In den letzten Jahren ist eine Reihe äusserst bemerkenswerter langer Filme, meist Regiedebüts, mit kleinem Budget realisiert worden. Die Umstände sind nicht immer die gleichen.
Für «Dene wos guet geit» (2017) hat Cyril Schäublin vom Bund eine klare Absage auf sein Gesuch zur Herstellungsförderung erhalten. Die Zürcher Filmstiftung gab 63'000 Franken und das Bundesamt für Kultur schliesslich 20'000 Franken für die Postproduktion. Dank der Unterstützung verschiedener Stiftungen stand ein Budget von 110'000 Franken zur Verfügung. «Ich habe mich sehr bewusst entschieden, den ersten Film mit einem tiefen Budget zu drehen, um so grosszügige Entscheidungsräume wie möglich zu schaffen», sagt Schäublin. «Ich wusste, dass eine Besetzung, die fast ausschliesslich aus Freunden und Laien besteht, sowie der Verzicht auf künstliches Licht für meine Arbeitsweise unverzichtbar waren.» Es wäre nicht einfach gewesen, eine Produktionsfirma von solchen Vorstellungen zu überzeugen, so Schäublin. Beim zweiten Film «Unrueh» war er dann sehr dankbar für ein reguläres Produktionsbudget. «Auch da wir von der Erfahrung mit 'Dene wos guet geit' gut eruieren konnten, wie wir das Geld spezifisch investieren möchten».
«Nicht kompromittieren»
«Ich kann einen Film nicht erklären, bevor er nicht fertig ist», sagt Cyrill Oberholzer. Das mache die Zusammenarbeit mit potenziellen Geldgebern nicht einfacher. Der Filmemacher aus Zürich zieht es ohnehin vor, sein «Produkt nicht zu kompromittieren». Das Einfügen in hierarchische Strukturen und in institutionelle Gefüge fällt ihm schwer. Sein Studium an der ZHdK hat er nach dem Bachelor nicht fortführen wollen. Für «Das Höllentor von Zürich» (2018), seinen ersten Film, hat er von der Migros-Kulturstiftung 20'000 Franken für die Postproduktion erhalten, das Budget von 15'000 Franken für «Wer hat die Konfitüre geklaut?» (2022) stammte aus Spenden, und für den dritten Langfilm, der sich gerade in der Fertigstellung befindet, gab ihm ein Mäzen 10'000 Franken. 8'000 Franken machte das Honorar der beiden Darstellerinnen aus. Auch wenn seine Haltung gegenüber dem Filmemachen bedingungslos ist, bleiben Rückschläge nicht aus. «Sicher wäre es ein Traum, davon leben zu können», sagt Oberholzer. Seinen Lebensunterhalt verdient der sich mit bescheidenen Mitteln begnügende Filmemacher aber anders. Für seine künstlerische Arbeit anerkannt zu werden, lässt auch ihn nicht völlig kalt, aber er kommt zur ernüchternden Erkenntnis: «Wenn man ohne offizielle Unterstützung auskommt, gilt man als unprofessionell».
Damit liegt er sicher nicht ganz falsch, wenn es um die Wahrnehmung von Förderstellen und Entscheidungsträgern geht, sagt auch Alex Kälin, der in Eigenregie «Velo Gang» (2023) produziert hat. Für seinen Schwarz-Weiss-Film hatte er privat eingebrachte 20'000 Franken zur Verfügung, die aber institutionelle Förderstellen nicht beeindrucken. Ohne offizielle Förderung wird es auch beim nächsten Projekt schwierig sein, eine Förderung zu erhalten. Susa Katz von der Zürcher Filmstiftung bestätigt, dass es für ein Folgeprojekt empfehlenswert sei, eine antragsberechtigte und erfahrene Produktionsfirma zu haben, die einem Projekt einen rechtlichen und professionellen Rahmen gebe. Man müsste also erst einen risikobereiten Produzenten finden. Kälin hat übrigens durch Kino- und Onlineauswertung, unter anderem auf Play Suisse, ungefähr die Hälfte der Produktionskosten erwirtschaftet.
Der Drang, Filme zu machen
Genauso wie bei Kälin haben sich auch die Mitwirkenden in Hans Kaufmanns «Der Büezer» (2019) ohne Honorarforderung auf das Projekt eingelassen. Eine Gewinnbeteiligung sei zwar vorgesehen gewesen, aber illusorisch, meint der Autor. Von einer privaten Stiftung erhielt er für die Herstellung 100'000 Franken, weitere 50'000 Franken für die Postproduktion stammten von der Migros-Kulturstiftung. Um einen Film unter diesen Umständen zu machen, müsse man die nötige Dringlichkeit empfinden und zur Selbstausbeutung bereit sein, sagt er. Kaufmann, der vor allem in der Werbung und als Schnittmeister tätig ist, hat mehrere Projekte in der Planung. Für eines hatte er Drehbuchförderung erhalten, das Gesuch für die Herstellungsfinanzierung wurde allerdings abgelehnt, obwohl «Der Büezer» als Referenzwerk diente. Für den ersten Film hatte er bewusst keine öffentliche Förderung beantragt, im Glauben, dass er als Anfänger sowieso keine Chance damit gehabt hätte.
So entschied sich auch Michael Karrer für seinen ersten Langfilm «Füür Brännt» (2023): «Ich wusste, dass es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist, eine grössere Förderung zu bekommen, da die meisten Förderstellen schon aus formellen Gründen mehr Unterlagen zum Drehunterfangen brauchen, als dieses Projekt bieten konnte». Das Budget für den Film betrug im Wesentlichen 30'000 Franken, eine Summe, die von der ZHdK eigentlich für Kurzfilme vorgesehen ist. «Es ist ein Geschenk, dass ich sehr frei und suchend meiner eigenen Filmsprache viel Platz geben konnte», sagt er. Das sei nur dank des Einsatzes vieler Menschen vor und hinter der Kamera möglich gewesen. Um kreativen Ideen einen Rahmen zu bieten, hat Karrer gemeinsam mit sieben weiteren Kollegen und Kolleginnen das Sabotage Kollektiv gegründet. Man wolle sich gegenseitig helfen, aber auch als Produktionspartner Erfahrung sammeln und Projekte verschiedener Grössen mitbetreuen.
So unterschiedlich die erwähnten Projekte sind, so haben sie doch die Gemeinsamkeit, dass sie sich durch eine ausgesprochen eigenständige Perspektive auf den behandelten Stoff und in Bezug auf den ästhetischen Ausdruck auszeichnen. Sicher könnte man also sagen, «es hat sich gelohnt», aber doch erst dann, wenn diese Arbeiten in ihrem rechten Wert geschätzt werden und ihren Autoren der weitere Karriereweg erleichtert wird.