FIFFs humanitäre Ursprünge
Gespräch beim FIFF mit Cyril Cordoba, Martial Knaebel, Agnès Jubin, Charles Ridoré, Lucia Leoni (v.l.n.r.). © Adrien Perritaz

FIFFs humanitäre Ursprünge

Teresa Vena 25. März 2026

Dieses Jahr feiert das FIFF seine 40. Ausgabe. Das war auch eine Gelegenheit, auf die Anfänge des Festivals in Freiburg zurückzublicken.

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Das Festival International du Film de Fribourg (FIFF) zeigte im Rahmen seines diesjährigen Programms in einer Sonderveranstaltung erst den bolivianischen Film «Yawar Mallku» («Das Blut des Condors») von 1969 und lud danach zu einem Gespräch über seine Ursprünge ein. Das naturalistische Drama von Jorge Sanjinés, das sich dem indigenen Volk der Quechua widmet, das Diskriminierung und Gewalt in Form von Zwangssterilisierung der Frauen und Zwangsabtreibungen erlebt, war einer der Filme, die in den ersten Ausgaben des Festivals in den 1980er Jahren dem Publikum präsentiert wurden. Er zeugt eindrücklich von den Gedanken, die Magda Bossy dazu bewegt haben, ein Festival für Filme aus aussereuropäischen Ländern zu gründen.

Bossy leitete in der Westschweizer das Hilfswerk Helvetas als sie zum 25. Jubiläum ihrer Organisation die Idee für ein Filmfestival ins Spiel brachte. Es war 1980 als in Freiburg die erste Ausgabe stattfand. Anfangs experimentierte man bezüglich des Standortes noch mit verschiedenen Städten der Westschweiz, etwa Lausanne und Genf, beispielsweise, bis schliesslich in Freiburg die Wurzeln gesetzt wurden. Während Bossy heute nicht mehr am Leben ist, sind es aber verschiedene ihrer frühen Mitstreiter und Mitstreiterinnen. Drei davon stellten sich während der nun 40. Ausgabe des Festivals ihren Erinnerungen. Das Gespräch rahmten die Cyril Cordoba und Lucia Leoni, Historiker und Historikerin an der Universität Freiburg, ein.

Die Anfänge

Charles Ridoré war Präsident des FIFF zwischen 1999 und 2003, Martial Knaebel Direktor des FIFF zwischen 1990 und 2007, und Agnès Jubin engagierte sich beim Festival als Ehrenamtliche zwischen 1990 und 2007. Gemeinsam berichteten die drei Veteranen wie anfänglich in Gemeindesälen Filme mit mehr oder weniger technischen Pannen und bei nicht immer bequemsten Sitzgelegenheiten vorgeführt wurden. Man sei in den Ablauf «hineingewachsen». Alle Beteiligten stammen von ausserhalb des Kultur- oder des Filmbetriebs.

Die treibende Kraft für dieses Engagement war es, durch die Filme von aussen, die Kultur dieser Länder in der Schweiz greifbar zu machen. Hilfsorganisationen aus der Schweiz, die sich in fremden Ländern eingesetzt haben, prägten das Bild dieser aussereuropäischer, damals Länder der Dritten Welt (bis 1990 hies es Festival du Tiers Monde), heute meist Globaler Süden genannt, in der Schweiz. Eine Umkehrung oder zumindest Differenzierung dieser Wahrnehmung stand im Vordergrund der Bemühung des Festivals. Filmschaffende sollten die Möglichkeit bekommen, für sich selbst zu sprechen.

Dieser Grundgedanke steht für das Festival noch heute an erster Stelle. Heute hat sich aber die Filmlandschaft und nicht zuletzt die Haltung gegenüber anderen Kulturkreisen verändert. In den 1980er Jahren wurden in kommerziellen Kinosälen kaum aussereuropäische Filme gezeigt. In Frankreich oder Deutschland waren sie vereinzelt an Festivals sichtbar, einen umfassenden Verleih gab es nicht. Mit dem FIFF ist in der Schweiz auch der Verleih Trigon-Film herangewachsen, der sich auf diese Art von Filmen spezialisierte.

Anfangs bestanden also grosse logistische Herausforderungen, die nicht nur die Beschaffung der Filme - damals noch in Form von 35 mm-Rollen - betrafen, sondern auch die Organisation von Reisen der eingeladenen Filmschaffenden. Visa mussten ausgestellt werden, wobei die DEZA ihre Unterstützung anbot.

Freiburg als Standort

Dass sich das Festival im übrigen in Freiburg etablierte, sei Zu- und Glücksfall. Die Podiumsgäste beschreiben die Region von damals als «kulturelle Wüste». Es habe einen Mangel an kulturellen Impulsen in allen Bereichen gegeben, was man auf den noch heute relativen Konservatismus der Stadt und Region zurückführt. Das Festival habe entsprechend dazu beigetragen, hier eine Lücke zu füllen. In 40 Jahren ist es bei weitem nicht mehr die einzige kulturelle Veranstaltung von Rang, die die Region belebe. Letztes Jahr zählte das FIFF 50’000 Besucher und Besucherinnen. Man wünsche sich, dass es weiterhin dazu beitrage «Menschen zusammen zu bringen und Hoffnung zu säen», wie Agnès Jubin meinte.

Schaut man sich dann in den Sälen und in den Kinos um, fällt eines sicherlich auf: Das Publikum des Festivals ist vielschichtig, in Bezug auf Altersgruppen sowie auf kulturelle und soziale Hintergründe. Das gilt auch für die Ehrenamtlichen.

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Magda Bossy Gründerin des FIFF © Adrien Perritaz
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Cyril Cordoba und Martial Knaebel. © Adrien Perritaz
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Charles Ridoré © Adrien Perritaz
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Agnès Jubin © Adrien Perritaz

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