Das gilt auch für Ramon, der nun mit «Der Spatz im Kamin», für den er das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, auch formal mehr ausprobieren wollte. Gedreht wurde im Kanton Bern mit einer schweizerisch-deutschen Besetzung. Die Produktion übernahm Silvan mit Zürcher Film, das Budget von rund 2,6 Millionen Franken kam wieder dank der Unterstützung des Bundesamts für Kultur, der Berner Filmförderung und des SRF zusammen. Der Film startet am 19. September in der Deutschschweiz im Kino.

Zuerst feiert ihr drittes gemeinsames Werk aber in Locarno seine Weltpremiere, genau an dem Festival, das die Brüder in ihrer Auseinandersetzung mit Film so geprägt hat. Einst waren sie hier nämlich Teil der Jugendjury. «Die Orte, an denen man Filme schaut, beeinflussen, wie man Filme wahrnimmt», so Ramon.

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