An einem sonnigen Sonntagmorgen Mitte August verwandelt sich die Marktgasse im beschaulichen Aargauer Städtchen Bremgarten in ein Filmset. Am Anfang der Einkaufsstrasse werden Spazierende abgefangen und auf eine Nebenstrasse umgeleitet. Neugierige bleiben an der Engelgasse stehen und staunen über das grosse Team, das sich in der engen Querstrasse eingerichtet hat: Hier steht der Regiemonitor, über den der Dreh live mitverfolgt wird; auf mehreren Wägen türmen sich Requisiten und die Ausstattungen der verschiedenen Abteilungen; von hier starten die Statisten und Statistinnen zu ihren Einsätzen; während gleichzeitig Getränke und Häppchen an alle Anwesenden verteilt werden. Die zwei jungen Hauptdarstellerinnen sind ebenfalls vor Ort: Neah Hefti und Alva Maurer. Es ist der letzte Tag der Dreharbeiten von «Plitsch Platsch forever!», die nach sieben Wochen zu Ende gehen.
Den Anfang nahm das Projekt mit der Drehbuchautorin Sabina Gröner, die ihre Geschichte im Rahmen des Förderprojekts «Stoffentwicklung Kinderfilm» von Suissimage entwickeln konnte. Der Film (ein Gute-Laune-Drama für Kinder ab 6 Jahren) handelt von der elfjährigen Pola, die traurig über den Wegzug ihrer besten Freundin Polly ist. Sie beschliesst, gemeinsam mit der mutigen Rosalie und weiteren Kindern die Badi Plitsch Platsch vor dem Aus zu retten – in der Hoffnung, dass Polly mit ihren Eltern, die dort angestellt waren, zurückkommt.
Mit ihrer wandlungsreichen Geschichte über neue Freundschaften, politische Teilhabe und den Mut, Fehler einzugestehen, wandte sich Gröner an die Zürcher Produktionsfirma Catpics. «Wir hatten schon länger den Wunsch, einen originären Kinderstoff zu produzieren. Das Drehbuch hat mich sofort überzeugt», erinnert sich die Produzentin Sarah Born. Überzeugen konnte sie auch das SRF, das den Film mitproduziert. Gemeinsam mit Gröner verpflichteten sie dann die Regisseurin Natascha Beller, die sich ebenfalls sofort mit dem Stoff identifizierte: «Die Botschaft, dass Kinder in der Schweiz politisch etwas bewirken können, hat mich sehr berührt.»
Mit Kindern drehen
Hinter den reibungslosen Abläufen am Set steckt jede Menge Vorbereitung. Schon bei der Besetzung legte Regisseurin Beller den Fokus auf «Natürlichkeit, Spielfreude und Vielfalt» – denn das Ensemble sollte die Vielschichtigkeit der Schweizer Bevölkerung widerspiegeln. Gemeinsam mit Kameramann Filip Zumbrunn erarbeitete sie eine präzise Planung der Szenen. Zudem nahmen sich Produktion und Regie Zeit, die jungen Darstellenden, die Eltern und das gesamte Team auf den Dreh vorzubereiten. Nach ausführlicher Recherche und Austausch mit erfahrenen Kindercoachs organisierten sie einen «Filmemacherei-Schnellkurs», ergänzt durch klare Verhaltensregeln am Set. Beispielsweise sollten die Kinder immer mit ihren Vornamen angesprochen werden, um einen freundschaftlichen und respektvollen Umgang zu pflegen. Auch bei der Teamzusammenstellung achteten sie darauf, dass viele der Beteiligten Erfahrung mit der Arbeit mit Kindern mitbrachten und mit positiver Haltung sowie besonderer Sensibilität zum Dreh kamen.
Vor Ort zeigt sich das Team in der Bremgartner Altstadt als heitere und eingespielte Truppe. Auch die jungen Darstellerinnen meistern die längeren Wartezeiten zwischen ihren Einsätzen konzentriert und routiniert – mit gelegentlichen spontanen Tanzeinlagen des eingeübten «Flashmobs», den die Kinder noch vor wenigen Tagen in einer Filmszene aufgeführt hatten. Erst nach eineinhalb Stunden ist die erste Szene auf der Marktgasse im Kasten, und das Team zieht mit der Ausrüstung über das holprige Kopfsteinpflaster weiter ans untere Ende der Einkaufsstrasse. Am letzten Drehtag ist das Team bereits etwas kleiner; nicht mehr alle Kinderdarstellenden stehen vor der Kamera. Und je näher die Mittagspause rückt, desto deutlicher macht sich ein wenig Wehmut breit.
Beller bereitete die Kinder gezielt auf das Ende des Drehs vor, wohlwissend, wie schwer der Abschied nach einer so intensiven Zeit fällt. Als kleine Erinnerung an die gemeinsame Zeit übergab sie ihnen «Plitsch Platsch-Freundschaftsbücher», die an diesem letzten Nachmittag noch mit zahlreichen Notizen, lieben Botschaften und Erinnerungen gefüllt wurden. Über die beiden Hauptdarstellerinnen sagt sie im Nachhinein: «Während des Drehs sind sie zu richtigen Profis herangewachsen, es war berührend mitzuerleben, wie sie die Herzen des gesamten Teams für sich gewonnen haben.»
«Plitsch Platsch forever!» kommt im April 2026 in die Schweizer Kinos und soll nicht das letzte Kinderfilmprojekt von Born bleiben. «Kinder- und Jugendfilme werden in der Schweiz zu wenig gefördert, obwohl das Bedürfnis nach lokalen Geschichten sehr gross ist», schlussfolgert sie aus der Erfahrung und fügt an: «Es ist wichtig, dass mehr in Stoffentwicklung, in talentierte Filmschaffende und in nachhaltige Produktionsstrukturen investiert wird.» Mit ihrem Projekt gehen die Macherinnen bereits mit gutem Vorbild voran.