Michel Frutig: «Wir haben ein treues Publikum, das sich durch seine Leidenschaft für das Genre auszeichnet.»
Michel Frutig © Brugggore

Michel Frutig: «Wir haben ein treues Publikum, das sich durch seine Leidenschaft für das Genre auszeichnet.»

Teresa Vena 3. Mai 2026

Zum sechsten Mal hat in Brugg das ehrenamtlich getragene Filmfestival Brugggore stattgefunden. Ein Besuch hat Aufschluss zur kollegialen Atmosphäre vor Ort gebracht und das Gespräch mit Festivalleiter Michel Frutig noch Einzelheiten zum Konzept der Veranstaltung.

copy linkshare facebookshare linkedinshare instagram

Im April hält der Horror in das Städtchen Brugg ein, und dies in diesem Jahr schon zum sechsten Mal. Nachdem wegen der Corona-Pandemie das NIFFF in Neuchâtel abgesagt wurde, nutzte Michel Frutig den zwangsangeordneten Müssiggang und setzte die Idee eines eigenen Festivals, der dem Horrorfilm gewidmet ist, um. Das Brugggore wuchs in den letzten Jahren heran. Frutig, Kreativdirector («Creative Director») bei der Produktionsfirma Maybaum Film, die sich seit zwanzig Jahren mit Auftragsfilmen hervortut, fand Mitstreiter und Mitstreiterinnen. Noch heute arbeiten alle für die Organisation und Durchführung des Filmfestivals ehrenamtlich.

«Es ist schwierig, Sponsoren und Förderer für das Thema Horror- und Genrefilm zu überzeugen», sagt Frutig. «Es bestehen noch immer Berührungsängste». Das bedeutet, dass das Festival mit einer offiziellen finanziellen Unterstützung von 30'000 Franken jährlich auskommt. «Etwa die gleiche Summe erspielen wir uns durch den Kartenverkauf.» Davon werden der Betrieb der drei Spielstätten, die Kinos Odeon und Excelsior sowie der Veranstaltungsort Salzhaus, wie auch die Filmmieten bestritten. «Den Rest stemmen wir in Eigenleistung.»

Ein treues Publikum

Eine Ernüchterung über diese Situation sucht man vergebens. Im Gegenteil ist die Begeisterung, mit der Frutig von seinem Festival spricht, äusserst sympathisch und ansteckend. Das zeigt sich nicht nur bei seinen Kollegen und Kolleginnen vor Ort, sondern auch beim Publikum. «Wir haben ein treues Publikum, das sich durch seine Leidenschaft für das Genre auszeichnet.» Die Besucher und Besucherinnen des Festivals stammen im Kern aus der Region, aber auch darüber hinaus und einzelne Personen kommen auch extra aus Deutschland.

Was diese am Brugggore besonders schätzen ist die Besinnung auf das Horrorfach, während sich beispielsweise das NIFFF mit den Jahren mehr und mehr auch anderen Ausrichtung des Genre-Films wie etwa dem Thriller, dem fantastischen Film oder auch der absurden Komödie geöffnet hat. Aus dem Programm des Festivals und dem Leitsatz «Fantastic Horror and Beyond» ist im übrigen ersichtlich, wie vielseitig Horror wirklich sein kann. «Gore», also «blutig» ist dabei das verbindende Kriterium. Doch der Ideenreichtum, der über die Leinwand flimmert (Dragqueens, die gegen Zombies kämpfen; Riesentausendfüssler; Sexsüchtige Geister, die es auf Kunststudenten abgesehen haben; Diätpillen mit blutigen Nebeneffekten; Mörderische Pilzkolonien) und nicht zuletzt der künstlerische Anspruch, dem sich viele der Filme verschreiben sind Zeuge dieser Vielfalt.

Auf diese Weise zieht das Festival auch ein Publikum an, das so ein Programm zu schätzen weiss. Zusammengestellt wird es aus einem gemischt-geschlechtlichem Organisationsteam, in dem persönliche Präferenzen und Bedürfnisse zum Tragen kommen. «Uns ist es wichtig, dass wir auch viele Filme zeigen, die eine gewisse Ernsthaftigkeit aufweisen», sagt Frutig. Damit unterstreicht er, dass Genrefilme und eben auch Horrorfilme durchaus gesellschaftlich-relevante Themen verhandeln. Auffällig war im diesjährigen Programm beispielsweise ein kleiner Schwerpunkt von Filmen, die sich mit gängigen Schönheitsidealen auseinandersetzen.

Dass man das Genre ernst nimmt, zeigt sich auch im Respekt vom und für das Publikum. Im Programmheft markiert das Festival seit ein paar Jahren die wichtigsten Warnkriterien zu den verschiedenen Filmen. «Jeder springt auf andere Themen an und kann unterschiedlich von bestimmten Motiven berührt werden», so Frutig. Entwickelt hat man dieses Vorgehen auch dank der Rückmeldungen der Zuschauer und Zuschauerinnen. Dazu gehöre auch das Achtsamkeitskonzept, das «Horror ausschliesslich auf die Leinwand» verbannt, ungebührliches Verhalten untereinander lehne man entschieden ab, wie ein Hinweis auf der Leinwand bekräftigt. Sicher, es darf und soll gelacht werden, man darf sich auch mal auffällig gruseln, doch sonst herrscht «Nicht sprechen, kein Telefon während der Vorstellung». Dafür ist nach der Vorstellung noch Zeit. Dazu lädt Brugg, eine Stadt mit «einer kreativen Seel», wie Frutig sagt, ein.

Lesen Sie auch