Am 22. November wurde das BE Movie, das ein ganzes Wochenende lang Filme mit Bernbezug in verschiedenen Kinos des Kantons präsentiert, mit einer Podiumsdiskussion eröffnet.
Wie Schweizer Serien entstehen
Teresa Vena 23. November 2024
Es hat Tradition, dass das Wochenende des Berner Films mit einer Begegnung im Kino Rex in Bern seinen Auftakt feiert. Das Fokusthema war dieses Jahr «Bern in Serie». Eingeladen hat Bern für den Film, der Verein, der sich um die Promotion von audiovisuellen Produktionen bemüht, an denen Berner Filmschaffende beteiligt sind. Auf dem Podium waren Stefan Eichenberger, Produzent bei Contrast Film und Ko-Produzent von «Davos 1917», Regisseurin und Drehbuchautorin Bettina Oberli, Noëmi Steffen, Drehbuchautorin, Fabian Stein, Inhaltsverantwortlicher bei Sky Schweiz und Christian Wehrlin, Drehbuchautor. Das Gespräch moderierte die Journalistin und Mitarbeiterin der Kulturredaktion bei der NZZ am Sonntag, Denise Bucher.
Was funktioniert?
Auf die Frage, welche Formate und Genres im internationalen Kontext sich am besten machen, zeichnete sich eine gewisse Diskrepanz zwischen den Ausführungen von Fabian Stein von Sky Schweiz und den aktuellen Bemühungen in der Schweizer Serienproduktion ab. Stein: «Auf Sky Show funktionieren die grossen US-Serien. Wir haben nicht viele Schweizer Stoffe im Repertoire». Das liege in erster Linie an den bedienten Genres. «Was ganz stark ist, sind die Genres Science-Fiction und Fantastisches oder Serien mit besonders gut besetzten, hochkarätigen Schauspielern. Komische Serien aus dem Ausland laufen sehr schlecht, besonders solche aus Frankreich und die aus Grossbritannien funktionieren gar nicht». Und genau in letzterem Bereich gepaart mit dem Fach Drama oder Drama-Komik betätigt sich die Schweiz mit Vorliebe, von «Der Bestatter», der eine Art Anfang der neuen Serienherstellung darstellt, bis zu «Tschugger». Doch Stein relativierte seine Aussage gleich im Anschluss. Weil es bereits so viele Serien aus anderen Ländern gäbe, die Science-Fiction und Fantastisches erfolgreich bedienten, herrsche Bedarf in den anderen Fächern. «Dort ist die Konkurrenz am kleinsten».
Darin war er sich mit Stefan Eichenberger einig: «Wir machen auf keinen Fall Science-Fiction, weil wir nicht an die USA herankommen». Es ist auch eine Frage des Budgets. Traditionell sind diese Genres kostenintensiv. Genauso wie es die Serie «Davos 1917» mit ihrem historischen Hintergrund war. Es sei unumgänglich gewesen, internationale Partner für die Produktion zu finden. Mit der SRG alleine, die bisher immer noch die Hauptproduzentin von Serien in der Schweiz ist, wäre das Millionenbudget nicht zusammengekommen. In Zukunft sei es zu begrüssen, wenn neue Partner dazukommen werden. Das seien auch die allgemeinen Hoffnungen auf die «Lex Netflix». Eichenberger hat ein neues Projekt in Vorbereitung, das Mitstreiter sucht und genauso wie «Davos 1917» auf einen anspruchsvollen Finanzierungsplan setzt. Auch hier sieht man sich im Ausland um. Da es nicht immer einfach sei, eine Serie rein in Worten zu beschreiben, haben Eichenberger und Contrast Film ein sogenanntes «Ripomatic»-Präsentationsvideo hergestellt. Das dient anhand von neu inszenierten und weitgehend aus Archivbildern erzeugten Szenen zur Beschreibung von Stimmung und einem Einblick in den Stil des Projektes.
