Lionel Baiers Drama «La cache» ist die Verfilmung des gleichnamigen, autobiografischen Romans des französischen Autors Christophe Boltanski. Der Film greift eine bestimmte Zeitepoche heraus, um die Geschichte einer jüdisch-französischen Familie zu erzählen. Anlässlich seiner Teilnahme am Wettbewerb der diesjährigen Berlinale haben wir den Schweizer Regisseur gesprochen und zwei Fragen gestellt.
Wie haben Sie sich für diesen Roman von Christophe Boltanski entschieden?
Er wurde mir von der französischen Verleiherin meines Films «La vanité» anlässlich dessen Veröffentlichung im Jahr 2015 angeboten. Sie dachte, dass er mich interessieren könnte. Ich habe es gelesen und es hat mich sehr berührt. Ich fragte mich, wie ich es verfilmen sollte, weil das Buch über mehr als ein Jahrhundert hinweg spielt. Es nimmt jeden Raum des Hauses und erzählt alles, was in diesem Raum über ein Jahrhundert hinweg passiert. Das Buch hat mich berührt, weil ich darin viele Anknüpfungspunkte zu Dingen sah, die auch meiner Familie nahestehen. Ausserdem ermöglichte es mir, über den Holocaust zu sprechen, ohne einen historischen Film drehen zu müssen.
Das Haus der Familie steht im Mittelpunkt der Geschichte. Wo haben Sie gedreht?
Es ist ein Film, der zum grössten Teil in Luxemburg gedreht wurde. Die erste grosse Baustelle des Films war die Wohnung in der Rue de Grenelle, die immer noch existiert. Christophe Boltanski hat mir angeboten, sie zu sehen, aber ich wollte nicht. Die Wohnung, die wir gebaut haben, ist eine Art Mischung aus der Wohnung meiner Eltern. meinen Erinnerungen, und anderen Dingen, die ich gesehen habe. Wir haben sie auf 500 Quadratmetern mit neun Zimmern nachbauen lassen. Es war wirklich unglaublich, denn es waren Tonnen von Bücher darin. Es roch nach altem Papier und Parkett. Sogar die Parkettböden knarrten, die Türen schlossen schlecht, wie in einem echten Haus. Ansonsten drehten wir in den Strassen von Paris, aber es war kurz vor den Olympischen Spielen und somit kompliziert. Es war einfacher, stattdessen einen Teil in der Schweiz zu drehen. Der Eingang zur Metro und die Brasserie sind in Genf. Die Szenen im Auto wurden auch in einem Studio gedreht, das wir in Ursy auf dem Freiburger Land eingerichtet haben.