Die Heimat in der Serie
«Gold» heisst die Serie, die von der verschiedenen sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Implikationen des Edelmetalls erzählen will. Als nächstes wird die Pilotepisode geschrieben. Es handele sich um ein komplexes Thema. Christian Wehrlin ist als Ko-Autor daran beteiligt. «Es gab schon viel Recherche, Gespräche mit NGO und Fachpersonen. Damit ich überhaupt anfangen kann, über einen Goldgräber aus Burkina Faso zu schreiben, muss ich sehr viel wissen». Ihm wie auch Eichenberger sei bewusst, dass es darum gehe klischierte Darstellungen zu vermeiden. Eine spezifisch eingestellte Beraterin soll genau darauf achten. Auch bei diesem neuen Projekt gilt für Eichenberger ein Grundprinzip: «Man muss schauen, dass eine Serie für den Heimmarkt funktioniert. Wenn sie keine richtige Heimat hat, kann es eher nicht reisen. Es muss sich organisch und authentisch anfühlen». Das war zweifelsohne auch für «Tschugger» der Fall, erklärt Wehrlin, und das Gleiche galt auch für die Serie «Maloney» an der sowohl Wehrlin als auch Noëmi Steffen mit acht weiteren Autoren und Autorinnen an den Drehbüchern beteiligt waren.
C-Films produziert «Maloney» für das SRF. Die Serie kommt Ende November mit den ersten Folgen ins Kino und wird dann im Frühling 2025 in Gänze auf den Kanälen der SRG ausgestrahlt. Die Serie basiert auf das Hörspiel um den Privatdetektiven Philipp Maloney, das in der Deutschschweiz im Radio lief. Das Hörbuch war ausschlaggebend für die Entwicklung der Serie. Wir haben viel vom Hörbuch gehört. Wir haben uns für die Geschichten entschieden, die uns am besten gefallen haben. Sehr viel funktioniert über die Dialoge beim Hörspiel, wir mussten für die Serie anders denken. Steffen: «Es gibt ein paar Folgen, die sehr nahe an den Originalfällen sind und andere die freier entwickelt worden sind. Wir haben viel vom Hörbuch gehört. Wir haben uns für die Geschichten entschieden, die uns am besten gefallen haben. Sehr viel funktioniert über die Dialoge beim Hörspiel, wir mussten für die Serie anders denken». Anders als das Originalhörspiel, das auf Hochdeutsch mit Schweizer Einfärbung gesprochen wurde, hat man sich für die Serie ganz für Schweizerdeutsch entschieden. «Das entspricht mehr der Realität», so Steffen weiter. Marcus Signer spielt die eine Hauptrolle in der Serie, Stefan Kurt die zweite. Insgesamt sind es zehn Episoden, die jeweils thematisch in sich abgeschlossen sind.
Auslandserfahrung
Das ist eine Art von Serienformat. Eine andere besteht darin, dass eine Geschichte über die gesamte Staffel erzählt wird. So verhält es sich auch bei «37 Sekunden», die Serie, für die Bettina Oberli die Regie führte. «Es war eine Miniserie, das sind 6 Folgen à 45 Minuten». Diese Länge gefalle ihr besonders gut. Auf die Frage was zudem die Vorzüge eines Serienformats gegenüber einem Projekt in Spielfilmlänge seien, war sich Oberli mit den anderen Anwesenden auf dem Podium einig: «Man kann ein Thema sehr tief beleuchten, anders als in einem Spielfilm. In der längeren Erzählzeit, kann man mehr Komplexität darstellen». «37 Sekunden» ist ein deutsches Projekt (Einsehbar über die Mediathek der ARD, es geht dabei um eine Vergewaltigungsgeschichte) und Oberli ist aktuell auch an einem weiteren ausländischen Projekt in Belgien beteiligt. Sie berichtet von ihrer Erfahrung und brach eine Lanze für die Arbeitsbedingungen in der Schweiz. Es könne bereichernd sein, im Ausland zu arbeiten, weil unter anderem grössere Budgets und Schauspielende eines bestimmten Ranges zur Verfügung stehen würden, doch der Umgang könne entschieden rauer sein. Auch seien die Wege mitunter länger, in der Schweiz könne es sein, dass ein Projekt schneller auf Interesse stosse. Sie freue sich auf jeden Fall, demnächst auch wieder in der Schweiz tätig zu sein.




